Politik

Nach Kritik an Kriegsführung Kadyrow schickt minderjährige Söhne an die Front

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Ist nach eigener Aussage nicht zu Scherzen auferlegt, wenn es um die "militärische Spezialoperation" in der Ukraine geht: Ramsan Kadyrow.

(Foto: REUTERS)

Damit Russland wieder die Oberhand erhält, "sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden", sagt Tschetschenien-Führer Kadyrow. Zuvor mussten sich die Kreml-Truppen aus Lyman zurückziehen. Jetzt greift er selbst zu einer solchen Maßnahme: Er entsendet seine Söhne in den Kampfeinsatz.

Der berüchtigte Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, will eigenen Aussagen zufolge drei seiner minderjährigen Söhne in den Krieg gegen die Ukraine schicken. Die zwischen 14 und 16 Jahre alten Jugendlichen Achmat, Selimchan und Adam seien bereit, ihre antrainierten Kampffertigkeiten nun bei der "militärischen Spezialoperation" einzusetzen, schrieb Kadyrow auf Telegram.

"Und ich scherze nicht. (...) Bald werden sie an die Front geschickt und werden sich an den schwierigsten Abschnitten der Kontaktlinie aufhalten", so Kadyrow. Dazu veröffentlichte er ein Video, das seine Söhne bei Schießübungen zeigt. Der 45-Jährige ist laut seiner offiziellen Internetseite Vater von insgesamt 14 Kindern. Russische Medien gehen jedoch davon aus, dass er noch weitere Kinder hat.

Kadyrow, der für seinen brutalen Führungsstil im muslimisch geprägten Tschetschenien im Nordkaukasus bekannt ist, hat sich seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine als einer der glühendsten Kriegsbefürworter hervorgetan. Er steht auch schon seit langem im Ruf, russische Gesetze ohne Folgen für ihn zu umgehen.

Kreml lobt "heldenhafte Beiträge"

Schon mehrfach kritisierte er nach russischen Niederlagen nicht zuletzt die militärische Führung seines Landes scharf und forderte weitreichende Konsequenzen. Kürzlich sprach er sich gar dafür aus, den Einsatz von Atomwaffen mit geringerer Sprengkraft in Betracht zu ziehen.

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"Meiner Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Verhängung des Kriegsrechts in den Grenzgebieten und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Sprengkraft", erklärte Kadyrow am Samstag auf Telegram, nachdem bekannt geworden war, dass sich die russischen Truppen aus der strategisch wichtigen ukrainischen Stadt Lyman zurückziehen. Der Machthaber prangerte zudem die "Vetternwirtschaft" in der russischen Armee an. Diese werde "zu nichts Gutem führen", erklärte er.

Der Kreml wies Kadyrows Forderung am heutigen Montag zurück. "Das ist ein sehr emotionaler Moment", sagte Sprecher Dmitri Peskow. In schwierigen Situationen müssten Emotionen jedoch von der Bewertung der Situation ausgeschlossen sein. "In unserem Land geschieht der Einsatz von Atomwaffen nur auf Grundlage dessen, was in der entsprechenden Doktrin festgelegt ist." Peskow lobte jedoch Kadyrows "heldenhaften Beiträge" zum Einsatz in der Ukraine.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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