Politik

Besuch in Schleswig-Holstein Laschet macht's ganz anders als Söder

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Arnim Laschet und Daniel Günther bei einem Rundgang auf dem Gelände der Raffinerie Heide.

(Foto: picture alliance/dpa)

In der CDU wächst die Sorge, dass die Partei wegen des Kampfes um den Vorsitz zerrissen ins Wahljahr 2021 geht. Nun besucht der Bewerber Laschet Schleswig-Holstein, so wie es auch Bayerns Ministerpräsident Söder eigentlich vorhatte. Es wird ein ganz anderer Besuch.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und Bewerber um den CDU-Vorsitz, Armin Laschet, hat seinen Amtskollegen und Parteifreund Daniel Günther in Schleswig-Holstein besucht - dabei versuchte er, den Arbeitscharakter des Besuchs zu betonen, auch wenn viele Beobachter darin vor allem eine Art Wahlkampf-Reise in Sachen Parteivorsitz sahen.

Günther dankte dem Gast für sein Interesse, "nicht nur an den touristischen Schönheiten Schleswig-Holsteins, sondern auch daran, was unser Land noch so stark macht". Diesen Satz könnte man als Seitenhieb auf den kürzlich geplanten Besuch von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verstehen. Dessen Trip war kurzfristig wegen der Pannen bei Corona-Testzentren in Bayern abgesagt worden.

Anders als Laschet hatte Söder ein rein touristisches Programm im Norden geplant, mit Wattwanderung und einer Schiffsfahrt zu Seehundbänken in der Nordsee. Auch Laschets Aufenthalt im Norden erfolgte erst im zweiten Anlauf. Er holte damit einen Besuch nach, der zunächst für Anfang Juli geplant, dann aber nach dem Corona-Ausbruch im Schlachtbetrieb Tönnies im Kreis Gütersloh kurzfristig abgesagt worden war.

Söder besucht Vorzeigeprojekte

Laschet präsentierte sich als Verfechter der Energiewende und besichtigte Vorzeigeprojekte der nachhaltigen Energiegewinnung. Günther begleitete ihn, der sich für einen Kompromiss im Ringen um den Parteivorsitz einsetzt. Neben Laschet bewerben sich auch Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und der Außenexperte Norbert Röttgen um die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Der CDU-Chef gilt auch als möglicher Kanzlerkandidat der Union für die Bundestagswahl 2021. Allerdings genießt auch CSU-Chef Söder seit Monaten starke Umfragewerte. Auch ihm werden Ambitionen aufs Kanzleramt nachgesagt, auch wenn er stets sagt, sein Platz sei in Bayern.

Laschet besuchte unter anderem die als "grüne Raffinerie der Zukunft" geltende Raffinerie Heide in Dithmarschen und den GreenTec Campus im nordfriesischen Enge-Sande. "All die Themen, die uns in den nächsten zehn Jahren in Deutschland beschäftigen werden - wie gelingt die Digitalisierung, wie gelingt es, Industrieland zu bleiben und trotzdem nachhaltig und ökologisch zu sein - dafür haben wir heute sehr viele Beispiele erlebt", sagte Laschet. Günther sagte, er wisse, dass man mit Armin Laschet jemanden habe, der sensibel für das Thema sei.

Bloß keine knappe Entscheidung

Gastgeber Günther bekräftigte vor Journalisten seine Haltung, sich für einen Kompromiss im Ringen um den CDU-Vorsitz einsetzen zu wollen. Das Team Laschet mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe seine Unterstützung. Er glaube, der Teamgedanke sei einer, für den sich viele in der Union erwärmen könnten. Unnötig sei eine knappe Entscheidung, wie es sie bei der jüngsten Vorsitzenden-Wahl zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz gegeben habe.

Dies sei auch der Grund, warum er es richtig finde, noch einmal miteinander ins Gespräch zu kommen und eine einvernehmliche Lösung zu finden, betonte Günther. Laschet bemerkte zu dem heiklen Thema, "es ist allgemein schon der Wunsch da, dass wir uns nicht monatelang mit uns selbst beschäftigen als CDU".

Quelle: ntv.de, jki/dpa