Politik

US-Ziel nicht erreicht?Krieg soll Irans mögliche Entwicklung einer Atombombe kaum beeinträchtigt haben

05.05.2026, 15:20 Uhr
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Die Angriffe der USA und Israels konzentrierten sich zuletzt hauptsächlich auf konventionelle militärische Ziele. (Foto: AFP)

Die Zerstörung des iranischen Atomprogramms ist ein zentrales Kriegsziel der USA. Doch auch nach den seit über zwei Monaten laufenden Angriffen scheint es weit entfernt zu sein. Das Mullah-Regime verfügt einem Bericht zufolge weitgehend unverändert über seine nuklearen Kapazitäten.

Die Fähigkeiten des Iran zum möglichen Bau einer Atombombe haben sich nach Einschätzungen der US-Geheimdienste trotz des Krieges der USA und Israels kaum verändert. Der Iran bräuchte nach wie vor etwa ein Jahr, um eine Atomwaffe zu entwickeln, sollte sich die Führung in Teheran für diesen Weg entscheiden, berichtet Reuters unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die jüngsten Angriffe der USA und Israels, die am 28. Februar begannen, konzentrierten sich hauptsächlich auf konventionelle militärische Ziele, wobei Israel auch eine Reihe bedeutender Nuklearanlagen getroffen haben soll. Um das iranische Atomprogramm erheblich zu behindern, müssten jedoch die verbliebenen Bestände an hoch angereichertem Uran im Iran vernichtet oder beiseitegeschafft werden, heißt es in dem Bericht weiter.

Im Sommer des vergangenen Jahres hatten Analysten geschätzt, dass der Angriff der USA und Israels während des zwölftägigen Krieges im Juni 2025 auf die iranischen Atomkomplexe Natanz, Fordow und Isfahan den Zeitplan des Mullah-Regimes zum Bau einer Atombombe um bis zu einem Jahr nach hinten verschoben habe. Bei der sogenannten Operation "Midnight Hammer" sollen die Angriffe die Anreicherungsanlagen zerstört oder schwer beschädigt haben, die zu diesem Zeitpunkt in Betrieb waren.

Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) geht jedoch davon aus, dass der Iran noch auf 60 Prozent angereichertes Uran in einem unterirdischen Tunnelkomplex im Nuklearforschungszentrum Isfahan lagert. Die IAEO schätzt, dass der gesamte Bestand an hoch angereichertem Uran für zehn Atombomben ausreichen würde, wenn er weiter angereichert würde.

"Soweit wir wissen, besitzt der Iran noch immer sein gesamtes nukleares Material", sagt laut Bericht auch Eric Brewer, ein ehemaliger hochrangiger US-Geheimdienstanalyst, der die Bewertung des iranischen Atomprogramms leitete. "Dieses Material befindet sich wahrscheinlich in tief vergrabenen unterirdischen Anlagen, die für US-Munition unerreichbar sind", so der Experte.

Kriegsziel nicht erreicht?

In den vergangenen Wochen sollen US-Beamte laut Bericht gefährliche Operationen erwogen haben, die Irans Nuklearprogramm erheblich behindern sollten. Zu diesen Optionen gehören demnach auch Bodenangriffe zur Bergung des hoch angereicherten Urans, das mutmaßlich im Tunnelkomplex des Geländes in Isfahan gelagert ist.

Die Trump-Regierung hatte immer wieder die Notwendigkeit betont, das iranische Atomprogramm zu zerstören, sei ein zentrales Kriegsziel. "Dem Iran darf niemals erlaubt werden, eine Atomwaffe zu erlangen. Das ist das Ziel dieser Operation", schrieb Vizepräsident JD Vance Anfang März bei X. "Präsident Trump hat seit Langem klargestellt, dass der Iran niemals Atomwaffen besitzen darf - und er blufft nicht", sagte zudem die Sprecherin des Weißen Hauses, Olivia Wales.

"Während die Operation "Midnight Hammer" die iranischen Atomanlagen zerstörte, baute die Operation "Epic Fury" auf diesem Erfolg auf, indem sie die iranische Rüstungsindustrie dezimierte, die sie einst als Schutzschild für ihr Atomwaffenprogramm nutzten", sagte Wales mit Bezug auf die Operation im Juni 2023 und den jüngsten Krieg, der im Februar begann. Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte, dass die USA durch die laufenden Verhandlungen mit Teheran sicherstellen wollen, dass der Iran keine Atomwaffe erlangt.

Wie nah ist Iran der Atombombe wirklich?

Die genaue Einschätzung von Irans nuklearen Kapazitäten ist laut Experten schwierig, selbst für die weltweit führenden Geheimdienste. Mehrere US-Geheimdienste haben Irans Atomprogramm unabhängig voneinander untersucht. Obwohl die Quellen einen breiten Konsens hinsichtlich Irans Fähigkeit zum Bau einer Atomwaffe beschreiben, gibt es auch abweichende Einschätzungen. Es ist dem Bericht zufolge möglich, dass Irans nukleare Ambitionen stärker zurückgeworfen wurden, als die Geheimdiensterkenntnisse vermuten lassen.

Einige Regierungsvertreter, darunter US-Außenminister Marco Rubio, argumentierten nun, dass die jüngsten US-Angriffe auf die iranische Luftabwehr die nukleare Bedrohung verringert hätten. Dadurch sei Irans Fähigkeit zur Verteidigung seiner Nuklearanlagen geschwächt worden, sollte das Land in Zukunft die Entwicklung von Atomwaffen vorantreiben wollen.

Hinzu kämen die Auswirkungen der israelischen Attentate auf führende iranische Atomwissenschaftler. David Albright, ehemaliger UN-Atominspektor und Leiter des Instituts für Wissenschaft und Internationale Sicherheit, sagte laut Reuters, die Tötungen hätten die Unsicherheit hinsichtlich Teherans Fähigkeit, eine funktionsfähige Atombombe zu bauen, erheblich erhöht.

Quelle: ntv.de, gut

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