Lageberichte geschöntFotos ausgemergelter Soldaten - Kiew entlässt Kommandeure

Die Frau eines ukrainischen Soldaten veröffentlicht erschreckende Bilder ihres Manns und seiner Kameraden in den sozialen Medien. Die Männer sind extrem unterernährt. Die Führung in Kiew reagiert und entlässt zwei Kommandeure.
Der ukrainische Generalstab hat zwei hochrangige Offiziere wegen verfälschter Lageberichte aus dem Frontgebiet in der Region Charkiw ihres Postens enthoben. Das bisherige Kommando habe "die reale Lage verschleiert, eine Reihe von Stellungen ging verloren und es wurden Fehler bei der Versorgung von Soldaten begangen", teilte der Generalstab in sozialen Netzwerken mit. Ausgewechselt wurde neben dem Kommandeur der 14. mechanisierten Sonderbrigade auch der Chef des übergeordneten 10. Armeekorps.
Die Frau eines Militärangehörigen hatte in den sozialen Medien mit der Veröffentlichung von Bildern ausgemergelter Soldaten auf die erschwerte Versorgungslage aufmerksam gemacht. "Die Jungs sind ohne Essen und Wasser! Die Kämpfer werden vor Hunger ohnmächtig, trinken Regenwasser", schrieb sie. Das Verteidigungsministerium in Kiew reagierte umgehend.
Funksprüche wurden wohl ignoriert
Laut dem "Guardian" hätte ihr Mann versucht, jemanden über sein Funkgerät zu erreichen, um auf die prekäre Lage aufmerksam zu machen, es habe aber entweder niemand gehört oder es habe niemanden gekümmert. Die Tochter eines Soldaten meint auf Threads, einige Soldaten der 14. mechanisierten Sonderbrigade wären mittlerweile evakuiert worden, andere steckten noch fest. Aus Kiew heißt es, gegen die ehemalige Führung der 14. Sonderbrigade seien dienstliche Ermittlungen eingeleitet worden.
Die Soldaten verteidigen seit acht Monaten Frontabschnitte östlich des Flusses Oskil. Mit Booten und Transportdrohnen werde dort die Versorgung der ukrainischen Einheiten sichergestellt, die durch "systematische Luft- und Raketenangriffe des Gegners" auf die Flussübergänge erschwert sei.
Das Gebiet um die Städte Kupjansk und der über den Oskil liegenden Nachbarstadt Kupjansk-Wuslowyj ist seit Monaten hart umkämpft. Der Kreml hatte bereits die Eroberung von Kupjansk für sich beansprucht, was unter anderem durch Aufnahmen von Präsident Wolodymyr Selenskyj am Ortseingang widerlegt wurde. Immer wieder zurückgewiesen wurde auch die Moskauer Behauptung, dass ukrainische Truppenteile auf dem Ostufer des Oskil faktisch eingeschlossen seien und nicht mehr versorgt werden könnten.