Politik

Keine Mehrheit für Unabhängigeit Katalanen demonstrieren gegen Abspaltung

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"Wir sind alle Katalonien": Die prospanischen Organisatoren der Kundgebung wollen dafür arbeiten, dass es zu einer Versöhnung zwischen Unionisten und Separatisten kommt.

(Foto: picture alliance / Santi Palacio)

In die Farben Spaniens gehüllt und fahnenschwenkend demonstrieren Hunderttausende Unabhängigkeitsgegner in Barcelona. Sie fordern Puigdemonts Festnahme. Laut einer Umfrage könnten die Separatisten bei einer Neuwahl die Mehrheit verlieren.

Hunderttausende Menschen sind in Barcelona auf die Straße gegangen, um für die Einheit Spaniens zu demonstrieren. Bei ihrem Marsch durch das Zentrum der katalanischen Hauptstadt skandierten sie unter anderem "Viva España", "Ich bin Spanier" oder "Barcelona gehört zu Spanien". Sie forderten auch die Festnahme des von der spanischen Zentralregierung abgesetzten separatistischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont.

Nach Angaben der Polizei gingen rund 300.000 Unabhängigkeitsgegner auf die Straße, die Organisatoren gaben die Zahl der Teilnehmer mit über einer Million an.

Zu der Kundgebung hatte die prospanische Sociedad Civil Catalana (SCC) unter dem Motto "Wir sind alle Katalonien!" aufgerufen. In einer Mitteilung teilte die Organisation mit, man wolle dafür arbeiten, dass es zu einer Versöhnung zwischen Unionisten und Separatisten komme und in der Region im Nordosten Spaniens künftig Besonnenheit und ein friedliches Zusammenleben herrschten.

Gegendemonstrationen blieben aus

"Unsere Zukunft ist besser innerhalb Spaniens und innerhalb Europas. Deswegen sind wir heute hier", sagte auch die Sprecherin der liberalen Partei Ciudadanos, Inés Arrimadas. Ciudadanos war 2006 in Katalonien als Gegenbewegung zu separatistischen Gruppen der Region gegründet worden und ist inzwischen die viertstärkste Kraft im Madrider Parlament. Arrimadas betonte: "Ich möchte, dass sich alle Katalanen wieder die Hand geben können und wir wieder gemeinsam weitergehen."

Die allgemein befürchteten Proteste der Sympathisanten der von Madrid abgesetzten Regierung von Carles Puigdemont blieben am Wochenende sowohl in der katalanischen Hauptstadt als auch in anderen Gebieten Kataloniens aus.

Madrid stellte die autonome Gemeinschaft Katalonien am Samstag unter Zwangsverwaltung, nachdem das Regionalparlament in Barcelona am Freitag einen Unabhängigkeitsbeschluss verabschiedet hatte. Ministerpräsident Mariano Rajoy beauftragte Medienberichten zufolge seine Stellvertreterin Soraya Sáenz de Santamaría mit der Übernahme der täglichen Amtsgeschäfte in der Region. Puigdemont rief zu friedlichem Widerstand gegen diese Maßnahmen auf.

Einer Umfrage zufolge könnten die Separatisten bei einer Regionalwahl im Dezember ihre Mehrheit im Parlament in Barcelona knapp verlieren. Die Unabhängigkeitsbefürworter kamen bei einer Befragung von rund 1000 Bürgern für die Zeitung "El Mundo" auf 42,5 Prozent der Stimmen. Die Gegner einer Unabhängigkeit können demnach mit 43,4 Prozent rechnen. Die Erhebung fand von Montag bis Donnerstag statt. Umfragen haben bislang immer wieder gezeigt, dass eine Mehrheit der 5,3 Millionen Wahlberechtigten in Katalonien gegen eine Loslösung der wirtschaftlich starken Region von Spanien ist.

Quelle: n-tv.de, hny/dpa