Zahlen zu antisemitischen TatenJudenfeindlichkeit im Osten besonders groß

Seit 2010 hat die Polizei deutschlandweit fast 12.000 antisemitische Straftaten verzeichnet. Die Zahlen zeigen: Vor allem im Osten der Republik ist der Hass auf Juden und jüdische Einrichtungen groß.
Die Zahl antisemitischer Straftaten ist gemessen an der Bevölkerungszahl in den ostdeutschen Bundesländern einschließlich der Hauptstadt Berlin besonders hoch. Insgesamt habe die Polizei von 2010 bis Ende Juli 2018 in Deutschland 11.786 Delikte verzeichnet, die sich gegen Juden oder jüdische Einrichtungen in Deutschland richteten, hieß es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion.
In der Antwort heißt es auch, dass sich allein 1649 Straftaten in Berlin ereigneten. Dies entspricht 46,1 Taten je 100.000 Einwohner. Weiter hieß es unter Berufung auf die polizeiliche Kriminalstatistik sowie Angaben des Statistischen Bundesamts, in Thüringen seien 29,8 Fälle je 100.000 Einwohner registriert worden, in Brandenburg 28,7 Fälle. In in Sachsen-Anhalt seien es 23,8 Fälle, in Sachsen 18,5 Fälle und in Mecklenburg-Vorpommern 16,3 Fälle. In Rheinland-Pfalz seien es demnach dagegen 8,3 Fälle je 100.000 Einwohner, in Baden-Württemberg 8,8 Fälle und in Nordrhein-Westfalen 12,7 Fälle.
Angesicht dieser Zahlen zeigte sich der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe alarmiert: "Gerade in Ostdeutschland zeigt Judenfeindlichkeit häufig durch Straftaten ihr hässliches Gesicht." Obwohl in vielen Regionen kaum Juden lebten, sei hier "der Hass gegen jüdisches Leben groß". Klein kündigte an, er den Kampf gegen Antisemitismus zu verstärken. Unter anderem wolle er dafür sorgen, dass die Arbeit der ostdeutschen KZ-Gedenkstätten wie etwa Buchenwald oder Sachsenhausen "stärker in Schulen und Jugendzentren präsent ist".
Entsetzt äußerte sich auch die FDP-Bundestagsabgeordnete Linda Teuteberg. 11.786 antisemitische Straftaten seien "in Anbetracht von nicht einmal hunderttausend Mitgliedern jüdischer Gemeinden eine erschreckend hohe Zahl". Teuteberg verwies auch auf die besonders hohe Zahl von Fällen in Berlin. "Die rot-rot-grüne Landesregierung muss endlich handeln", forderte die FDP-Politikerin. "Es ist unerträglich, dass Mitbürger jüdischen Glaubens sich in ihrer Hauptstadt nicht sicher fühlen können."