Politik

Nach Israel-Eklat um Gabriel Jetzt soll's Steinmeier richten

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Frank-Walter Steinmeier ist seit Mai 2015 Ehrendoktor an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil Bundesaußenminister Gabriel mit Gegnern der israelischen Siedlungspolitik spricht, lässt Israels Regierungschef Netanjahu ein Treffen platzen. Ein vermeidbarer Eklat, meint der Zentralrat der Juden - und hofft nun auf das Feingefühl des Bundespräsidenten.

Trotz des Eklats bei der Israel-Reise von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel befürchtet der Zentralrat der Juden in Deutschland keinen dauerhaften Schaden im deutsch-israelischen Verhältnis. "Eine nachhaltige Verstimmung der deutsch-israelischen Beziehungen wird es durch den jüngsten Vorfall nicht geben", sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der "Welt".

Vom anstehenden Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Israel erwartet Schuster nun versöhnliche Zeichen. "Deutschland wird nach wie vor als bester Freund Israels in Europa betrachtet", so Schuster. "Der Bundespräsident sollte daher die Botschaft aussenden, dass man auf diese Freundschaft auch wirklich zählen kann, auch in schweren Zeiten."

Die Absage eines Treffens mit Gabriel durch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hatte am Dienstag für einen Eklat gesorgt. "Wie in jeder guten Freundschaft gibt es Höhen und Tiefen", sagte Schuster dazu. Er bedauerte aber, dass das Gespräch zwischen Gabriel und Netanjahu nicht stattfand. "Die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel sind zu wichtig, als dass man Differenzen nicht sofort aus dem Weg räumen sollte."

Schuster gibt Gabriel Mitschuld

Der israelische Regierungschef Netanjahu, der zugleich auch Außenminister ist, hatte sein Vorgehen damit begründet, dass Gabriel sich im Rahmen seines Israel-Besuchs auch mit Vertretern der Bürgerrechtsorganisationen Breaking The Silence und B'Tselem getroffen hatte. Diese setzen sich kritisch mit dem militärischen Vorgehen des Landes in den Palästinensergebieten und mit der israelischen Siedlungspolitik auseinander.

Nach Ansicht von Schuster hätte Gabriel den Eklat vermeiden können. "Nach meinem Kenntnisstand hatten die israelischen Gastgeber vorgeschlagen, dass Außenminister Gabriel sich auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen trifft, die einen anderen Blick auf die Lage vor Ort haben." Gabriel hätte den Vorschlag annehmen sollen, "um einen ausgewogenen Einblick durch andere Organisationen des zivilgesellschaftlichen Spektrums in Israel zu erhalten".

Quelle: ntv.de, jug/AFP