Politik

Die drei Bewerbungsreden Laschet will Kapitän sein, Merz will führen

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Nach den Reden gab es noch eine kurze Fragerunde zu dritt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Laschet spricht darüber, wie er die Gesellschaft zusammenführen will und spricht sich gegen Polarisierungen aus. Merz sagt, in einer Demokratie müsse "mit Leidenschaft" gerungen, "zur Not gestritten" werden. Röttgen fordert Veränderung, damit die CDU Volkspartei bleibe. Ein Überblick.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat als erster Bewerber um den CDU-Vorsitz den zweiten Tag des digitalen Parteitags eröffnet. Heute wählen die 1001 Delegierten den neuen Parteichef. Nach Laschet reden Friedrich Merz und Norbert Röttgen - die Reihenfolge richtet sich nach dem Alphabet.

Über das Bild vom Sturm auf das Kapitol in Washington schlug Laschet den Bogen zum notwendigen gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland. "Viele glauben, bei uns könne das nicht passieren", sagte Laschet, dabei habe es bereits Reichskriegsflaggen auf den Treppen des Reichstags gegeben; dabei sei "einer von uns" ermordet worden - der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke, ein Christdemokrat.

"Wir lassen uns unser Land von Rechtsterroristen und von geistigen Brandstiftern nicht kaputt machen", sagte Laschet, um dann unmittelbar anzuschließen: Viele sagten, man müsse in der politischen Auseinandersetzung auch polarisieren können. "Nein, muss man nicht", so Laschet. "Polarisieren ist einfach, das kann jeder, das Gift ist schnell in der Hand und digital schnell zu verbreiten. Wir müssen Klartext sprechen, aber nicht polarisieren."

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Glücksbringer vom Vater

Dagegen stellte Laschet sein Rezept: Die Menschen müssten zusammengeführt werden. "Manche unserer Gegner nennen das 'Weiter so'". Doch als Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Amt gekommen sei, habe Deutschland als kranker Mann Europas gegolten. Heute, zum Ende ihrer Amtszeit, "würde keiner mehr sagen, Deutschland ist der kranke Mann Europas".

"Das Weiter so, das wir brauchen, ist die Kontinuität des Erfolgs. Weiter so erfolgreich sein, heißt eben nicht, alles weiter so machen wie bisher." Er wolle "Tacheles" sprechen: "Es gibt viele Menschen, die vor allem Angela Merkel gut finden und danach die CDU." Merkels Ansehen lasse sich in einem Wort zusammenfassen: "Vertrauen". Dieses Vertrauen müsse man sich erarbeiten. Dafür reichten nicht markige Worte.

Über sich und seine beiden Mitbewerber sagte Laschet, alle drei hätten ähnliche politische Ziele. "Müsste, könnte, sollte ist aber noch keine Politik. Man muss das Handwerkszeug einer Politik der Mitte beherrschen, die Fähigkeit zur Einigung." Er selbst beispielsweise habe mit der FDP in Nordrhein-Westfalen "während alle von Digitalisierung" ein Digitalisierungsministerium geschaffen. "Wenn Worte und Taten zusammenpassen, dann entsteht Vertrauen."

Mit einem klaren Seitenhieb auf Friedrich Merz fügte Laschet hinzu: "Die CDU und das Deutschland, das ich vor Augen habe, braucht keinen CEO, keinen Vorstandsvorsitzenden, sondern einen Mannschaftskapitän, der führt und zusammenführt."

Am Ende seiner Rede zeigte Laschet die Erkennungsmarke seines Vaters, der als Bergmann gearbeitet hatte, bevor er Lehrer wurde. Als Bergmann habe sein Vater erfahren, dass es darauf ankomme, sich auf den Kollegen verlassen zu können, nicht auf Unterschiede bei Religion oder Herkunft. Für den CDU-Parteitag habe er seinem Sohn die Marke als Glücksbringer mitgegeben. "Sag den Leuten, sie können dir vertrauen", habe er dazu gesagt.

Merz beansprucht die Führung

Nach Laschet sprach Merz, der eine ganz andere Rede hielt. Er sprach weniger über gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern über die anstehende Bundestagswahl und über die Herausforderungen der Zukunft.

Mit Blick auf den digitalen Parteitag der CDU sagte er: "Wir setzen die Standards und ab heute müssen sich alle anderen Parteien an diesem Standard messen lassen." Auch in der Politik beanspruchte er für die CDU die Führung der nächsten Bundesregierung. "Die Weichen dafür stellen wir heute."

Die Gegenwart beschrieb Merz als Gesellschaft im Ausnahmezustand. Es gebe zwei Möglichkeiten: "Sie können voll Angst auf den nächsten Tag und die nächste Woche schauen. Sie können aber auch Mut und Zuversicht geben." Dies wolle er tun: Es werde einen Weg aus der Krise geben.

Den Klimawandel nannte Merz "eine der größten Herausforderungen, vor denen wir jemals in der Geschichte der Menschheit gestanden haben". Allerdings mache er sich nicht das Narrativ zu Eigen, die Welt gehe unter, weil wir gestern nicht genug für den Schutz des Klimas getan hätten. "Die Welt geht morgen nicht unter. Wir können dieses Problem lösen."

Er fügte "ein offenes Wort" an: " So, wie wir das bisher machen, wird das allein nicht ausreichen." Wind und Sonne allein würden nicht reichen, um den Energiebedarf des Landes zu decken.

"Ringen, zur Not streiten"

Merz sagte, "um Maß und Mitte, Konsens und Kompromiss" müsse in einer Demokratie "mit Leidenschaft" gerungen, "zur Not gestritten" werden. Die CDU streite mit SPD, FDP und Grünen, das seien aber Gegner, keine Feinde.

Sehr deutlich wandte Merz sich gegen die Behauptung, er habe ein Problem mit Frauen. Er bestritt dies: Wenn dem jedoch so sei, hätten seine Töchter ihm längst die Gelbe Karte gezeigt und seine Frau ihn vor 40 Jahren nicht geheiratet. Parallel zur Rede sein Team diesen Satz auf Twitter, wo Merz scharfe Kritik für diese Art der Argumentation entgegenschlug.

Was ihn für die Kandidatur motiviere sei "Verantwortung für folgende Generationen, für unsere Kinder". Vermutlich mit Blick auf Zweifel, ob er in der Lage wäre, eine schwarz-grüne Koalition zu führen, verwies Merz auf den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Dieser sei früher, als hessischer Innenminister, "schwarzer Sheriff" genannt worden. Nun führe er seit Jahren erfolgreich eine Koalition mit den Grünen. "So etwas geht."

Auch die AfD sprach er an; Probleme bei der Abgrenzung zur AfD in Thüringen hatten ja zum Rücktritt von Annegret Kramp-Karrenbauer geführt. "Es wird mit mir, wenn ich die Führung dieser Partei übernehme, keine Zusammenarbeit mit der AfD geben." Was in Thüringen passiert sei, "wird sich unter meiner Führung nicht wiederholen".

Seinen Anspruch auf Führung verband Merz mit einer Ankündigung: "Ich werde es mir nicht leicht machen, Ihnen aber auch nicht."

Röttgen: "Ich bin kein Lager"

Als letzter Redner sprach Norbert Röttgen. Ähnlich wie Laschet sagte er, er wolle an die erfolgreiche Zeit der Merkel-Kanzlerschaft anknüpfen. Und auch er betonte, dass dafür Veränderung nötig sei. "Es geht um die Zukunft der CDU und die unseres Landes, und deshalb und dafür kandidiere ich." Die CDU solle "die Partei der Zukunftskompetenz" werden.

Die CDU habe Veränderungsbedarf: "Wir müssen Volkspartei bleiben und wir bleiben es nur, wenn wir uns verändern." Die Richtung der Veränderung komme aus der Gesellschaft: Die CDU müsse weiblicher, jünger und digitaler werden. Er traue sich zu, neue Wählerinnen und Wähler zu gewinnen. Er wolle nicht Einzelspieler sein, "sondern wir werden nur als Mannschaft erfolgreich sein". Das C im Parteinamen stehe für eine Absage an Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Röttgen forderte Nachhaltigkeit sowohl bei der Ökologie als auch bei der Staatsverschuldung.

Auch er erinnerte an die Bilder aus Washington. Auch in Deutschland müsse Hassreden entgegengetreten werden; in den Parlamenten dürfe es "niemals" auf die AfD ankommen. Den Bemühungen von SPD und Grünen, "die populistische Linkspartei zu rehabilitieren", müsse die CDU entgegentreten.

Wie in seinem innerparteilichen Wahlkampf betonte Röttgen: "Ich bin kein Lager, ich möchte integrieren." Tatsächlich steht Röttgen allerdings für eine eher liberale Politik.

Mit dem heutigen Tag sei der innerparteiliche Wettbewerb beendet, sagte Röttgen. Er würdigte die historische Leistung der Menschen in der DDR, versprach, das Thema Bildung zu stärken und wirtschaftspolitische Glaubwürdigkeit mit dem Klimaschutz zu verbinden. "Wir werden ehrlich sein, wir werden sagen, der Wohlstand muss zuerst erarbeiten werden, bevor er verteilt wird."

Der Kanzlerkandidat der Union müsse der nächste Kanzler der Bundesrepublik werden. "Es wird kein Spaziergang werden", sagte Röttgen, "aber wenn's mal ganz hart kommt, dann mache ich Ihnen einen Vorschlag. Dann suchen wir uns einen Moment der Ruhe und denken an unsere Kinder." Dann "wissen wir wieder ganz schnell, wofür für was und für wen wir Politik machen."

Quelle: ntv.de, hvo