Politik

Von Labour-Chef bloßgestellt Johnson mit deutscher Corona-App düpiert

Dem britischen Premier wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Corona-Krise reagiert zu haben. Auch auf eine funktionierende Tracing-App warten die Briten bislang vergebens. Trotz Millioneninvestition spielt Johnson die Rolle der technischen Maßnahme herunter und begibt sich damit auf sehr dünnes Eis.

"Germany" - das Wort alleine reicht, um den britischen Premierminister Boris Johnson in einem Streitgespräch mit Labour-Chef Keir Starmer den Wind aus den Segeln zu nehmen. Johnson hatte im britischen Unterhaus zuvor behauptet, es gebe kein Land, das eine funktionierende Corona-Tracing-App vorweisen könne. Starmer verwies auf Deutschland. "Die App läuft seit dem 15. Juni mit zwölf Millionen Downloads", betonte der Labour-Chef.

Neben Deutschland haben auch Frankreich, Australien oder Lettland Apps gestartet, allerdings mit deutlich geringeren Downloadzahlen. "Andere Länder sind uns voraus. Wann bekommen wir eine funktionierende App?", fragte Starmer in Richtung des Premierministers. Johnson steht unter enormem Druck, da er eine App für den 1. Juni angekündigt hatte und bereits zwölf Millionen Pfund in die Entwicklung investiert wurden. Einen Starttermin will das zuständige Ministerium erst gar nicht ankündigen. "Die App macht Fortschritte und wir werden sie zum richtigen Zeitpunkt starten", hatte Gesundheitsminister Matt Hancock jüngst betont.

Auf die App werden die Briten wohl noch etwas warten müssen. In Großbritannien soll nun eine Lösung mithilfe von Google und Apple gefunden werden. Dadurch wird sich die Veröffentlichung der Anwendung allerdings bis in den Winter hinauszögern.

Johnson spielte die Situation anschließend herunter. Die App sei nur das "Sahnehäubchen" der Maßnahmen gegen das Coronavirus. Das "Test and Trace"-Verfahren des Gesundheitssystems (NHS) laufe fantastisch und werde immer besser. Das NHS-System versucht mit Telefonanrufen, SMS und E-Mails alle zu kontaktieren, die positiv auf das Virus getestet wurden. Es empfiehlt den Infizierten, Details zu "engen Kontakten" preiszugeben und sich zwei Wochen lang selbst zu isolieren.

*Datenschutz

Laut Starmer erreiche das System aber nur rund ein Drittel der mit dem Virus Infizierten. "Wenn zwei Drittel nicht über das System erreicht werden, dann ist das ein großes Problem", sagte der Labour-Chef. Sollte das "Test and Trace"-Verfahren nicht erfolgreich sein, könne man die Wirtschaft nicht wieder öffnen und zugleich die Ausbreitung des Virus verhindern.

Großbritannien ist das am schwersten von der Pandemie betroffene Land in Europa. Der Regierung von Premierminister Johnson wird vorgeworfen, zu spät und falsch auf die Corona-Krise reagiert zu haben.

Quelle: ntv.de, mba/dpa