Politik

"Eigentlich Glück für das Land" Joschka Fischer lobt Angela Merkel

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In der Politik gibt es viele Idioten, sagt Joschka Fischer.

picture alliance / Kay Nietfeld/

In den 70er Jahren warf Joschka Fischer mit Steinen nach Polizisten. Auch die CDU war sein Feind. Heute ist der Grünen-Politiker 70 Jahre alt. Sein Menschenbild ist ein anderes: Kanzlerin Merkel findet er gut. Und er wollte nie Außenminister werden.

Der frühere Außenminister Joschka Fischer lobt Bundeskanzlerin Angela Merkel in höchsten Tönen. "Sie hat gewaltig gelernt mit den Jahren und ist eigentlich ein Glück für das Land", sagte der Grünen-Politiker dem Magazin "Stern". Nicht nur seine Meinung über die CDU-Chefin hat sich geändert. In dem Gespräch blickte der 70-Jährige auf sieben Jahrzehnte Bundesrepublik und seine Nähe und Distanz zu diesem Staat zurück.

Als junger Abgeordneter hatte Fischer 1984 den Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen als "Arschloch" beschimpft. So etwas wie "Arschloch" würde er heute nicht mehr öffentlich sagen, betonte ernun. "Aber lassen Sie es uns etwas abrüsten: Ja, Sie haben in der Politik mit vielen Idioten zu tun und werden selbst von vielen als Idiot oder sogar Oberidiot angesehen. Daraus lernen wir: Die Politik ist menschlich, allzu menschlich."

Durch Taxifahren zum Realisten geworden

Fischer ging auch auf seine Zeit als Außenminister ein. Er bestritt, dass er sich 1998 in dem Amt auf dem Zenit seiner politischen Laufbahn gefühlt habe. "Ich wollte nicht Außenminister werden. Ich bin es nur geworden, weil ich wollte, dass die Grünen regieren", sagte er.

Fischer schildert auch, wie er in den 70er Jahren als Taxifahrer in Frankfurt fürs Leben gelernt habe. Der Job habe ihn zum Realisten gemacht, so Fischer zum "Stern". "Im Taxi habe ich erkannt, dass der Mensch von extremer Ambivalenz ist: großmütig und hundsgemein in einem." Vorher habe er ein anderes Menschenbild gehabt –nämlich der "Mensch ist gut an sich, man muss nur die Verhältnisse so verändern, dass er sich entfalten kann", erklärte er. An seine Zeit als Taxifahrer hat Fischer gute Erinnerungen. Oft sei er ja für diesen Job verhöhnt werden: "Das Einzige, was er hat, ist 'n Taxischein. Stimmt. Bin ich stolz drauf."

Quelle: n-tv.de, hul/dpa

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