Politik

Avatar statt Phantombild LKA setzt bei Verbrecherjagd auf 3D-Technik

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Das LKA Rheinland-Pfalz setzt 3D-Technik ein, um Tatorte besser nachempfinden zu können.

(Foto: picture alliance/dpa)

Das LKA Rheinland-Pfalz setzt neue Maßstäbe in der Kriminaltechnik. Die Ermittler nutzen Avatare statt Phantombilder und können mit einer neuen Technik ganze Tatorte als 3D-Animationen darstellen. Auch der nächste technische Schritt ist bereits in Planung.

Aus dem Phantombild des Mörders wird wie durch Zauberhand ein Avatar am virtuell nachempfundenen Original-Tatort. Auch den Blickwinkel der Zeugin auf das Verbrechen zeigt die 3D-Animation auf dem Bildschirm. Was konnte die Frau von draußen durch das Fenster sehen, was nicht? Um dies zu beantworten, werden die Hauswände auf dem Computer transparent, es wird durchs Dach geschaut - oder der Blick auf den Tatort in den ersten Stock des Nachbarhauses verlegt.

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"Wir nähern uns der vollständigen visuellen Tatrekonstruktion", sagte LKA-Chef Kunz.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mithilfe dieser neuen Technik können in Einzelfällen neue, ausschlaggebende Ermittlungsansätze gefunden werden. Dem Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz sei diese Visualisierung bundesweit zum ersten Mal gelungen, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz bei der Vorstellung in Mainz. Auf die Software für diese mehrperspektivische Darstellung des Täters hat Uwe Kinn - seit 23 Jahren Phantombildzeichner beim LKA - nach eigenen Angaben sogar ein Patent angemeldet. "Wir nähern uns der vollständigen visuellen Tatrekonstruktion", sagte LKA-Chef Johannes Kunz. Von einem Phantombild bis zum 3D-Avatar vergingen etwa 12 bis 24 Stunden, ergänzte Kinn. Dies sei gerade nach Terroranschlägen hilfreich für die Fahndung. "Wir sind in ein Feld vorgestoßen, das den Ermittlern bislang gefehlt hat."

Weniger Missverständnisse bei Gerichtsprozessen

Der visuelle 3D-Eindruck habe bereits bei einigen Gerichtsprozessen dazu geführt, dass Missverständnisse vermieden und die Perspektive erweitert werden konnte, sagte Kinn. Wichtig dabei sei auch die sogenannte Zeitlinie. Denn sie gebe ein Gefühl für den Ablauf des Verbrechens. "Sie zeigt, wie lang eine Minute sein kann, wenn verschiedene Sachen parallel laufen." Sowohl der Stand der Ermittlungen als auch Hypothesen ließen sich in 3D überprüfen. Potenzielle Täter etwa würden gelb eingefärbt. Die Darstellung des Tatorts basiert auf lasergenauen Vermessungen des Originalschauplatzes. Die 360°-Animation könne die Position der Zeugen stärken, aber auch ganz neue Fragen aufwerfen, erklärt er.

Der nächste technische Schritt sind nach Einschätzung der Ermittler Virtual-Reality-Brillen. Damit könne der Tatort und das Verbrechen auch im Gericht eins zu eins erfahrbar gemacht werden.

Quelle: ntv.de, sks/dpa