Politik

Futter für Verschwörungsanhänger Kennedy-Akten lassen wichtige Fragen offen

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Für viele ist die Tat auch nach mehr als 50 Jahren keineswegs aufgeklärt.

(Foto: imago/Levine-Roberts)

Traf Kennedys Mörder wirklich zwei Menschen mit einem Schuss? War Oswald ein CIA-Agent? Warum schützte die Polizei den verhafteten Tatverdächtigen nicht? Im Mordfall Kennedy bleiben auch nach Freigabe aller Akten Zweifel am offiziellen Ermittlungsergebnis.

Um die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy ranken sich zahlreiche Theorien und Mythen, die die offizielle Darstellung als Tat des Einzelgängers Lee Harvey Oswald in Zweifel ziehen. Keineswegs alle entspringen der puren Fantasie von Verschwörungstheoretikern. Die nun veröffentlichten Dokumente enthalten einige neue Details zu den Ermittlungen und zum Verhalten vor allem des FBI. Manche zentrale Ungereimtheiten des Falles Kennedy können sie jedoch nicht aufklären.

Die "goldene" Kugel und der zweite Schütze

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War Oswald ein CIA-Agent?

Drei Schüsse soll der ehemalige Marineinfanterist und ausgebildete Scharfschütze Oswald von seiner Position im zentralen Schulbuchlager des Staates Texas aus abgegeben haben. Der erste ging, abgelenkt von den Blättern eines Eichenbaums, daneben und verletzte einen Passanten leicht. Der zweite Schuss soll Kennedys Nacken gestreift und anschließend den ebenfalls im Auto sitzenden texanischen Gouverneur John Connally schwer verletzt haben. Der dritte traf Kennedy in den Kopf und verletzte ihn schließlich tödlich.

Sowohl Connally, der sich von seinen schweren Verletzungen erholen konnte, als auch andere Zeugen glaubten fest, dass der Gouverneur und der Präsident von unterschiedlichen Schüssen nacheinander getroffen wurden. Demnach müsste Oswald noch weitere Kugeln abgefeuert haben - oder es gab einen weiteren Schützen.

Die These von einem zweiten Schützen wird gestützt durch Filmaufnahmen, die Jahre nach der Tat auftauchten und zu zeigen scheinen, wie der Kopf des Präsidenten durch den Einschlag der Kugel nach hinten geworfen wird. Demnach müsste der Schuss von vorne gekommen sein. Harveys Position befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings hinter dem Auto.

Weder Befürworter noch Gegner dieser Theorie finden in den neu veröffentlichten Dokumenten allerdings neue Argumente.

Was wusste die CIA über Oswald?

Oswald war für die US-Behörden kein Unbekannter. Der Ex-Marine war überzeugter Kommunist. Er hatte zumindest versucht, Kontakt zu Kuba und der Sowjetunion aufzunehmen. Zudem soll er, nachdem das US-Militär entschieden hatte, sein Ausscheiden als unehrenhaft einzustufen, Drohungen ausgestoßen haben.

Die neuen Dokumente bestätigen, dass er unter anderem einen mutmaßlichen Mitarbeiter der KGB Abteilung 13, zuständig unter anderem für Anschläge im Ausland, getroffen hatte. Obwohl CIA und FBI Oswald kannten, beobachteten sie ihn offenbar nur oberflächlich. Im Sommer 1963 reiste Oswald für mehrere Tage nach Mexiko und kontaktierte dort unter anderem russische und kubanische Agenten. Die US-Geheimdienste reagierten nicht, auch nicht nach Oswalds Rückkehr in die USA. Etwa zwei Monate später erschoss er Kennedy.

Warum sie Oswald gewähren ließen, konnten CIA- und FBI-Verantwortliche auch in mehreren Anordnungen der Untersuchungskommissionen des Kongresses nicht erklären und weckten damit den Verdacht, etwas zu vertuschen. Einerseits zeigt eines der neu freigegebenen Dokumente, dass das FBI versuchte, im Oktober 1963 Oswald zu finden, weil eine "kubanische Quelle" darauf hingedeutet haben soll, dass er "von Interesse" sein könne.

Andererseits könnte ein anderes Dokument neue Verschwörungstheorien entfachen: 1975 wurde Richard Helms, zu Kennedys Zeit Vize-FBI-Chef, von der Rockefeller-Kommission befragt, die illegale Aktivitäten des Geheimdienstes untersuchen sollte. Ein Anwalt fragte ganz direkt: "Gibt es irgendeine Information im Zusammenhang mit der Ermordung von Präsident Kennedy, die auf irgendeine Weise zeigt, dass Lee Harvey Oswald auf irgendeine Weise ein CIA-Agent war oder Agent …" An dieser Stelle bricht das veröffentlichte Protokoll der Befragung ab. Helms Antwort ist nicht dokumentiert.

Wie konnte Jack Ruby Oswald im Polizeigewahrsam erschießen?

Dass der stadtbekannte Nachtklubbesitzer Jack Ruby ohne Schwierigkeiten zum festgenommenen mutmaßlichen Mörder des Präsidenten gelangen und ihn erschießen konnte, erscheint vielen Verschwörungstheoretikern unplausibel. Auch im Fall von Ruby kamen die offiziellen Ermittlungen zu dem Ergebnis, dass er als Einzeltäter handelte. Neue Informationen könnten zumindest weitere Zweifel an dieser Darstellung säen.

Ein Informant soll demnach ausgesagt haben, dass Ruby offenbar gute Beziehungen zur lokalen Polizei gehabt habe. Zudem war laut FBI-Chef J. Edgar Hoover einen Tag, bevor Ruby Oswald erschoss, eine Todesdrohung gegen den mutmaßlichen Präsidentenmörder eingegangen. Dennoch ergriff die Polizei offenbar keine speziellen Sicherheitsmaßnahmen.

Quelle: ntv.de, mbo