Politik

Laschet zu Trumps Grönland-Plan"Das ist die Herangehensweise eines Immobilienmaklers"

12.01.2026, 23:05 Uhr
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Armin Laschet wirft US-Präsident Donald Trump vor, im Streit um Grönland nicht sicherheitspolitisch, sondern machtpolitisch zu denken. Sicherheitsargumente seien nur vorgeschoben – dahinter stehe eine Verhandlungstaktik, die nur die USA vergrößern solle.

Mit deutlichen Worten rechnet Armin Laschet mit Donald Trumps Vorstoß im Streit um Grönland ab: Hinter den Überlegungen des US-Präsidenten steckten weniger Sicherheitsinteressen als der Wunsch, die Vereinigten Staaten territorial zu "vergrößern", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags in der ntv Sendung "Pinar Atalay". Zwar räumte der CDU-Politiker ein, "das Argument, das er anführt, … [sei] nicht unberechtigt, dass Grönland sicherheitspolitisch heute interessanter wird durch das schmelzende Eis, durch neue Wege". Der nötige Schutz könne jedoch problemlos "im Nato-Rahmen passieren". Es gebe "gar keinen Grund, das [Land] dafür amerikanisch zu annektieren". Für Laschet ist daher klar: "Deshalb stehen da andere Dinge im Hintergrund als die Sicherheitsfragen."

Auf Nachfrage von ntv-Moderatorin Pinar Atalay, was aus seiner Sicht tatsächlich hinter Trumps Überlegungen stecke, sagte Laschet: "Es geht um die Vorstellung: Wir vergrößern unser Land." Als Beispiel verwies der CDU-Politiker auf eine Skizze der Ehefrau des Vize-Stabschefs, "die quasi Grönland amerikanisch gemalt hat". Auch Trump selbst denke in solchen territorialen Kategorien, so Laschet, der gemeinsam mit Sicherheitsexperte Christian Mölling zu Gast in der Sendung war.

Scharfe Kritik äußerte Laschet zudem an Überlegungen Trumps, den Einwohnern Grönlands hohe Geldsummen anzubieten. "Das ist natürlich bei ihm in vielen Fragen die Herangehensweise eines Immobilienmaklers", sagte er. Entsprechend wirke auch die Verhandlungstaktik: "Etwas total Verrücktes fordern, dann zurückdrehen, dann am Ende doch etwas erreichen." Das passe "alles nicht zu unseren Vorstellungen von Diplomatie". Zwar sei eine Volksabstimmung mit dem Versprechen hoher Zahlungen theoretisch denkbar, räumte Laschet ein. Doch solche Szenarien seien "eigentlich total unüblich in der internationalen Politik, aber ausgeschlossen ist es nicht".

Mölling: Trump ist ein "Schutzgelderpresser"

Der Sicherheitsexperte Christian Mölling sieht hinter Donald Trumps Vorstößen zu Grönland vor allem eine gezielte Eskalationsstrategie. "Trump legt als Erstes den geladenen Revolver auf den Tisch und alle schnappen danach und sagen: Oh wow, der könnte jetzt Grönland militärisch intervenieren", sagte Mölling. Tatsächlich gehe es aber weniger um eine konkrete Intervention als darum, "den Druck" zu erhöhen.

Im Kern verhalte sich Trump wie "ein Schutzgelderpresser, der aber den gesamten staatlichen Instrumentenkasten nimmt (...)", so Mölling. "Und er hat den größten Instrumentenkasten, das muss man leider sagen, den ein Land zurzeit anzubieten hat." Genau damit setze Trump andere Staaten massiv unter Druck.

Mit Blick auf die Nato zeigte sich Mölling skeptisch, ob sie für Trump überhaupt noch eine Rolle spiele. Man müsse "total vorsichtig" sein anzunehmen, dass Trump aus Rücksicht auf das Bündnis zurückrudere. "Vielleicht sagt er ja: Okay, wenn das der Preis ist, dann ist es halt auch in Ordnung", und setze stattdessen auf bilaterale Deals mit europäischen Staaten. Am Ende stehe womöglich "ein schwächeres Europa". Viele hielten sich deshalb beim Thema Grönland zurück, aus der Hoffnung heraus, Trump bei wichtigeren Fragen - Ukraine und Russland beispielsweise - nicht ganz zu verlieren. Trump nutze diese Lage gezielt, so Mölling: Er habe "ein Gespür" dafür - auf der einen Seite "für die Medien" und auf der anderen Seite für Situationen, in denen durch Druck plötzlich "eine geschäftliche Möglichkeit entsteht".

Quelle: ntv.de, vmi

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