Politik

Einsatz auf EU-Ebene Klöckner will Kükentöten schnell beenden

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Deutschland und Frankreich wollen beim Tierschutz vorangehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch immer werden in Deutschland Millionen männlicher Küken geschreddert - aus wirtschaftlichen Gründen. Im Rest der EU sieht das nicht viel anders aus, aber Deutschland und Frankreich wollen das Thema gemeinsam angehen. Aber schon hierzulande gestaltet sich das schwierig.

Deutschland und Frankreich wollen sich auch auf EU-Ebene für einen Ausstieg aus dem umstrittenen Massentöten männlicher Küken stark machen. Dies solle unter anderem in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ab Juli vorangebracht werden, sagte Bundesagrarministerin Julia Klöckner von der CDU am Rande einer Fachkonferenz mit ihrem Amtskollegen Didier Guillaume. Beide Länder haben bereits als gemeinsames Ziel genannt, bis Ende 2021 aus der Praxis auszusteigen. Klöckner sagte, dafür sollten Zwischenetappen festgelegt werden, die auch zu überprüfen seien.

In Deutschland ist das Kükentöten in der Legehennenzucht nur noch für eine Übergangszeit zulässig, wie das Bundesverwaltungsgericht 2019 entschieden hatte. Die Praxis darf aber vorerst weitergehen, bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Ei zur Verfügung stehen. Männliche Küken schlüpfen dann gar nicht erst. Bisher werden allein in Deutschland jährlich rund 45 Millionen männliche Küken getötet, da sie keine Eier legen und nicht so viel Fleisch ansetzen.

Der Tierschutzbund kritisierte das nun angestrebte Ausstiegsdatum. Im Koalitionsvertrag stehe, dass das Töten bereits bis zur Mitte der Legislaturperiode beendet werde - das wäre Oktober 2019 gewesen. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Friedrich Ostendorff, kritisierte, das "ethisch nicht zu rechtfertigende Töten der männlichen Küken" sei ein Problem der Intensivierung der Lebensmittelproduktion. "Mitgeschöpfe werden zu ökonomischen Zählgrößen degradiert", erklärte er. "Statt die Industrialisierung der Landwirtschaft voranzutreiben, sollten wir uns auf eine ethisch vertretbare Tierhaltung verständigen.

Klöckner will Brütereien in Deutschland halten

Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Gero Hocker, erklärte, ob ein Ende des Kükentötens erreicht werden könne, werde nicht von der Politik, sondern letztendlich an der Ladenkasse entschieden. "Denn die Verbraucher steuern mit ihrem Kaufverhalten, wie produziert wird", erklärte er. Nötig sei eine echte Marktreife der Früherkennung im Ei durch Forschung und Innovation in Verbindung mit einem mindestens EU-weiten Verbot des Kükentötens.

Klöckner verteidigte das Vorgehen. Es gehe darum, den Ausstieg hinzubekommen, aber auch Brütereien in Deutschland zu halten. Es würde dem Tierschutz wenig helfen, wenn Eier aus anderen Ländern bezogen würden, die sich nicht darum kümmerten. Insofern gehe es um "Gründlichkeit vor Schnelligkeit". Alternative Methoden müssten auch flächendeckend zur Verfügung stehen. Die Geflügelwirtschaft erklärte: "Ein Ausstieg bis 2021/22 könnte unter größter Kraftanstrengung machbar sein, wenn sich alle Partner entlang der Erzeugungskette und die Politik zu einem gemeinsamen Weg bekennen."

Quelle: ntv.de, lwe/dpa/AFP