Politik

Glucksmann will antretenKandidaten für Élysée-Palast bringen sich in Stellung

24.08.2026, 16:22 Uhr
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Für den Élysée-Palast wird ein neuer Hausherr oder eine Hausherrin gesucht. (Foto: AFP)

Im Frühjahr wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt. Trotz Verurteilung strebt die Rechtspopulistin Le Pen ihre vierte Kandidatur an. Im linken Lager stehen sich die Bewerber derzeit noch gegenseitig auf den Füßen. Und auch das Mitte-Rechts-Lager sortiert sich noch.

In Frankreich sortiert sich allmählich das Kandidatenfeld für die Präsidentschaftswahl im kommenden Frühjahr. Dabei setzt die am Sonntag erklärte Kandidatur des sozialdemokratischen EU-Abgeordneten Raphaël Glucksmann das linke Lager unter Druck: Sozialisten und Grüne haben nun die Wahl, sich entweder Glucksmann oder dem Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon anzuschließen. Sollten sie an eigenen Kandidaturen festhalten, dann wäre das linke Lager derart zersplittert, dass keiner der Kandidaten auf ein nennenswertes Ergebnis hoffen kann.

Kaum hatte sich der 46-jährige Glucksman erklärt, erschien eine neue Umfrage, die ein Duell der Extreme möglich erscheinen lässt. In drei von fünf getesteten Kandidaten-Konstellationen könnte der Linkspopulist Mélenchon in die Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen einziehen. Angesichts der deutschlandskeptischen und EU-feindlichen Position der beiden wäre dies ein Horrorszenario für Berlin und Brüssel. 2022 fehlten Mélenchon noch etwa 420.000 Stimmen, um in die Stichwahl zu kommen.

Dem Mitte-Rechts-Kandidaten Édouard Philippe könnten solche Umfragen allerdings auch helfen, sich im eigenen Lager gegen seinen Herausforderer Gabriel Attal durchzusetzen. Die beiden ehemaligen Premierminister haben sich zwar darauf geeinigt, dass am Ende nur einer von ihnen antreten soll - doch wann und wie das genau entschieden werden soll, ist offen. Sollten beide antreten, käme Philippe derzeit auf 14 und Attal auf 8 Prozent.

Mélenchons Chancen hängen nun vor allem von den Sozialisten und den Grünen ab. Die Sozialisten wollen im Oktober eine Vorwahl organisieren, bei der auch Glucksmann antreten will. Die übrigen Teilnehmer gelten bislang als chancenlos, unter ihnen auch die frühere Umweltministerin Ségolène Royal, die 2007 schon einmal in die Stichwahl gegen den Konservativen Nicolas Sarkozy gekommen war.

Es wird aber erwartet, dass Sozialisten-Chef Olivier Faure auch noch seine Kandidatur erklärt - er wäre ein gewichtigerer Gegner. Und im Hintergrund wirbt auch noch Ex-Präsident François Hollande für sich, der aber wiederum nicht an der Vorwahl teilnehmen will.

Im linken Lager dürften letztlich die Grünen das Zünglein an der Waage spielen. Sowohl Mélenchon als auch Glucksmann umgarnen die Grünen derzeit aktiv. Bei einem Parteitreffen in Châteauneuf-sur-Isère am Wochenende stellte Mélenchon einen nationalen Umweltplan, neue Ökoregionen und einen Umwelt-Pflichtdienst in Aussicht. Selbst die amtierende Umweltministerin Monique Barbut gestand dem Linkspopulisten zu, dass er unter allen Kandidaten den Klimawandel am ehesten in seinem Programm berücksichtige.

Die Grünen haben derzeit noch eine eigene Präsidentschaftskandidatin, ihre Parteichefin Marine Tondelier. Die 70-Jährige ist allerdings im achten Monat schwanger und dürfte ihre Kandidatur demnächst aufgeben. Allerdings ist ihre Partei über die Frage zerstritten, wen sie unterstützen will. Einige führende Grüne plädieren für ein erneutes Bündnis mit den Linkspopulisten. Der frühere Grünen-Präsidentschaftskandidat Yannick Jadot ist bereits zu Glucksmann übergelaufen und arbeitet an dessen Programm mit.

Unterdessen bereitet sich Le Pen, die in Umfragen mit 36 bis 38 Prozent stabil vorn liegt, auf ihren vierten Präsidentschaftswahlkampf vor. Nach ihrer Verurteilung wegen der Veruntreuung von EU-Geldern im März 2025 sah es so aus, als sei ihre politische Karriere nahezu beendet. In manchen Umfragen wurde sie gar nicht mehr berücksichtigt.

Doch dann machten die Berufungsrichter ihr - trotz eines Hafturteils - den Weg zur Kandidatur frei. Inzwischen sieht es danach aus, als könne Le Pen durch den Gang vor das Oberste Berufungsgericht die drohende elektronische Fußfessel bis zur Wahl hinauszögern. Und selbst eine rechtskräftige Verurteilung wäre für viele ihrer Anhänger wohl kein Argument, ihr die Stimme zu verweigern.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP

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