Politik

Machtkampf um Geschäftsführung Linke-Spitze setzt Favoriten knapp durch

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Bernd Riexinger, Ko-Parteichef der Linken, gratuliert Jörg Schindler.

(Foto: dpa)

Mit nur drei Stimmen Vorsprung setzt sich der Jörg Schindler bei der Stichwahl gegen seinen Rivalen durch - und wird damit neuer Bundesgeschäftsführer der Linken. Für die Parteispitze ist das ein knapper Erfolg im internen Kampf um die Macht.

Die Linke hat den Vize-Parteichef von Sachsen-Anhalt, Jörg Schindler, zum neuen Bundesgeschäftsführer gewählt. Beim Bundesparteitag der Linken in Leipzig bekam der Wunschkandidat der Parteispitze am Samstag 48,36 Prozent und lag damit nur drei Stimmen vor seinem Gegenkandidaten. Schindler setzte sich in einer Stichwahl gegen den früheren Bundestagsabgeordneten Frank Tempel durch, für den 47,81 Prozent der Delegierten stimmten. Bundespolitisch ist Schindler bisher nicht in Erscheinung getreten.

Im ersten Wahlgang hatte keiner der beiden die erforderliche Mehrheit geholt. Die Linksparteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger, die in Leipzig wiedergewählt wurden, hatten Schindler für den Posten vorgeschlagen. Wenige Tage vor dem Parteitag hatte jedoch Tempel überraschend angekündigt, gegen Schindler anzutreten. Tempel wird dem Lager von Bundestagsfraktionschef Dietmar Bartsch zugerechnet, ordnet sich selbst aber keiner Strömung zu.

Zwischen der Parteispitze und der Fraktionsführung gibt es seit langem ein Zerwürfnis. Den Wahlen in Leipzig waren heftige parteiinterne Kämpfe vorausgegangen. Kipping und Riexinger hatten bei ihrer Wiederwahl einen Dämpfer bekommen, insbesondere Kipping. Dass sie ihren Wunschkandidaten für den Bundesgeschäftsführer-Posten nur mit großer Mühe und denkbar knappem Ergebnis durchsetzen konnten, ist ein weiteres Indiz für den Unmut in der Partei.

"Das gegenseitige Misstrauen schadet uns"

Tempel hatte ein Ende der internen Kämpfe gefordert und gemahnt: "Das gegenseitige Verletzen und Diffamieren (...), das gegenseitige Misstrauen schadet uns." Auch Schindler sagte, er wolle integrieren. "Ich möchte die Geschäfte der Partei in ihrer Vielfalt führen - und nicht die Geschäfte von Personen." Die beiden Vorsitzenden Kipping und Riexinger waren zuvor mit einem deutlichen Dämpfer in ihren Ämtern bestätigt worden. Kipping schaffte nur 64,5 Prozent, Riexinger 73,8 Prozent.

Schindler tritt die Nachfolge des kommissarischen Bundesgeschäftsführers Harald Wolf an. Er hatte das Amt im vergangenen Jahr übernommen, nachdem der langjährige Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn im Zuge des Führungsstreits bei den Linken zurückgetreten war. Wolf wurde in Leipzig zum neuen Bundesschatzmeister der Linken gewählt.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP