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Trump kommt Kim entgegen "Keine Eile" bei atomarer Abrüstung Nordkoreas

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Kim Jong Un und Donald Trump in Hanoi

(Foto: REUTERS)

Der Abbau des nordkoreanischen Atomwaffenarsenals ist beim ersten Gipfel zwischen US-Präsident Trump und Nordkoreas Machthaber Kim eine Kernforderung Washingtons. Beim derzeitigen Treffen relativiert sie Trump deutlich. Das sorgt für Spekulationen.

US-Präsident Donald Trump sieht bei der atomaren Abrüstung Nordkoreas "keine Eile". Bei seinem Gipfel mit Machthaber Kim Jong Un sagte Trump in Hanoi: "Ich bin in keiner Eile. Geschwindigkeit ist nicht wichtig für mich. Für mich ist wichtig, dass wir das richtige Abkommen bekommen." Er begrüßte zugleich, dass Nordkorea seit mehr als einem Jahr keine Atomwaffen und Raketen mehr getestet habe. Kim bekräftigte, dass auch sein Land Interesse an einem "guten Ergebnis" des Treffens habe.

Am zweiten und letzten Tag des Gipfels in Vietnams Hauptstadt soll eine gemeinsame Erklärung verabschiedet werden. Spekuliert wird, dass damit der Korea-Krieg offiziell für beendet erklärt werden könnte. Trotz des Waffenstillstands von 1953 gilt aus völkerrechtlicher Sicht immer noch Kriegszustand. Überschattet wurde der Auftritt Trumps in Hanoi von der Aussage seine früheren Anwalts Michael Cohen, der in Washington vor dem Kongress schwere Vorwürfe gegen ihn erhob.

Trump sieht "großartige Gespräche"

Acht Monate nach ihrem historischen Treffen in Singapur machen Trump und Kim in Hanoi einen zweiten Anlauf, um eine Friedenslösung und die atomare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel voranzubringen. "Ich weiß es sehr zu schätzen, dass keine Atomwaffen, Raketen getestet werden. Nichts davon", sagte Trump. "Der Vorsitzende Kim und ich hatten gestern Abend großartige Gespräche."

Trump verwies auf Kim, ob er auch etwas zu seinen Atom- und Raketentests sagen wollte, doch äußerte sich der Machthaber nicht zu diesem Punkt. Auf eine Frage, ob er zuversichtlich über den Verlauf des Gipfels sei, antwortete Kim aber: "Es ist zu früh, das zu sagen. Aber ich würde nicht sagen, dass ich pessimistisch bin. Im Moment habe ich das Gefühl, dass es gute Ergebnisse geben wird."

Experten spekulierten, worüber sich Trump und Kim am Ende des zweitägigen Treffens einigen könnten. Außer einer Friedenserklärung wurden eine Schließung des wichtigen nordkoreanischen Atomkomplexes Yongbyon sowie die Zulassung von Atom-Inspekteuren, die Einrichtung von Verbindungsbüros und die Wiederaufnahme innerkoreanischer Wirtschaftsprojekte genannt.

Atomarsenal als Lebensversicherung

Mit nun von Trump getätigten Aussagen stehen in Kontrast zu seiner zumindest anfangs im Umgang mit Nordkorea wiederholt geforderten schnellen Beseitigung der Atomwaffen und Raketen. Die Führung in Pjöngjang sieht ihr Atomarsenal als eine Art Lebensversicherung gegen mögliche Angriffe oder Umsturzversuche.

Nach Presseberichten soll die US-Seite vorerst auch darauf verzichten, von Nordkorea eine Auflistung der Atomstätten und des Arsenals an Nuklearwaffen und Raketen zu fordern. Nordkorea hatte sich geweigert und argumentiert, den USA damit eine Liste mit Zielen für mögliche Angriffe auf die Anlagen des Atomwaffenprogramms zu liefern.

Nach einem Zweier-Gespräch spazierten Trump und Kim im Innenhof des legendären Hotels "Metropole", wo ihr Gipfel in Hanoi stattfand. Dort stießen auch der nordkoreanische Unterhändler Kim Jong Chol sowie US-Außenminister Mike Pompeo dazu.

Mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Korea-Krieg wäre eine Friedenserklärung der USA und Nordkoreas eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme. Experten sehen darin allerdings nur einen ersten, symbolischen Schritt für einen Friedensvertrag. Daran müssten eigentlich auch Südkorea und China beteiligt werden.

Weniger Atomwaffen, mehr Wirtschaftshilfe?

Nordkorea könnte sich auch zu der bereits angebotenen Schließung seines wichtigen Atomkomplexes Yongbyon verpflichten und ausländische Inspekteure zulassen. Dafür verlangt Kim aber "korrespondierende" Gegenleistungen der USA, vermutlich eine Lockerung der strengen Sanktionen, unter denen das verarmte Nordkorea leidet.

Spekuliert wurde, dass die USA im Gegenzug zumindest innerkoreanische Wirtschaftsprojekte zulassen würden. Konkret geht es um die Wiedereröffnung des Industrieparks in Kaesong sowie die Wiederaufnahme des Reiseprogramms für südkoreanische Touristen im Kumgang-Gebirge in Nordkorea. Die Eröffnung von Verbindungsbüros der USA und Nordkoreas wäre ein erster Schritt für eine Normalisierung der Beziehungen. Beide unterhalten keine diplomatischen Beziehungen.

Im Korea-Krieg wurden schätzungsweise mehr als 3,2 Millionen Menschen getötet. Mit dem Waffenstillstandsabkommen, das den 38. Breitengrad als Grenze zwischen dem kommunistischen Norden und dem westlich orientierten Süden bestätigte, endete der Konflikt nach 37 Monaten.

Die Vorgeschichte geht auf die Kapitulation der Japaner am Ende des Zweiten Weltkriegs zurück, die Korea erobert hatten. Der Süden des Landes wurde von US-Truppen, der Norden von sowjetischen Truppen besetzt. Die Nordkoreaner marschierten am 25. Juni 1950 in den Süden ein. UN-Truppen unter US-Kommando trieben sie zurück. 1953 wurde der Waffenstillstand von Nordkorea, den USA und China unterzeichnet, das mit "Freiwilligen" an Nordkoreas Seite gekämpft hatte.

Quelle: n-tv.de, bad/dpa

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