Politik

Nach Demos in Chemnitz Konzert gegen Rechts lockt Zehntausende Besucher

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"Es ist wichtig zu zeigen, dass man nicht allein ist", sagte Felix Brummer von der Chemnitzer Band Kraftklub. Am Ende besuchten 65.000 Menschen das Konzert.

(Foto: dpa)

Zahlreiche Bands setzen mit einem Konzert in Chemnitz ein Zeichen gegen Fremdenhass und Gewalt. Damit dürfe es aber nicht enden, fordern die Musiker. "Alles, was Anstand hat", müsse sich gegen den rechten Mob stellen. Es kommen mehr Menschen, als erwartet.

Bei einem Konzert zahlreicher Musik-Stars in Chemnitz haben sich Zehntausende Besucher gegen Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt stark gemacht. Unter dem Motto #wirsindmehr spielten Bands wie die Toten Hosen, Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet in der sächsischen Stadt. Die Stadtverwaltung und die Veranstalter sprachen von rund 65.000 Besuchern. Besondere Vorkommnisse blieben nach Polizeiangaben zunächst aus.

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Mit 20.000 Menschen hatten die Veranstalter gerechnet. Es waren deutlich mehr.

(Foto: dpa)

Vor dem Konzert gegen Fremdenhass und Gewalt warben die beteiligten Musiker um Unterstützung für diejenigen Menschen, die sich tagtäglich gegen Rechts engagieren. Es sei "wichtig zu zeigen, dass man nicht allein ist", sagte Felix Brummer von der Chemnitzer Band Kraftklub vor Journalisten. Das Problem Rechtsextremismus werde "leider morgen nicht weg sein".

Campino von den Toten Hosen sagte, es gehe bei dem Konzert nicht nur darum, Musik zu hören, sondern sich "solidarisch zu erklären mit denen, die hierbleiben, die den Kampf jeden Tag durchziehen". "Alles, was Anstand hat", müsse sich gegen den rechten Mob stellen. Monchi von der Band Feine Sahne Fischfilet sagte, man müsse sich entgegenstellen, "wenn so ein rassistischer Mob einen Mord instrumentalisiert" und sich mit den Leuten solidarisieren, "die sich in solchen Situationen gerade machen".

*Datenschutz

In Chemnitz war es nach dem Tod eines 35-Jährigen vor gut einer Woche mehrfach zu Demonstrationen rechter Gruppierungen gekommen, es gab auch Angriffe auf Ausländer. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen wegen des Tötungsdelikts in Untersuchungshaft.

Marteria: Chemnitz erinnert mich an Lichtenhagen

Der Rostock Rapper Marteria sagte, er fühle sich durch die Vorkommnisse in Chemnitz an die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in seiner Heimatstadt erinnert. Im August 1992 hatten Hunderte Gewalttäter mit Steinen, Molotowcocktails und Feuerwerkskörpern eine Aufnahmestelle für Asylbewerber in Rostock-Lichtenhagen angegriffen. Schaulustige bekundeten damals offen Sympathie für die Angreifer. Die Polizei schaffte es nicht, der Lage Herr zu werden. Er habe damals in Rostock gewohnt und es sei ein unfassbar schlimmer Moment für ihn gewesen, sagte Marteria alias Marten Laciny. Genau wie damals in Rostock habe sich jetzt in Chemnitz etwas aufgebauscht. Er solidarisiere sich mit den Menschen, die sich dagegenstellen.

Er selbst habe jahrelang damit zu kämpfen gehabt, dass Rostock als "Nazi-Stadt" abgestempelt gewesen sei. "Wir haben ganz, ganz lange in Rostock dafür gekämpft, dass sich das Bild ändert." Deswegen habe er auch für das "#wirsindmehr"-Konzert in Chemnitz zugesagt. "Mir geht es darum, dass die Leute, die aus Sachsen, aus Chemnitz sind, auch sagen können: 'Hey, ich bin aus Chemnitz', ohne dass gesagt wird: 'Ah, musst Du also ein Nazi sein.'"

Bands werden Opfer von Shitstorms

Bei dem Konzert wurden auch Spenden gesammelt, die jeweils zur Hälfte an die Familie des getöteten Daniel H. und an antirassistische Initiativen in Sachsen gehen sollen. Die Polizei war mit einem verstärkten Aufgebot im Einsatz und erhielt Unterstützung von Beamten aus Berlin, Bremen, Thüringen und weiteren Bundesländern.

Die am Konzert beteiligten Bands seien laut Toten-Hosen-Frontmann Campino heftigen Anfeindungen im Internet ausgesetzt. Auf den Facebook-Seiten gebe es "immense Shitstorms" gegen die Musiker, sagte er. "Man muss schon ein dickes Fell haben, um zu sagen: Ich gehe trotzdem nach vorne", sagte Campino. Er freue sich, dass seine Band "kurz vor der Rente" für das Open-Air-Konzert gegen Rassismus und rechte Hetze angefragt worden sei.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa/AFP

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