Politik

Wahlkampf in Großbritannien Johnson muss gegen Komiker antreten

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Das weiße Kaninchen fest im Griff: Johnson am Donnerstag auf Wahlkampftour in einer Grundschule.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Wahlkreis des britischen Premiers treten einige Fantasiegestalten gegen Johnson an: Lord Eimerkopf, Graf Mülltonnengesicht oder Elmo aus der Sesamstraße. Einen ernst gemeinten Vorschlag von Labour-Chef Corbyn finden die Tories allerdings ebenso fantastisch fehlgeleitet.

Der britische Premierminister Boris Johnson muss sich bei der Parlamentswahl am 12. Dezember in seinem Wahlkreis Uxbridge und South Ruislip einigen kuriosen Herausforderern stellen. Auf der Liste der Kandidaten findet sich wohl ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) und ein Count Binface (Graf Mülltonnengesicht). Weitere Bewerber sind Yace Yogenstein, der auch unter dem Namen Interplanetary Time Lord (Interplanetarischer Zeitfürst) antritt, und Bobby "Elmo" Smith. Hinter Count Binface steht dem "Guardian" zufolge der Comedian Jon Harvey. Er war bereits bei der vergangenen Wahl im Jahr 2017 gegen die damalige Regierungschefin Theresa May in deren Wahlkreis Windsor und Maidenhead angetreten und hatte 249 Stimmen erhalten, damals noch unter dem Namen Lord Buckethead. Davon sah er aber dieses Mal angesichts eines Urheberrechtsstreits ab. Einen anderen Bewerber scheint das nicht abgehalten zu haben, den Namen aufzugreifen.

Die Kostüme der beiden Bewerber ähneln sich, wie auf deren Twitter-Accounts zu sehen ist. Während Lord Buckethead mit dem typischen schwarzen eimerförmigen Helm, hohen Kragen und einem Cape antritt, hat sich Count Binface für ein graues Outfit entschieden. Keine Verwechslungsgefahr dürfte es bei Bobby "Elmo" Smith geben: Auch er trat bereits 2017 im Kostüm der beliebten Sesamstraßenfigur gegen May an und holte drei Stimmen.

Johnson hat aber auch ernsthafte Herausforderer. Am gefährlichsten könnte ihm der Kandidat der Labour-Partei, Ali Reza Milani, werden. Bei der letzten Wahl gewann Johnson mit einem relativ knappen Vorsprung von rund 5000 Stimmen. Im britischen Mehrheitswahlrecht zieht nur jeweils der Kandidat mit den meisten Stimmen in einem Wahlkreis ins Parlament ein.

Internet umsonst: Corbyn will britische Telekom verstaatlichen

Knapp einen Monat vor der Wahl versprach die oppositionelle Labour-Partei derweil kostenloses Breitband-Internet für alle Bürger. Es sei an der Zeit, dass es "in jedem Haus in diesem Land" einen kostenlosen Glasfaser-Breitband-Anschluss gebe, sagte Parteichef Jeremy Corbyn. Um das Vorhaben umzusetzen, will Labour einen Teil der britischen Telekom BT verstaatlichen. Die regierenden Tories und Wirtschaftsverbände kritisierten die Idee scharf.

"Das Internet ist zu so einem zentralen Teil unseres Lebens geworden", sagte Corbyn. "Was einst ein Luxus war, ist jetzt eine wesentliche Notwendigkeit." Internet per Glasfaser müsse deshalb zur "öffentlichen Dienstleistung" werden, sagte der Oppositionsführer. Kostenloses und schnelles Internet für alle würde das "Land verändern, die Rechnungen der Menschen senken, unsere Wirtschaft voranbringen und die Lebensqualität der Menschen verbessern", sagte Corbyn. Die Einsparungen durch den kostenlosen Dienst für eine Person würden laut Labour durchschnittlich 30,30 Pfund, umgerechnet rund 35 Euro im Monat betragen.

Johnsons regierende Tories kritisierten das Wahlversprechen als "Fantasie-Plan". Digitalminister Nicky Morgan warnte, eine "faktische Verstaatlichung" der Breitband-Dienste der BT würde Milliardenkosten bei "hartarbeitenden Steuerzahlern" verursachen. Der Branchenverband TechUK nannte die Idee "grundlegend fehlgeleitet". Eine Teilverstaatlichung der Telekom wäre dem Lobbyverband zufolge eine "Katastrophe" für die Branche und würde die schnell wachsende Digitalwirtschaft im Vereinigten Königreich empfindlich treffen.

Labour hat im Wahlkampf bereits die Verstaatlichung zahlreicher Betriebe gefordert, darunter die Eisenbahn und die Post. Zudem fordert die Partei eine Verringerung der Arbeitszeit auf 32 Stunden. Im Gegenzug will sie die Steuern für Reiche anheben. Umfragen sehen allerdings die konservativen Tories vorn.

Quelle: ntv.de, mau/dpa/AFP