Politik

"Tag der Hoffnung" Joe Biden als 46. Präsident der USA vereidigt

Die USA haben nach vier Jahren unter Donald Trump einen neuen Präsidenten. Vor dem Kapitol legte Joe Biden den Amtseid ab. Er ist nun der 46. Präsident des Landes. Biden übernimmt ein zutiefst gespaltenes Land, das zudem schwer von der Corona-Krise gezeichnet ist. Amtsvorgänger Trump blieb wie angekündigt der Zeremonie fern.

Joe Biden ist als 46. Präsident der USA vereidigt. In einer feierlichen Zeremonie vor dem Kapitol in Washington legte der 78-Jährige den Amtseid ab. Zuvor war Kamala Harris als erste Vizepräsidentin des Landes vereidigt worden. Biden löst den Republikaner Donald Trump ab, der entgegen der Tradition nicht an der Amtseinführung seines Nachfolgers teilnahm. "Zu dieser Stunde, meine Freunde, hat sich die Demokratie durchgesetzt", sagte Biden anschließend. "Dies ist der Tag der Demokratie, ein Tag der Geschichte und der Hoffnung auf Erneuerung und Entschlossenheit." Es gehe nicht um den Sieg eines Kandidaten, sondern der Herrschaft des Volkes.

Während der feierlichen Amtsübergabe hatte Sängerin Lady Gaga die Nationalhymne gesungen. Die Musikerin erschien in einem überdimensionalen roten Rock, schwarzen Handschuhen und einer Flechtfrisur. An ihrem langärmeligen schwarzen Oberteil prangte eine goldene Friedenstaube mit Zweig im Schnabel. Auch Sängerin Jennifer Lopez trat auf. In einem weißen Hosenanzug mit Rüschen, bodenlangem weißen Mantel und Perlenschmuck sang die US-Musikerin die Lieder "This Land Is Your Land" und "America the Beautiful". Zwischendrin rief Lopez, deren Eltern aus Puerto Rico stammen, den Zuhörern auf Spanisch einen Teil des Treue-Gelöbnisses der USA zu: "Eine Nation unter Gott, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden."

200.000 Flaggen statt Zuschauer

Die Zeremonie am US-Kapitol fand unter nie da gewesenen Sicherheitsvorkehrungen statt. Vor zwei Wochen hatten gewalttätige Anhänger des abgewählten Trump das Parlamentsgebäude gestürmt. Die Angst vor neuerlicher Gewalt rund um die Vereidigung war groß. Das Zentrum der US-Hauptstadt wurde weiträumig abgeriegelt. Neben zahlreichen Polizisten waren Tausende Mitglieder der Nationalgarde im Einsatz. Wegen der Corona-Pandemie fand die Amtsübergabe zudem ohne das übliche Massenpublikum statt. Anstelle der Hunderttausenden Menschen fanden fast 200.000 Flaggen auf der Freifläche zwischen dem Kapitol und dem Lincoln Memorial Platz, die die fehlenden Besucher repräsentieren sollten.

Der bekennende Katholik Biden schwor auf eine massive Bibel seiner Familie - wie bei vergangenen Vereidigungen als Vizepräsident der Regierung von Ex-Präsident Barack Obama und als Senator. Biden hatte die Präsidentenwahl im November mit deutlichem Abstand gewonnen.

Trump verlässt Washington am Morgen

Er kann bei seinen geplanten Vorhaben auf die Unterstützung des Kongresses bauen, wo sich seine Demokraten bei den Wahlen die Kontrolle beider Kammern sicherten. Trump sieht sich durch massiven Wahlbetrug, für den es keine Belege gibt, um den Sieg gebracht. Er reiste am Morgen aus Washington ab. Er ist der erste scheidende Amtsinhaber seit 1869, der nicht an der Zeremonie am Kapitol teilnahm.

Trumps bisheriger Stellvertreter Mike Pence und seine Ehefrau Karen waren dagegen anwesend. Im Publikum saßen auch die ehemaligen US-Präsidenten Obama, George W. Bush und Bill Clinton mit ihren Ehepartnerinnen. Mit ihnen wollte Biden unmittelbar nach der Amtseinführung einen Kranz am Grab des unbekannten Soldaten am Nationalfriedhof im an Washington grenzenden Arlington ablegen.

Biden übernimmt von Trump ein tief gespaltenes Land, in dem die Corona-Pandemie weiter wütet, die eine Erholung der angeschlagenen Wirtschaft erschwert und bestehende Ungleichheiten zwischen den ethnischen Bevölkerungsgruppen verstärkt. Im Hintergrund verschärft sich der Klimawandel, den Biden als "existenzielle Bedrohung" betrachtet.

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Noch im Tagesverlauf will Biden die geplante Abkehr von Trumps Regierungskurs einleiten, indem er einen Einreisestopp für Bürger überwiegend muslimisch geprägter Länder und die Aufkündigung des Pariser Klimaabkommens rückgängig machen wollte.

Wegen der Corona-Pandemie fällt auch die traditionelle Ballnacht in Washington aus. Stattdessen sollte es eine von Schauspieler Tom Hanks moderierte virtuelle Feier geben - mit Anmerkungen von Biden und Harris. Auftreten sollten unter anderem die Foo Fighters und Bruce Springsteen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

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