Politik

Wahl in Frankreich Le Pen ist einfach nicht gut genug

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Anhänger hat sie trotz allem: Wahlkampfauftritt von Marine Le Pen in Arras.

(Foto: IMAGO/Kyodo News)

Le Pen hat es nun zum dritten Mal in die Stichwahl geschafft - und zum dritten Mal wird sie wohl unterliegen. Dieses Mal liegt es nicht daran, dass die Bürger unbedingt eine Rechte im Élysée verhindern wollen. Macron überzeugt mit Argumenten selbst manche Bürger, die ihn für elitär halten.

Caudebec-en-Caux ist ein hübsches Dörfchen in der Normandie. Es liegt romantisch an der Seine, die Flussschiffe halten hier und spucken deutsche Urlauber aus, die dann eine Stunde durch die alten Gassen flanieren. Es ist gut auszuhalten hier. Und doch ist die Region zwischen Le Havre und Rouen strukturschwach, außer Tourismus ist hier nicht viel. Wer einen einigermaßen gut bezahlten Job will, muss pendeln, oftmals weite Wege - nicht leicht bei den gestiegenen Benzinpreisen.

Auch deshalb hat Marine Le Pen in der ersten Wahlrunde hier gewonnen. Mit fast dreißig Prozent der Stimmen verbannte sie Emmanuel Macron auf Platz 2, hinter ihm kam schon der Linke Jean-Luc Mélenchon.

"Macron finden hier viele arrogant"

Anne Carvalho ist die Wirtin im Ort, ihre Bar liegt genau am Kreisverkehr im Zentrum. Sie serviert den Einheimischen Café und Bier, nimmt die Pferdewetten entgegen, verkauft Tabak. Und sie weiß, wie die Leute hier ticken. "Klar, Macron finden hier viele arrogant", sagt sie. "Und er hat die Leute der Mittelschicht vergessen. Die, die hart arbeiten, um irgendwie über die Runden zu kommen." Deshalb hätten hier viele "Marine" gewählt. Doch dann sagt sie den entscheidenden Satz: "Aber Macron hatte auch so viel zu tun, all die Krisen, Corona und jetzt der Krieg - und: Was würde Le Pen denn besser machen? Wunder kann sie auch nicht vollbringen."

Nein, Wunder erwarten sie von Le Pen nicht in Frankreich. Dafür kennen sie die Politikerin schon zu lange, wissen um ihre Stärken und ihre Schwächen. Und was sollte sie denn auch tun, gegen hohe Benzin- und Gaspreise, mitten in diesem Konflikt mit Russland?

Und deshalb scheinen sich jetzt viele zu besinnen. Wen man auch fragt in Caudebec-en-Caux, die Friseurin, der Fleischer, sie alle sagen: Wir müssen Macron nicht mögen, aber so schlecht hat er es nicht gemacht. Und so schlecht geht es uns auch gar nicht.

Keine Liebe, aber Respekt

Das ist der große Unterschied, zum Beispiel zur Wahl vor zehn Jahren. Damals war es ganz eindeutig: Wenn man ins Taxi stieg, in die Bar ging oder den Gesprächen im Restaurant lauschte, immer hieß es: niemals mehr Sarkozy. Das Misstrauen gegen ihn war so groß, dass er nur abgewählt werden konnte - das geschah dann auch. Dieses Mal ist es völlig anders. Keine Liebe für Macron, aber Respekt.

Weil er sehr schnell in seine Rolle gefunden hat - als großer Europäer, als guter Redner, als präsidialer Moderator seiner Politik. So könnte es diesmal nicht so werden wie vor fünf Jahren, als es die sogenannte "republikanische Front" war, die ihn ins Amt hievte. So nennen es die Franzosen, wenn sich alle am Wahltag vereinen, um eine rechtsextreme Kandidatin im Amt zu verhindern.

Es wird weiße Zettel geben

Diesmal werden jene, die Macron überhaupt nicht leiden können, einfach nicht zur Wahl gehen oder einen weißen Stimmzettel in die Urne werfen. Viele extrem linke Wähler werden das so machen, jene, die Mélenchon, den reichlich aufgeregten französischen Bernie Sanders, unterstützt haben.

Viele andere aber werden Macron wählen, weil er sie dann doch überzeugt: Zuletzt setzte er besonders auf das Thema der Ökologie - Frankreich zum Marktführer beim Umbau in ein klimaneutrales Land zu machen, das ist sein Plan. Anders als Deutschland setzt er dabei auf Atomkraft.

Macron hat in seiner Amtszeit zudem sehr viel für die Polizei getan, neue Stellen, neue Technik, mehr Befugnisse. Das kann auch Konservative überzeugen. In den quartier sensibles hat sich viel getan, es wird renoviert und umgebaut, um diesen üblen Orten und den Menschen, die dort leben, ein wenig Würde zurückzugeben. Zudem werden Hilfsinitiativen stärker unterstützt. Auch das bringt Stimmen.

Le Pen setzt auf die alten Muster

Und er trifft den richtigen Ton, wenn er wie zuletzt in Saint-Denis am Rande der Hauptstadt Menschen aus diesen Vorstädten trifft. "Ja, es gibt Probleme und Ungerechtigkeiten, in wirtschaftlichen Fragen, aber auch bei der Sicherheit. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir die nicht mit einer Spaltung der Gesellschaft lösen werden." Eine klare Absage an Le Pen, die im Wahlkampf ein Kopftuchverbot forderte. Macron widersprach ihr in der TV-Debatte - das würde in Frankreich einen Bürgerkrieg auslösen, schließlich sei man das Land der Menschenrechte. Das war harter Tobak, aber es war zutreffend.

Und so wird Le Pen am Ende dieser Kampagne wieder schriller: Vor ihren Anhängern im Herzland der Rechten, dem Norden, sagte sie in Arras: "Volk Frankreichs, erhebt Euch. Ich werde euch eure Würde, eure Kraft, eure Größe wiedergeben."

Fraglich, wer dem Volk die Würde genommen hatte. Und fraglich, ob es gut ist, zuletzt doch wieder in alte Muster zu verfallen. Die Antwort gibt es heute um 20 Uhr.

Quelle: ntv.de

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