Politik

Besorgte Nachbarn rufen Polizei Johnson ignoriert kritische Fragen nach Streit

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In Birmingham wollte Johnson lieber über den Brexit als sein Privatleben sprechen

(Foto: picture alliance/dpa)

Boris Johnson wird von vielen als nächster britischer Premier gehandelt. Nach wie vor setzt er sich für den Brexit ein - zur Not auch ohne Deal. In Großbritannien ist er momentan aber eher wegen seines Privatlebens in den Schlagzeilen.

Im Rennen um die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May hat Ex-Außenminister Boris Johnson mit einem nächtlichen Polizeieinsatz für Schlagzeilen gesorgt. Ein heftiger Streit mit seiner Lebensgefährtin Carrie Symonds rief Medienberichten zufolge in der Nacht zum Freitag die Polizei auf den Plan und beherrschte am Wochenende die Titelseiten der meisten britischen Zeitungen. Einem Bericht des "Guardian" zufolge war zu hören, wie Symonds den ehemaligen Londoner Bürgermeister und Ex-Außenminister anschrie, er solle sie "in Ruhe lassen" und "aus meiner Wohnung verschwinden".

Die Polizei sei kurz vor Mitternacht telefonisch alarmiert worden. "Der Anrufer war um das Wohl seiner Nachbarin besorgt", sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei habe dann mit den Bewohnern der fraglichen Wohnung gesprochen, die alle wohlauf gewesen seien.

Johnson versuchte bei einem Auftritt vor der Parteibasis in Birmingham, das Gespräch von seinem Privatleben auf die Politik zu lenken. "Ich glaube nicht, dass die Leute von solchen Dingen hören wollen", sagte er dort. Der Favorit um die Nachfolge von May stellte lieber seine Sicht auf den EU-Austritt Großbritanniens heraus. "Wir müssen den Brexit schaffen", sagte er und versprach, Großbritannien auf einen "No Deal"-Brexit vorzubereiten, falls mit der EU keine Einigung erzielt werde.

Kritik von allen Seiten

Mehrere Sonntagszeitungen in Großbritannien titelten mit der Weigerung des 55 Jahre alten Tory-Politikers, zu dem Vorfall Stellung zu nehmen. Er hatte bei einer Regionalkonferenz der Konservativen Partei am Samstag in Birmingham mehrfach abgelehnt, sich zu Berichten über einen lautstarken Streit zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin zu äußern. Selbst erzkonservative Boulevardzeitungen wie die "Sun", die hinter dem Bekanntwerden des Vorfalls eine "linke Verschwörung" witterten, schlossen sich der Kritik an Johnsons Schweigen an. Der "Sunday Express" titelte: "Warum sagt uns Boris nicht, was passiert ist?"

Johnson und sein Konkurrent im Rennen um die Nachfolge von Theresa May, Außenminister Jeremy Hunt, präsentierten sich in Birmingham erstmals der Parteibasis. Bis Ende Juli sollen die geschätzt 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei per Briefwahl über den neuen Parteichef und damit den Premierminister abstimmen.

Quelle: n-tv.de, agr/AFP/dpa

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