Politik

Schlappe für Front National Le Pens Vater bleibt Ehrenvorsitzender

Neues Kapitel einer Familienfehde: Der rechtsextreme Front National will weniger radikal rüberkommen. Doch die Partei wird ihren polternden Gründervater Jean-Marie Le Pen nicht so leicht los.

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Jean-Marie Le Pen ärgert seine Tochter weiter.

(Foto: REUTERS)

Der französische Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen bleibt trotz seines Rauswurfs aus dem Front National (FN) Ehrenvorsitzender der Partei. Ein Gericht im Pariser Vorort Nanterre bestätigte zwar den Ausschluss, gegen den der jahrzehntelange FN-Chef sich erbittert gewehrt hatte. Dies hat dem Urteil zufolge jedoch keine Auswirkungen auf den Ehrenvorsitz. Damit könne er an den Sitzungen der Führungsgremien teilnehmen, sagte der 88-Jährige dem Sender BFMTV. "Das ist ein totaler Sieg."

Die inzwischen von seiner Tochter Marine Le Pen geführte Partei hatte ihren Gründer im vergangenen Jahr nach monatelangem Krach ausgeschlossen. Er hatte die Gaskammern der Nazis zuvor erneut als "Detail der Geschichte" verharmlost. Die FN-Chefin bemüht sich seit Jahren, der Rechtsaußen-Partei mit einer gemäßigteren Wortwahl ein bürgerliches Image zu verschaffen.

Das Urteil kritisierte Marine Le Pen als "irrwitzig". "Das ist totaler Quatsch", sagte sie vor Journalisten. "Man kann also Ehrenvorsitzender einer Partei bleiben, ohne Mitglied zu sein, also warum nicht auch Mitglied einer anderen politischen Partei." Der FN kann in Berufung gehen. Sie wurde auch verurteilt, 15.000 Euro Schadenersatz zu zahlen, weil sie Jean-Marie Le Pen die Rechte als Ehrenvorsitzender verwehrt hatte.

Marine Le Pen will in den Élysée-Palast

Schon im vergangenen Jahr hatte Jean-Marie Le Pen mehrfach vor Gericht Erfolge gegen den FN erzielt. So war die zunächst verhängte Suspendierung seiner Mitgliedschaft wieder kassiert worden. Im August 2015 schloss das Exekutivbüro der Partei ihn dann aus. Le Pen hatte den Front National seit ihrer Gründung 1972 bis 2011 geführt und von einer Splittergruppe zu einer wichtigen politischen Stimme geformt. Wegen der über Jahrzehnte mehrfach wiederholten Bemerkung über die Gaskammern und anderer Ausfälle war er immer wieder verurteilt worden.

Seiner Tochter sagen Umfragen gute Chancen voraus, bei der Präsidentschaftswahl 2017 in die Stichwahl zu kommen. Erst am Mittwoch hatte sie ihr Wahlkampf-Hauptquartier eröffnet - es liegt in der gleichen Straße wie der Élysée-Palast, keine zwei Kilometer vom Pariser Machtzentrum entfernt.

Quelle: n-tv.de, wne/dpa