Politik

Mehr Macht dank Corona? Kartelle verteilen in Mexiko Care-Pakete

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Bis zum 30. April ist für ganz Mexiko ein Gesundheitsnotstand verhängt.

(Foto: REUTERS)

Fast 100 Menschen pro Tag wurden in Mexiko im vergangenen Jahr ermordet - viele der Morde gehen auf das Konto von Drogenkartellen. Nun nutzen einige von ihnen offenbar die Corona-Krise, um sich dennoch die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern.

Mutmaßliche Mitglieder von Drogenkartellen haben in Mexiko Medienberichten zufolge Hilfspakete mit Lebensmitteln an Bedürftige verteilt. Unter anderem berichtete die Zeitung "Reforma"unter Berufung auf offizielle Quellen, dass die Vorfälle in den Bundesstaaten Tamaulipas und Michoacán untersucht würden. "El Blog del Narco", ein Nachrichtenportal über das organisierte Verbrechen, veröffentlichte Fotos aus sozialen Medien von Kisten in Ciudad Victoria, der Hauptstadt des nordöstlichen Tamaulipas. Diese waren unter anderem mit Öl, Reis, Zucker und Dosennahrung gefüllt. Darauf sind Aufkleber mit dem Namen des Cártel del Golfo (Golf-Kartell) zu sehen. Im zentralmexikanischen Michoacán hingegen reklamierte die Bande Los Viagras Berichten zufolge die Hilfslieferungen für sich.

Mexiko erlebt seit Jahren sehr hohe Gewaltraten, die zu einem großen Teil auf das Konto von Banden gehen, die in Drogenhandel, Entführungen und Erpressung verwickelt sind. Diese haben oft Verbindungen zu örtlichen Sicherheitskräften. Im vergangenen Jahr wurden in dem lateinamerikanischen Land fast 100 Mordopfer pro Tag registriert. Die meisten Verbrechen in Mexiko werden nie aufgeklärt, geschweige denn geahndet.

Die Kartelle versorgten bereits in der Vergangenheit, etwa nach schlimmen Stürmen, notleidende Menschen - vermutlich, um sich in der Bevölkerung Unterstützung zu sichern. Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus erklärte die mexikanische Regierung am Montag vergangener Woche einen Gesundheitsnotstand. Nicht unbedingt notwendige Aktivitäten sollen demnach zunächst bis zum 30. April eingestellt werden. Das bedeutet einen Einkommensverlust für viele Bürger des Landes, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung von einer Tätigkeit im informellen Sektor lebt.

Auch in der Tourismusindustrie sind die Auswirkungen der Krise zu spüren - nicht zuletzt, weil weniger Studenten aus den benachbarten USA zum "Spring Break" einreisten. Zuvor hatten sich laut einem Bericht "New York Times" allein unter den rund 70 Angehörigen einer Studentengruppe der University of Texas at Austin, die kürzlich zum "Spring Break" ins mexikanische Cabo San Lucas gereist war, 44 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt.

Quelle: ntv.de, ftü/dpa