Politik

Nach Amoklauf mit 22 Toten Kanada verhängt härtere Waffengesetze

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Auf 100 Bewohner kommen 35 Waffen in Kanada.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ein Mann erschießt in Kanada 22 Menschen. Das veranlasst den Premierminister Trudeau, die Waffengesetze zu verschärfen. 1500 Modelle von Schnellfeuerwaffen sind ab sofort verboten. Seine Entscheidung begründet er mit drastischen Worten.

Rund zwei Wochen nach der schlimmsten Bluttat in der Geschichte Kanadas hat das nordamerikanische Land seine Waffengesetze weiter verschärft. 1500 Modelle von Schnellfeuerwaffen seien ab sofort verboten, teilte Premierminister Justin Trudeau mit. "Diese Waffen sind nur für einen einzigen Zweck entworfen worden: um die größte Anzahl von Menschen in der kürzesten Zeit umzubringen", sagte Trudeau. "Es gibt keinen Nutzen und keinen Ort für solche Waffen in Kanada."

Derzeit gibt es nach Schätzungen der Regierung rund 100.000 solcher Waffen im Besitz von Kanadiern. Sie sollen zwei Jahre Zeit bekommen, sie sicher zu beseitigen, unter anderem mit einem Rückkaufprogramm.

Bei dem Vorfall hatte ein 51 Jahre alter Mann in der Atlantik-Provinz Nova Scotia vor rund zwei Wochen mindestens 22 Menschen getötet. Drei weitere Menschen wurden verletzt, mehrere Anwesen und Autos in Brand gesetzt. Nach rund zwölfstündiger Verfolgungsjagd, die sich über ein Gebiet von rund 100 Kilometer zog, war der Mann an einer Tankstelle im Ort Enfield von der Polizei gestellt und getötet worden.

Beziehungsstreit als Ursache?

Weil der Täter eine Polizeiuniform trug und ein Auto fuhr, das einem Polizeiauto ähnlich sah, sei es sehr schwer gewesen, ihn ausfindig zu machen, hieß es von den Ermittlern. Wie er an diese Ausstattung kam, ist bisher noch ungeklärt. Den Ermittlern zufolge könnte möglicherweise ein Streit zwischen dem späteren Täter und seiner Freundin der Auslöser gewesen sein. Der Mann habe sich mit seiner Freundin gestritten und diese handgreiflich angegriffen, sie habe aber fliehen können, sagten die Ermittler bei einer Pressekonferenz.

Dieser Vorfall "könnte möglicherweise der Katalysator gewesen sein, der das Ganze gestartet hat", sagte Ermittler Darren Campbell. Das müsse aber noch genauer untersucht werden, eine geplante Tat könne bislang ebenfalls nicht ausgeschlossen werden. Die Freundin habe sich nach dem Angriff in Wäldern versteckt, später die Polizei informiert und die Schlüsselinformationen zur Aufklärung der Tat geliefert, teilten die Ermittler mit.

Hintergrundcheck und Waffenkurs

Die Waffengesetze in Kanada gelten als relativ streng. Nach "taz"-Informationen mussten bislang Handfeuerwaffen und halbautomatische Schusswaffen registriert werden. Zudem müssen Waffenbesitzer einen Kurs belegen, einen Hintergrundcheck bestehen und einen Waffenschein erwerben, der alle fünf Jahre erneuert werden muss. Nur normale Flinten sind bislang frei erhältlich. Waffenkäufer sind dazu verpflichtet, ein Verzeichnis ihrer Kunden zu führen.

Komplett verboten sind bereits bestimmte vollautomatische Schusswaffen. Trotz der Einschränkungen ist auch in Kanada laut "taz" die Waffengewalt merklich gestiegen, besonders in Großstädten wie Toronto. Auf 100 Bewohner kommen in Kanada 35 Waffen, in den USA sind es etwa 120.

Quelle: ntv.de, jru/dpa