Politik

Debatte übers Gendern Linke-Chefin weist Wagenknecht-Kritik zurück

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Die Popularität Wagenknechts müsse die Linke für sich nutzen, sagte Wissler.

(Foto: picture alliance/dpa/ZDF)

Noch sind es etwas mehr als zwei Monate bis zur Bundestagswahl, und noch liegt die Linke in Umfragen weit hinter ihren Erwartungen. Co-Parteichefin Wissler weist die Kritik von Ex-Fraktionschefin Wagenknecht zurück: Die verhaltenen Umfragewerte lägen nicht an geschlechtersensibler Sprache.

Die Spitzenkandidatin der Linken und Co-Parteichefin Janine Wissler sieht keinen Zusammenhang zwischen den Umfragewerten ihrer Partei und der Frage, ob sich die Linke für eine geschlechtersensible Sprache einsetzt. In den Umfragen sei viel Luft nach oben, sagte Wissler im ZDF-"Sommerinterview". "Ich glaube nicht, dass es am Gendern liegt."

Die Linke lag in den Umfragen zuletzt bei sieben oder acht Prozent. Wissler und ihr Co-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch hatten als Ziel für die Bundestagswahl ein zweistelliges Ergebnis ausgegeben. Wissler sagte, man könne beides machen: soziale Ungerechtigkeiten deutlich machen, aber natürlich gehe es auch um eine sensible Sprache.

"Aber es ist doch klar, dass man alleine über Sprache nicht Gesellschaft verändert, sondern wir müssen die zugrundeliegenden Probleme ändern." Hintergrund ist eine Debatte, die von der ehemaligen Fraktionschefin der Linken, Sahra Wagenknecht, mit ihrem aktuellen Bestseller "Die Selbstgerechten" angestoßen wurde. In dem Buch wirft sie linken Parteien vor, mit Gender-, Klima- und Bio-Essen-Debatten ihre Kern-Wähler zu verprellen.

"Müssen Vielstimmigkeit überwinden"

Wissler machte auch deutlich, dass sie Wagenknecht in den Wahlkampf einbeziehen wolle. Wagenknecht verfüge über eine hohe Popularität, fülle die Marktplätze und erreiche viele Menschen über soziale Medien. "Das müssen wir für die Partei nutzen." Wagenknecht stelle die richtige Frage, wie die Linke mehr Menschen erreichen könne - und vertrete das Wahlprogramm der Partei.

Die ehemalige Fraktionschefin hatte zuletzt teils scharfe Kritik an ihrer Partei geübt. So wirft sie der Linken vor, sie sei zu abgehoben und kümmere sich zu wenig um ihre angestammte Klientel. Dem entgegnete Wissler, ihre Partei gehe dorthin, wo andere nicht hingingen und engagiere sich etwa in Mieterinitiativen.

Weiter ist Wissler der Überzeugung, dass die Linke zur Geschlossenheit zurückfinden müsse, um die Bundestagswahl erfolgreich zu bestehen. "Ich glaube, dass die Linke bei Wahlen immer dann gepunktet hat, wenn es uns gelungen ist, die Inhalte nach vorne zu stellen", sagte sie. "Wir müssen ein Stück weit auch Vielstimmigkeit überwinden."

"Das war kein leichtes Jahr"

Wissler verwies auf die Linken-Forderungen nach einer Vermögensteuer, einem höheren Mindestlohn und dem Aus für die Rente ab 67. Für all diese Positionen gebe es breite gesellschaftliche Mehrheiten, sagte die Linken-Vorsitzende. Sie verteidigte zugleich das Nein der Linken zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Afghanistan, wo der Einsatz der Bundeswehr kürzlich beendet worden war, sei keineswegs friedlicher geworden. Warum solle nach diesem Scheitern ausgerechnet die Linke ihre Position hier überdenken, fragte die Parteivorsitzende.

"Die Linke ist grundsätzlich der Meinung, dass man Frieden nicht dadurch schafft, dass man Soldaten irgendwo hinschickt", sagte Wissler. Wenn Deutschland einen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten wolle, solle es damit aufhören, Waffen an Länder wie Saudi-Arabien, Katar oder Ägypten zu liefern.

Die Linke hat seit längerer Zeit mit Wahlniederlagen und mageren Umfragewerten zu kämpfen. "Das war kein leichtes Jahr für uns", räumte Wissler ein. "Wir mussten zweimal den Parteitag verschieben und damit auch die personelle Neuaufstellung." Wissler bildet seit Februar gemeinsam mit der Co-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow die Doppelspitze der Partei. Beide lösten das langjährige Führungsduo aus Katja Kipping und Bernd Riexinger ab.

Quelle: ntv.de, ses/AFP/dpa

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