Politik

Immunschwäche doch heilbar? Lauterbach rudert bei Corona erneut zurück

80cf9df6ae02e3d7287d350745028d3d.jpg

Lauterbach verweist auf einen "technischen Übertragungsfehler" in seinem Ministerium.

(Foto: dpa)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Karl Lauterbach warnt in einem Interview vor einer Immunschwäche nach mehreren Infektionen mit dem Coronavirus. Bei der aktuellen Studienlage unterläuft dem Gesundheitsminister allerdings ein entscheidender Fehler. Schon wieder muss er eine Aussage revidieren.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat erneut eine seiner Aussagen über das Risiko von Corona-Infektionen korrigiert. Lauterbach hatte gegenüber der "Rheinischen Post" vor einer nicht heilbaren Immunschwäche nach mehreren Corona-Infektionen gewarnt. Nun kassierte er bei Twitter das "unheilbar": "Von unheilbarer Immunschwäche kann derzeit noch keine Rede sein", schrieb er bei dem Kurznachrichtendienst.

Unter Verweis auf sein Ministerium (BMG) erklärte Lauterbach: "Es gab einen technischen Übertragungsfehler im BMG." Sein Zitat hätte demnach lauten müssen: "Studien zeigen mittlerweile sehr deutlich, dass die Betroffenen es häufig mit einer Immunschwäche zu tun haben, deren Dauer wir noch nicht kennen." Naheliegend ist somit ein interner Fehler beim Autorisieren des Interviews.

Der Gesundheitsminister reagierte mit dem Tweet auf einen Kommentar in der "Süddeutschen Zeitung". Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt hatte Lauterbachs Äußerung darin als unverantwortlich bezeichnet. Dass Lauterbach erneut so dramatisiere, "und hier auch noch mit vorläufigen Daten, zeugt von einer schwer zu heilenden Kommunikationsschwäche", schrieb die promovierte Immunologin bei Twitter.

Nicht die erste Kehrtwende

Lauterbach hatte in dem Zeitungsinterview bereits eingeschränkt, dass der Risikofaktor für die Entstehung von chronischen Erkrankungen "noch nicht sicher" sei und intensiv erforscht werde. Der Minister hatte in dem Gespräch eine große Initiative für Menschen mit Long Covid angekündigt. Lauterbach zufolge leiden nach Schätzungen fünf bis zehn Prozent der Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung an langfristigen Folgen.

Mehr zum Thema

Die Korrektur ist nicht Lauterbachs erste Kehrtwende. Nachdem er Anfang April ein Ende der Isolationspflicht angekündigt hatte, ruderte er wenige Tage später zurück. Experten und Medien hatten die Entscheidung scharf kritisiert. Im August relativierte der Minister dann eine Empfehlung zur vierten Impfung. In einem Interview hatte er gesagt, wolle man den Sommer ohne das Risiko einer Erkrankung genießen, dann würde er "in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen".

Kritik kam wenige Tage später vom Chef der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens: Er kenne keine Daten, die einen solchen Ratschlag rechtfertigten. Lauterbach erklärte daraufhin: "Ich habe nicht gesagt: für alle die vierte Impfung."

Quelle: ntv.de, chl

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen