Politik

"Großes für Europa geleistet"Karlspreis geht an früheren EZB-Chef Mario Draghi

17.01.2026, 13:20 Uhr
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Für seine Verdienste um Europa wird Mario Draghi mit dem Karlspreis geehrt. (Foto: picture alliance / IPP)

Mario Draghi bekommt den wichtigsten Preis für europäische Verdienste. Die Organisatoren verbinden die Ehrung mit einer direkten politischen Forderung. Sie sehen die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents in ernster Gefahr und fordern schnelles Handeln.

Für historische Verdienste um die europäische Einigung wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem ehemaligen italienischen Regierungschef ehre man eine Persönlichkeit, "die zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat", begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung. Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai.

Das Direktorium hob unter anderem den 2024 von Draghi veröffentlichten und nach ihm benannten Report zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit hervor. Draghi hatte darin gemahnt, dass die Europäische Union dringend innovativer werden müsse, wenn sie nicht den Anschluss an konkurrierende Wirtschaftsmächte wie die USA und China verlieren wolle. Das Karlspreis-Direktorium schließt sich dieser Einschätzung an: "Die Lage ist dramatisch", schrieb es in seiner Begründung. "Europa droht zum Spielball anderer Mächte zu werden." Seine Handlungsfähigkeit könne Europa nur sichern, wenn es wettbewerbsfähiger werde. Wirtschaftliche Stärke sei die Basis für alles andere.

Adenauer und Churchill unter ersten Preisträgern

Draghi selbst hatte sich kürzlich ernüchtert über den Stand der bisherigen Umsetzung seiner Empfehlungen geäußert. "Die Schwachstellen nehmen zu", konstatierte er in einer Rede in Brüssel. Vor diesem Hintergrund bezeichnete das Direktorium die Zuerkennung des Karlspreises an Draghi zum jetzigen Zeitpunkt als "ein bewusst gesetztes" Signal an die Entscheidungsträger in Brüssel: "Wir fordern die Europäische Kommission und europäischen Staats- und Regierungschefs auf, jetzt den Draghi-Report umzusetzen", so das Karlspreis-Direktorium.

Draghi zeigte sich "äußerst dankbar" für die Zuerkennung des Karlspreises. "Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat - vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde", sagte der 78-Jährige in einer eingespielten Videobotschaft während der Verkündung. Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte er. "Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch."

Draghi wird für seine Verdienste um die europäische Einigung und für sein Lebenswerk mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet.

Der Karlspreis war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von Aachener Bürgern gestiftet worden. Er ist nach Kaiser Karl dem Großen benannt, dessen Frankenreich sich im Frühmittelalter über weite Teile Westeuropas erstreckte und der deshalb manchmal als "Vater Europas" bezeichnet wird. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten zugutekommen.

Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der letzte Italiener, der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler und Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio, Andrea Riccardi.

Quelle: ntv.de, hny/dpa

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