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"Rassist, Schwindler, Betrüger" Trumps Ex-Anwalt packt Details aus

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Cohen spricht auch über das pikante Thema Russland.

(Foto: www.imago-images.de)

Trumps Ex-Anwalt Cohen stellt sich dem US-Kongress. Er beschreibt, was der Präsident wusste. Von Schweigegeld an Geliebte zweifellos, von Wahlkampfabsprachen mit den Russen womöglich auch. Seine Anhörung wird zur Abrechnung mit Trump - beruflich und privat.

Zweiundvierzig Abgeordnete, so viele Mitglieder des US-Repräsentantenhauses haben Fragen an Michael Cohen. Die Republikaner unter ihnen versuchen den ehemaligen Anwalt von US-Präsident Donald Trump als pathologischen Lügner zu identifizieren, manchmal schmeißen sie einfach nur verbalen Schmutz auf ihn, manchmal auch auf den politischen Gegner. Die Demokraten lassen ihn im Gegenzug beschreiben, wie verkommen die Führung einer der mächtigsten Staaten der Welt ist und was er über darüber denkt, jetzt, da er für seine Taten für ihn verurteilt ist und drei Jahre lang ins Gefängnis muss. Mal beschreibt er Szenen, mal liefert er neue Details. Es ist eine stundenlange Schlammschlacht.

Cohen vertrat ein Jahrzehnt lang den heutigen Präsidenten, nun bezichtigt er ihn auf breiter Front verschiedener Vergehen. Über manche schweigt er unter Verweis auf laufende Ermittlungen. Was das alles für Trump bedeuten wird, ist unklar, denn es gibt verschiedene Verfahren, die dem Präsidenten Probleme bereiten könnten. Allen voran die des Sonderermittlers Robert Mueller über Trumps Zusammenarbeit mit Russland während des Wahlkampfes 2016, aber auch am Bundesgericht im südlichen Distrikt des Bundesstaates New York, wo es unter anderem um mögliche Geldwäsche geht. Bei beiden ist Cohen ein wichtiger Zeuge, wenn nicht sogar Kronzeuge.

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Bekommt US-Präsident Trump nun Probleme?

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Bild, das Cohen von seinem ehemaligen Chef zeichnet, ist eine Fratze. Er bezeichnet Trump als Rassisten, Schwindler und Betrüger und dass er sich schäme, für ihn tätig gewesen zu sein. Er habe auf seine Anweisung hin rund 500 Mal Drohbriefe verschickt, um den Unternehmer zu schützen; sogar an dessen Schulen, damit sie keine Noten veröffentlichten. Er sei so fasziniert von Trump gewesen, dass er Dinge tat, von denen er wusste, dass sie absolut falsch waren. Im Jahr 2007 nahm er das Jobangebot an, für ihn als persönlicher Anwalt zu arbeiten. "Ich bereue den Tag."

Alle Fäden in der Hand

Deutlich wird bei dieser öffentlichen Anhörung, dass während des Wahlkampfes und danach im Weißen Haus hinter verschlossenen Türen wesentlich mehr Brisantes geschehen sein könnte als bislang bekannt. Trump hält Cohens Aussage zufolge sämtliche Fäden in der Hand. "Alles geschah auf seine Anweisung", sagt Cohen mehrmals. Daraus folgt, dass der Präsident viel mehr wissen muss, als er zugibt. Dies arbeiten die oppositionellen Demokraten durch ihre Fragen heraus. Die Republikaner versuchen hingegen, Cohen als unglaubwürdig und unzuverlässig hinzustellen. Das beginnt schon, bevor die Anhörung überhaupt bei den Anfangserklärungen angekommen ist. Vehement wollen sie eine Verschiebung erreichen. Der Grund: Die Erklärung, die Cohen zu Beginn abgibt, sei den Ausschussmitgliedern nicht die vorgeschriebenen 24 Stunden vor der Sitzung zugestellt worden. Der Vorsitzende, ein Demokrat, lehnt ab.

Das pikanteste Thema ist Russland. Cohen sagt, er habe zwar keine Beweise dafür, dass Trump von dem Treffen in seinem Hochhaus in New York wusste, als sich sein damaliger Wahlkampfmanager Paul Manafort, Trump junior unter anderen mit einem Vertreter des Kreml dort trafen. Aber er vermutet es. So berichtet Cohen von einer Szene, als Trumps Sohn in ein Treffen der beiden platzte und ihm sagte: "Das Treffen ist arrangiert", und sein Vater antwortete: "Gut, gib mir Bescheid". Der Anwalt beschreibt auch, dass Trump zuvor ihm gegenüber geklagt hatte, er würde seinen Sohn niemals allein ein Treffen organisieren lassen. Trump hat bislang bestritten, von der Runde gewusst zu haben. Aus gutem Grund, ist es doch ein möglicher Schlüssel für ein Amtsenthebungsverfahren wegen illegaler Zusammenarbeit mit Russland. Cohen sagt zudem, Trump habe von den Wikileaks-Veröffentlichungen zur Diskreditierung seiner Gegnerin Hillary Clintons vorab gewusst.

Außerdem gingen laut Cohen auch während des Wahlkampfes die Verhandlungen für den Trump Tower in Moskau weiter. Um Trump zu schützen, habe er bislang gelogen und gesagt, die Gespräche seien abgebrochen worden. Nun behauptet er: Trump trieb das Projekt weiter, steuerte die Verhandlungen und log öffentlich darüber, weil er nie erwartet hätte, die Wahl zu gewinnen. Und weil er hunderte Millionen Dollar verdient hätte. Mehrmals habe Trump ihn während des Wahlkampfes gefragt, "wie es in Russland läuft". Cohen zufolge ist Trump nicht ins Rennen um die Präsidentschaft eingestiegen um die USA "great" zu machen, sondern nur seine Marke. "Es war immer eine Vermarktungsmöglichkeit. Es war die beste Dauerwerbesendung der politischen Geschichte."

Zu manchen Dingen sagt der Anwalt allerdings kaum etwas, etwa zu möglicher Geldwäsche. Die werden am Bundesgericht in New York verhandelt und sind deshalb nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Über 80 Akteure aus Russland oder ehemaligen Sowjetstaaten sollen Trump-Immobilien im Wert von mehr als 100 Millionen Dollar mit Bargeld gekauft haben. Selbst wenn alle Transaktionen vor Trumps Kandidatur stattgefunden haben sollten, wäre das von immensem Interesse. Half Trump dabei, könnten die Käufer oder andere ihn damit erpressen. Könnten also den US-Präsidenten zwingen, in ihrem Interesse zu handeln. Auch das wäre möglicher Anlass für ein Amtsenthebungsverfahren. Cohen sagt, es sei gut möglich, dass sogar die komplette Familie Trumps von russischen Akteuren beeinflussbar sei.

Die Stellungnahme Cohens vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses hinter verschlossen Türen steht noch aus. Der demokratische Abgeordnete Adam Schiff, inzwischen Vorsitzender des Gremiums, sagte schon vergangenen November: "Wir müssen wissen ob die Russen finanziellen Einfluss auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten haben, der die US-Politik zu Gunsten Russlands verzerrt." Trump beschimpfte Schiff als "schmierig" und "völlig voreingenommen".

Das zweite große Thema waren die Schweigegeldzahlungen an das Model Karen McDougal und Stephanie Clifford alias Ex-Pornodarstellerin Stormy Daniels wegen Sexaffären mit Trump. Beides wird als illegale Wahlkampfspende angesehen. Cliffords Anwalt habe demnach Cohen die Summe genannt und Trump zahlte ohne weitere Verhandlung. Er zweifelte bloß daran, dass Clifford glaubwürdig sei. "Es ist nicht viel Geld. Mach es", habe Trump schließlich zu Cohen gesagt. Als Beweis präsentierte der Ex-Anwalt einen von Trump persönlich unterschriebenen Scheck. Insgesamt elf davon will er von Trump erhalten haben, um das in den letzten Wahlkampftagen vorgestreckte Schweigegeld von 131.000 Dollar für Clifford zurückzuerhalten. Da war Trump schon Präsident.

Privat noch schlimmer

Die Schlammschlacht findet an diesem Tag aber nicht nur zwischen Republikanern, Demokraten und Michael Cohen als Zeugen statt. Trumps ehemaliger Anwalt rechnet persönlich mit dem Präsidenten ab. "Ich würde ihn niemals nach einer Begnadigung fragen oder sie akzeptieren" etwa. Oder: "Im Amt ist er die schlimmste Version seiner selbst geworden. Privat ist er noch schlimmer." Trump habe ihn einmal gefragt, ob er ihm einen Staat nennen könne, der von einem Schwarzen regiert werde und kein "shithole" sei. Da war Barack Obama noch Präsident. Einmal sei er mit Trump ihn einem ärmeren Stadtviertel gewesen. "Nur Schwarze können so leben", habe sein Chef gesagt. Schwarze könnten niemals für ihn stimmen, weil sie zu dumm seien.

Wie es zum Bruch mit dem Mann kam, den er so lange verehrte, beschreibt Cohen als Ergebnis mehrerer Vorkommnisse während Trumps Präsidentschaft. Das Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Helsinki etwa, als Trump ihm größeres Vertrauen aussprach als den US-Geheimdiensten. Der Anschlag von Charlottesville, als er Rassisten verteidigte. "Die tägliche Zerstörung unserer Höflichkeit gegenüber anderen, es ist außer Kontrolle." Dann zeigt er auf die Republikaner. "Ich bin verantwortlich für eure Dummheit." Wer für Trump arbeite, der wisse jeden Tag, dass er für ihn lügen wird. So wie er selbst.

Quelle: n-tv.de

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