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Mordserie in der Ukraine Kiew wittert Verschwörung, Putin empört

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Die Ermittler am Fundort des getöteten Journalisten Busina

picture alliance / dpa

In Kiew werden zwei Oppositionelle tot aufgefunden. Präsident Poroschenko sieht die Schuld beim Feind, russische Medien streuen eine andere Version. Die Ereignisse erinnern an einen anderen prominenten Fall.

So makaber es klingt: Tote in der Ukraine sind auch während der Waffenruhe nicht die Ausnahme, sondern alltäglich. Nur sterben die Menschen üblicherweise an der Front in der Ostukraine und nicht in Kiew. In der ukrainischen Hauptstadt sorgt in diesen Tagen eine Mordserie für Aufsehen.

Das Ziel waren in beiden Fällen russlandfreundliche Oppositionelle: Der prorussische Journalist Oles Busina und der frühere Abgeordnete Oleg Kalaschnikow waren am Mittwoch und Donnerstag tot aufgefunden worden. Die Polizei ermittelt wegen Mordes. Wer hinter den Taten steckt, ist noch unklar. Sicher ist jedoch: Die Ereignisse bringen die ukrainische Regierung in schwere Erklärungsnot.

Denn Busina und Kalaschnikow sind keine Einzelfälle. Seit Beginn des Jahres sind bereits mehrere regierungskritische Politiker und Journalisten aus dem Leben geschieden oder getötet worden. Darunter auch etliche Verbündete des früheren Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Ein früherer Gouverneur und ein ehemaliger Abgeordneter waren vor einigen Wochen tot in ihren Häusern gefunden worden. Ein Parlamentsmitarbeiter von Janukowitschs "Partei der Regionen" stürzte sich Ende Februar aus dem 17. Stock eines Gebäudes. In diesen Fällen gehen die Ermittler von Selbstmord aus. Doch dabei blieb es nicht. Ende März kam der jüngste Sohn Janukowitschs bei einem Unfall ums Leben.

Und nun also zwei weitere Mordfälle: Busina, der unter anderem als Kolumnist der Tageszeitung "Segodnia" gearbeitet hat, war bekannt für seine regierungskritischen Artikel. Er war ein Gegner der Proteste auf dem Maidan und warf der prowestlichen Regierung in Kiew Zensur vor. Bei der Parlamentswahl im Herbst kandidierte er vergeblich für die Partei "Russischer Block". Als russlandfreundlich galt auch Kalaschnikow, der während der Maidan-Proteste Gegenkundgebungen veranstaltete.

"Wasser auf die Mühlen"

Nach den Morden liefern sich Kiew und Moskau nun einen Kampf um die Deutungshoheit. Ukraine-Präsident Petro Poroschenko gab ganz offen Russland die Schuld. Er sprach von einer Serie politischer Verbrechen. "Das ist eine bewusste Provokation, die Wasser auf die Mühlen unserer Feinde gießt." Die Taten sollten die innenpolitische Lage in der Ukraine destabilisieren.

Russlands Präsident Wladimir Putin wiederum sagte in seiner Fernsehsprechstunde, er sei besorgt über die Vielzahl an politischen Verbrechen in der Ukraine. Er zeigte sich enttäuscht, dass der Westen über diese Fälle hinwegsehe. Auch russische Medien greifen das Thema auf und streuen Zweifel an den vermeintlichen Selbstmorden. "Wo bleibt der Aufschrei des Westens", titelt die deutsche Seite von "Russia Today".

n-tv-Reporter Dirk Emmerich sagt: "Auch wenn belastbare Beweise fehlen, ist nicht auszuschließen, dass Russland dahintersteckt, um die Lage in der Ukraine auch jenseits des Donbass weiter zu destabilisieren. Genauso wenig wie die Variante, dass hier ukrainische ultra-nationalistische Kräfte am Werk sind. Poroschenko muss alles tun, um diese Morde schnellstmöglich aufzuklären."

Unfreiwillige Parallelen weist der Fall zum Mord an dem russischen Oppositionellen Boris Nemzow Ende Februar auf. Viele Beobachter vermuteten damals, die russische Regierung stecke zumindest indirekt hinter dem Anschlag. Der Kreml präferierte hingegen eine andere Version. So steckten auch ausländische Geheimdienste oder die russische Opposition selbst dahinter. Um der russischen Regierung zu schaden.

Quelle: n-tv.de

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