Politik

60 Verletzte bei Protesten Kabinettssitzung löst Unruhen in Barcelona aus

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Mehr als 50 Menschen wurden bei den Protesten verletzt.

(Foto: REUTERS)

Am Jahrestag der Neuwahlen in Katalonien hält die spanische Zentralregierung eine Kabinettssitzung in Barcelona ab. Unabhängigkeitsaktivisten fühlen sich provoziert. Es kommt zu gewalttätigen Zusammenstößen mit der Polizei.

Eine Kabinettssitzung der spanischen Zentralregierung in Barcelona hat zu gewalttätigen Protesten von Unabhängigkeitsbefürwortern geführt. Radikale Demonstranten lieferten sich Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften. Mehr als 60 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt. Die Unabhängigkeitsaktivisten werteten die Kabinettssitzung in der katalanischen Hauptstadt als "Provokation".

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Polizisten gehen in Barcelona gegen Demonstranten vor.

(Foto: picture alliance/dpa)

Normalerweise finden die wöchentlichen Kabinettssitzungen in Madrid statt, können aber in Einzelfällen auch in anderen spanischen Städten abgehalten werden. Der jetzige Versuch des spanischen Regierungschefs Pedro Sánchez, mit der Verlegung der Sitzung nach Barcelona ein Zeichen zur Deeskalation im Katalonien-Konflikt zu setzen, traf in der Regionalhauptstadt auf breite Ablehnung.

Mehrere Vereinigungen von Unabhängigkeitsbefürwortern, darunter die einflussreiche Katalanische Nationalversammlung (ANC), mobilisierten ihre Anhänger zu Protesten gegen die Zentralregierung. Einige der Kundgebungen schlugen in Gewalt um. Demonstranten griffen die katalanische Polizeieinheit Mossos d'Esquadra mit Steinen, Metallteilen, Flaschen und Feuerwerkskörpern an. 62 Menschen wurden nach Angaben der regionalen Behörden verletzt, unter ihnen 35 Polizisten. 13 Demonstranten wurden festgenommen.

Bereits am frühen Morgen hatten Aktivisten die Autobahnen AP7 und A2 besetzt, die den Nordosten Spaniens mit dem Nachbarland Frankreich und der Hauptstadt Madrid verbinden. Auch mehrere Zufahrtsstraßen nach Barcelona und einige Hauptverkehrsstraßen in der katalanischen Hauptstadt wurden von Demonstranten blockiert. Einige Straßen konnten später wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Spaniens Regierungschef setzt auf Dialog

Um die Lage unter Kontrolle zu halten wurden nach amtlichen Angaben mehr als 9000 Angehörige verschiedener Polizeieinheiten auf die Straßen geschickt. Die Beamten sperrten das Gebäude der früheren Warenbörse Llotja weitgehend ab, wo die Minister der Zentralregierung ihre Sitzung abhielten.

Das Datum der Kabinettssitzung hat Symbolcharakter: Der 21. Dezember ist der erste Jahrestag der Neuwahl in Katalonien, die 2017 von Madrid angeordnet worden war. Vorausgegangen waren ein von der Justiz verbotenes Unabhängigkeitsreferendum und ein daraus resultierender Unabhängigkeitsbeschluss. In der Folge wurden viele Spitzenpolitiker der Region festgenommen, andere flohen ins Ausland. Die Separatisten gingen aber auch aus der Neuwahl als Sieger hervor.

Im Katalonien-Konflikt setzt Regierungschef Sánchez, anders als sein konservativer Vorgänger Rajoy, auf Dialog und Entspannung. Am Donnerstagabend traf er den separatistischen Regionalpräsidenten Quim Torra zum zweiten Mal seit seiner Amtsübernahme im Juni. Im Anschluss an das Treffen wurde in einem gemeinsamen Kommuniqué hervorgehoben, dass man auf "wirksamen Dialog" setze und eine Antwort auf die Forderungen der Katalanen nach mehr Selbstbestimmung finden wolle.

Eine Lösung des Konflikts ist aber nicht in Sicht. 18 Politiker und Aktivisten werden unter anderem der Rebellion, des Aufruhrs und der Unterschlagung beschuldigt und müssen sich in den nächsten Wochen und Monaten vor Gericht verantworten. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen.

Quelle: n-tv.de, jpe/dpa/AFP