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Anwalt: "Widerlicher Skandal" Jugendlicher soll V-Mann gewesen sein

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Beim G8-Gipfel in Heiligendamm 2007 gab es heftige Proteste.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein 15 Jahre alter Jugendlicher soll von der Rostocker Polizei als V-Mann angeheuert worden sein. Der Junge soll unter anderem als Spitzel über geplante linke Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm berichtet haben. Die Polizei widerspricht heftig.

Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern soll verbotenerweise einen 15-Jährigen als V-Mann beschäftigt haben. Diesen Vorwurf erhebt der Potsdamer Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel, der den heute 29 Jahre alten Betroffenen als Anwalt vertritt. Dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) sagte Distel, es handle sich um einen "an Widerlichkeit kaum zu überbietenden Skandal". Es handele sich um gesetzeswidrige Praktiken, wie man sie aus anderen Zeiten kenne, zitierte der NDR den Anwalt unter Anspielung auf die Staatssicherheit der DDR.

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Laut Diestel wurde sein Mandant im Alter von 15 Jahren als V-Mann angeworben und entlohnt. Er habe ohne Einwilligung seiner Eltern konspirativ in der lokalen Drogenszene agiert. Nach NDR-Informationen berichtete der Jugendliche auch über Vorbereitungen der linken Szene auf die Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm und die Proteste im Juni 2007 selbst. Der Betroffene sei Mitglied bei der Jugendorganisation der damaligen PDS, Solid, gewesen.

Er soll auch über "linke" Politiker berichtet haben. Später wurde er demnach als Spitzel auf "kriminelle Rockerbanden" in Rostock angesetzt. Sein Mandant sei in dem Umfeld, in das er geschickt worden sei, auch straffällig geworden, sagte Diestel der Deutschen Presse-Agentur. Ein junger Mensch könne sich nicht immer korrekt entscheiden und werde auch von seiner Umgebung geprägt.

Diestel sagte der Nachrichtenagentur AFP, er könne die weitergehenden NDR-Recherchen größtenteils bestätigen. Inzwischen sei sein Mandant, der wegen Betrugs verurteilt ist, in der Haftanstalt in Bützow als früherer Spitzel aufgeflogen und bedroht worden. Vor zwei Monaten wurde er nach Süddeutschland verlegt.

Polizei weist Vorwurf zurück

Das Schweriner Innenministerium will den schwer wiegenden Vorwurf "lückenlos" überprüfen und aufklären, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Ein Sprecher kündigte an, dass das Ministerium dem Innenausschuss des Landtags in der kommenden Woche "so weit wie schon möglich" Auskunft zu den Vorwürfen geben werde. Er bestätigte, dass der Einsatz von Minderjährigen als V-Leute nicht zulässig sei. Als Informanten könnten jedoch auch "nicht volljährige Personen in Anspruch genommen werden".

Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock sagte, die Polizei habe "zu keinem Zeitpunkt einen Minderjährigen als V-Mann beschäftigt". Da die Polizei generell keine Auskünfte über V-Leute gebe, wollte sie nicht sagen, ob der Betroffene als Erwachsener als V-Mann beschäftigt wurde. In einer Pressemitteilung widersprach die Polizei Rostock der Berichterstattung des NDR.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP

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