Politik

Walter-Borjans im ntv Frühstart "Karneval mit 1,50-Abstand geht nicht"

SPD-Chef Walter-Borjans ist Rheinländer. Trotzdem sagt er: Karneval, wie er normalerweise gefeiert wird, "das wird es nicht geben". Die Rheinländer müssten nun neue Formen des Feierns finden.

Norbert Walter-Borjans, der Vorsitzende der SPD, unterstützt die Forderung nach einer Absage des Karnevals im nächsten Winter wegen der Corona-Pandemie. "Das, was Karneval ausmacht, gerade in den Zentren des Karnevals, das wird nicht gehen", sagte er im "Frühstart" von ntv.

Walter-Borjans, selbst Rheinländer und begeisterter Karnevalist, sagte, er sei "tieftraurig", wenn der Karneval nicht in der üblichen Form ablaufen könne. Aber der Karneval sei ja gerade ein Symbol dafür, "wie diese ganze Geschichte angefangen hat". "Karneval, so wie er ist, geht nicht mit 1,50-Abstand und Schutzmaske." Deswegen müssten die Rheinländer "improvisationstüchtig sein wie immer" und neue Formen des Feierns finden.

Gleichzeitig sprach sich Walter-Borjans gegen bundesweit einheitliche Regeln für Veranstaltungen aus. "Ich finde, dass wir uns manchmal etwas vormachen, wenn wir meinen, dass eine zentrale, einheitliche Regelung immer das Beste ist", so der SPD-Chef. Das gelte auch für Schulen. Dabei brauche man allerdings ein gemeinsames Grundprinzip: "Wenn Menschen diesen Unterschied überhaupt nicht nachvollziehen können, sinkt auch die Bereitschaft, sich an Regeln zu halten."

Kritik und Unterstützung für Bayern

In der Diskussion um die Panne bei den Corona-Tests für Reise-Rückkehrer übte Walter-Borjans Kritik am bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, forderte aber auch Unterstützung für Bayern: "Ich würde mir wünschen, dass Bayern als das Land, in dem ja viele Rückreisende erstmal ankommen, auch mit Unterstützung anderer solche Kontrollen hinbekommt."

Nur zeige sich, eine Ankündigung, um damit in die Nachrichtensendungen zu kommen, reiche nicht. "Ich muss dann wirklich dafür sorgen, dass auch die technischen Kapazitäten geschaffen werden, dass Gesundheitsämter nicht überfordert sind und man vor allem nicht handschriftlich Testergebnisse weiterreichen muss", kritisiert Walter-Borjans. Das sei entscheidend dafür, dass Menschen nicht anschließend nach Hause führen und andere ansteckten. In Bayern mussten zuletzt Hunderte Reise-Rückkehrer tagelang auf die Ergebnisse ihrer Corona-Tests warten. Einige konnten bis jetzt nicht ausfindig gemacht werden. Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml hat von dieser Panne länger gewusst, als sie zunächst öffentlich zugab.

Zur Lage in Belarus sagte Walter-Borjans, diese sei absolut besorgniserregend. "Wir haben es mit einem Diktator zu tun, der seit 1994 im Amt ist und offenbar jede Vorstellung davon verloren hat, wo sein eigenes Volk steht." Da werde etwas implodieren, das sei absehbar. Es werde jetzt darauf ankommen, dass die Europäische Union die Demokratiebewegung stütze, auf der anderen Seite aber auch um die Friedens- und Sicherheitsarchitektur in Europa wisse. "Man muss das in einem Zusammenspiel und in einer Absprache auch mit Russland machen." Der naive Glaube, "wie schön, da kippt jetzt was und dann gucken wir mal, was passiert", habe schon in der Ukraine und nach dem Arabischen Frühling zu ganz anderen Schwierigkeiten geführt. "Besonnenheit und trotzdem klare Unterstützung der Demokratiebewegung sind jetzt angesagt."

Quelle: ntv.de, nsc