Politik

Exit-Strategie im "Frühstart" Linnemann will Vorschläge aus Wirtschaft

CDU-Wirtschaftsexperte Linnemann erwartet von der deutschen Wirtschaft Exit-Vorschläge für die Zeit nach Ostern. "Das sind doch Profis", sagt er, der Handel wisse selbst, wo er Desinfektionsmittel brauche, oder wie viele Menschen in einen Laden gehen könnten.

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef, Carsten Linnemann, fordert von der deutschen Wirtschaft, dass sie Vorschläge zu Exit-Strategien für die Zeit nach Ostern macht. "Beispielsweise der Handel oder die Gastronomie: Wie kann man auf längere Sicht den Handel wieder öffnen, die Gastronomie offen machen, aber gleichzeitig vernünftig, umsichtig, adäquat mit diesem Virus umgehen? Ich hab jetzt mal alle angeschrieben, die ich kenne, dass sie mal Vorschläge machen", sagte Linnemann, auch Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, im "ntv Frühstart".

Der Handel wisse doch selber, wo er Desinfektionsmittel brauche, ob er in jedem Laden einen Spender brauche, wie viele Personen in einen Laden gehen könnten. "Das sind doch Profis, die können doch mit uns ins Gespräch kommen", so Linnemann. "Denn wir können uns einen Zustand wie jetzt über zwei, drei, vier Monate nicht leisten, das weiß jeder."

Kritik an Linnemanns Vorstoß kommt aus der FDP. „Es ist ja nicht so, als ob der Handel gar nicht reagiert hat", sagte Reinhard Houben, wirtschaftspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion. "Ich denke da an die Lebensmittelgeschäfte, in denen es mittlerweile Abstandsmarkierungen oder Eingangskontrollen gibt. Bei Tankstellen gibt es zum Beispiel Plexiglas-Scheiben vor der Kasse, um die Mitarbeiter zu schützen." Er bezweifle, dass es nicht genug Ideen aus den Unternehmen gebe. "Aber die strikten Maßnahmen lassen derzeit vieles nicht zu."

"Ich glaube, dass wir uns jetzt strikt an die Vorgaben halten müssen, damit wir diesen Virus eindämmen. Gleichzeitig müssen wir uns jetzt Gedanken machen über eine Strategie: Wie gehen wir in der Zeit nach Ostern mit diesem Land um?", sagte der CDU-Fraktions-Vize. Er glaube, Deutschland brauche ein breites Monitoring und eine Ausweitung der Tests.

Wohlstandseinbußen - vom Fußballer bis zum Politiker

"Ich freue mich, dass die Firma Bosch jetzt einen Schnelltest hat, vieles mehr. Wenn wir es schaffen, diesen Virus dann so unter Kontrolle zu bekommen, dass wir regional schauen, wo es eine Ausbreitung gibt, wo wir nachbessern können, oder auch nach Personengruppen, dann können wir schrittweise die Wirtschaft wieder hochfahren. Ich glaube, das wäre ein gutes Signal.“

Deutschland werde Wohlstandseinbußen erleben, „da führt kein Weg dran vorbei, übrigens für alle. Das geht vom Fußballer über den Manager bis hin zum Politiker“, sagte Linnemann im „ntv Frühstart“. Auf der anderen Seite könne man sich Fehlinvestitionen in Zukunft nicht mehr erlauben oder jahrelang einen Flughafen zu bauen. „Wir Politiker werden unter Druck gestellt, uns wirklich prioritär nur mit den Sachen zu beschäftigen, die wirklich nötig sind. Das heißt auch, sozialpolitisch nicht mehr mit der Gießkanne unterwegs sein, sondern zielgerichtet den Menschen helfen, die es wirklich brauchen.“

Die Bundes- und Landeshilfen für die Wirtschaft versteht Linnemann als „lebendiges System“, in dem man „immer schnell nachsteuern“ müsse. „Wenn wir sehen: Es gibt Mitnahme-Effekte oder es gibt Fehlsteuerungen, dann müssen wir die abstellen und gleichzeitig auch nachbessern“, so der Wirtschaftspolitiker. „Beispielsweise im Tourismus müssen wir meines Erachtens dringend nachbessern, weil die zweifach, dreifach vernachlässig werden."

Quelle: ntv.de