Politik

Chefsuche im offenen Wettstreit Juhu, die CDU lebt noch

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Laschet hat bereits gegen Merz gestichelt.

(Foto: dpa)

Die Kampfkandidatur um den Parteivorsitz bringt Bewegung in die CDU. Das ist bitternötig. Denn die Partei muss einen alten Konflikt ein für alle Mal klären.

Eigentlich kann die CDU Norbert Röttgen dankbar sein. Durch seine überraschende Kandidatur hat er eine Absprache über den künftigen Parteivorsitz hinter verschlossenen Türen verhindert. Das mag für die aktuelle Führung unbequem sein, für die Basis aber bietet sich die Gelegenheit, einen ungelösten Konflikt endlich beizulegen. Nach wie vor herrscht Uneinigkeit darüber, welche Richtung die Partei einschlagen muss. Alle Versuche der Parteichefin, den Streit darüber nicht allzu deutlich an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen, sind gescheitert. Und das ist gut so. Denn der kriselnden CDU ist nicht damit geholfen, still und leise einen Führungswechsel nach dem Prinzip des kleinsten gemeinsamen Nenners zu verhandeln. Im offenen Wettstreit liegt dieses Mal auch eine Chance.

Denn erst jetzt wird so richtig gestritten. Dagegen war der Bewerbungsmarathon um eine neue CDU-Führungsspitze im Herbst 2018 mit acht Regionalkonferenzen und einem Wahlparteitag ein höflicher Meinungsaustausch. Natürlich ist auch das wichtig für eine Partei, die stolz von sich behauptet, in ihrer Mitgliederstruktur die Gesellschaft in großer Breite abzubilden. Über Sachfragen zu diskutieren, ist allerdings das eine. Trotz unterschiedlicher Positionen einen Konsens zu finden, das andere. Allein der Umstand, dass Friedrich Merz nach seiner gescheiterten ersten Kandidatur erneut antritt, zeigt, dass in der CDU nichts geklärt ist. Seine Anhänger sind nach wie vor zahlreich. Und sie wollen nach wie vor einen Führungs- und Richtungswechsel.

Das ist einer der Gründe dafür, dass es Annegret Kramp-Karrenbauer von Beginn an schwer hatte. Sie präsentierte sich als Kandidatin der Vernunft. Ihr Sieg war denkbar knapp. Und als Parteichefin hat sie es nicht geschafft, die enttäuschten Merz-Fans von sich überzeugen. Was bei ihnen blieb, war die Hoffnung auf eine zweite Chance für den Umbruch. Diese Chance ist nun da. Auch Merz selbst hat dafür gesorgt, dass es ein Kampf um alles oder nichts wird. Das Angebot von AKK, einen Posten als Minister im Bundeskabinett anzunehmen, lehnte er ab - weil er weiß, dass er es noch weiter bringen kann. Stattdessen legt er sich nun offen mit der Parteiführung an, stellt mal eben den Job von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zur Disposition. Die Zeit der Höflichkeit ist vorbei.

Seine ärgsten Rivalen hat Merz in Armin Laschet und Jens Spahn gefunden. Dass die beiden den früheren Unionsfraktionschef im Team verhindern wollen, spricht ebenfalls Bände. Die Sorge muss groß sein vor einem Parteichef Merz. Erste gegenseitige Sticheleien hat es bereits gegeben. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sich der Ton bis zum Parteitag am 25. April noch verschärft. Solange es sachlich bleibt, kann das für die CDU sehr heilsam sein. Konkurrenz belebt das Geschäft. So oder so.

Viel wichtiger aber ist, dass eine Kampfkandidatur klare Verhältnisse schafft. Sollte Merz ein zweites Mal mit seiner Kandidatur scheitern, wäre sein politisches Comeback endgültig Geschichte. Sein Lager würde sich ein für alle Mal damit abfinden müssen - und akzeptieren, dass es kein Zurück in die Zeit vor Merkel gibt. Ist er dagegen erfolgreich, wird Merz reichlich zerschlagenes Porzellan aufsammeln müssen. Gut möglich, dass auch er dann im Sinne des Zusammenhalts das ein oder andere Versprechen an seine Anhänger kassiert. Der offene Wettstreit aber muss sein. Denn erst, wenn Sachdebatten nicht mehr zwangsläufig zu Personaldebatten führen, kann die CDU wieder zur Ruhe kommen.

Quelle: ntv.de