Politik

KMK richtet Taskforce ein Lehrerverband erwartet 250.000 ukrainische Kinder in Schulen

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Schülerinnen und Schüler einer neu eingerichteten Willkommensklasse für aus der Ukraine geflüchtete Kinder am Lessing-Gymnasium.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Hunderttausende Kriegsflüchtige aus der Ukraine haben bislang Deutschland erreicht, darunter viele Kinder. Experten erwarten bis zu einer Viertelmillion neue Schüler. Dies bedeute auch, dass es Tausende neue Lehrer braucht. Eine Arbeitsgruppe der Kultusminister soll sich nun um das Thema kümmern.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) wird voraussichtlich in der kommenden Woche erste Zahlen zu ukrainischen Kindern und Jugendlichen an Schulen in Deutschland vorlegen können. Das sagte KMK-Präsidentin Karin Prien. Die von der KMK eingerichtete Taskforce zu dem Thema kümmere sich um die Erhebung der Daten. Ziel sei es, wöchentlich darüber zu informieren.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, rechnet mit bis zu 250.000 schulpflichtigen Kindern. Man rede dann von "mindestens 15.000 zusätzlichen Lehrkräften, Tausenden von mehr benötigten Kita-Erzieherinnen und damit letztendlich von einem zweistelligen Milliardenbetrag", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Prien, die auch schleswig-holsteinische Bildungsministerin ist, berichtete aus ihrem Bundesland von bisher 1173 ukrainischen Schülerinnen und Schülern, die schon Unterricht bekämen. Nach einem relativ starken Aufwuchs bei den Ankunftszahlen gebe es momentan wieder einen Rückgang. "Da ist eine gewisse Beruhigung eingetreten. Das ist auch das, was ich aus anderen Bundesländern höre. Aber das ist eine Momentaufnahme. Das heißt überhaupt nicht, dass das nächste Woche auch wieder anders sein kann", sagte Prien.

Man rechne im Moment mit einer Million Flüchtlinge, davon 40 bis 50 Prozent Kinder und Jugendliche. Pro 1000 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern brauche man etwa 60 zusätzliche Lehrkräfte.

Auch mit ukrainischem Schulplan

In der KMK bestehe große Einigkeit, dass den Kindern und Jugendlichen grundsätzlich das Angebot gemacht werden soll, über verschiedene Integrationsklassen Deutsch zu lernen. "Wir halten das auch für erforderlich, weil die Frage, wann die Schülerinnen und Schüler wieder zurückkehren können, völlig offen ist", sagte Prien. Anders als 2015 und 2016 wolle man aber zusätzlich Angebote nach ukrainischem Lehrplan oder in ukrainischer Sprache ermöglichen, soweit das möglich sei. So gebe es nur vereinzelt ukrainische Lehrkräfte. "Wir können und wollen kein paralleles Schulsystem aufbauen."

Die ukrainische Generalkonsulin Iryna Tybinka hatte an die Kultusminister appelliert, auf eine Kontinuität der Bildungsprozesse und ein Aufrechterhalten der nationalen Identität ukrainischer Kinder zu achten. Es gehe um einen vorübergehenden Aufenthalt in Deutschland.

Vieles auch digital möglich

Meidinger forderte, deutsche Schulen müssten mit der Ukraine zusammenarbeiten. Dabei seien ein gemischter Stundenplan aus ukrainischen und deutschen Unterrichtsinhalten sowie digitale Unterrichtsformen denkbar, sagte er. Über digitalen Unterricht könnten etwa ukrainische Lehrkräfte - egal ob nach Deutschland geflüchtet oder noch in der Heimat - viele Schülerinnen und Schüler erreichen. Diese dürften nicht den Kontakt zum ukrainischen Schulsystem verlieren.

Auch der Verband Bildung und Erziehung forderte zu prüfen, inwieweit Unterricht nach ukrainischem Lehrplan sinnvoll ist. "Wir müssen auch unser eigenes Verständnis von Integration überdenken und offen für neue Antworten sein", sagte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das Ziel kann diesmal nicht allgemeingültig in einer schnellen und effektiven Integration in das deutsche Schulsystem liegen."

Quelle: ntv.de, smu/dpa

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