Politik

Länger gelebt als prognostiziert Lockerbie-Attentäter stirbt

Zweieinhalb Jahre nach seiner umstrittenen Freilassung stirbt der mutmaßliche Lockerbie-Bomber. Er soll an dem Attentat auf eine US-Maschine im Jahr 1988 beteiligt gewesen sein, bei dem 270 Menschen starben. Die USA setzen darauf, weitere Täter bestrafen zu können.

2012-05-20T124008Z_01_SIN800_RTRMDNP_3_LIBYA-MEGRAHI.JPG1778825278080331864.jpg

Abdel Bassit al-Megrahi am 3. Oktober 2011.

(Foto: REUTERS)

Der wegen des Lockerbie-Anschlags verurteilte Libyer Abdel Bassit al-Megrahi ist tot. Der britische Premierminister David Cameron sagte laut BBC, es sei "ein Tag, an dem vor allem der 270 Opfer gedacht werden müsse". Cameron hatte die Freilassung Al-Megrahis stets als Fehler bezeichnet.

Der libysche Geheimdienstmitarbeiter war als einziger im Jahr 2001 für den Anschlag auf ein US-Flugzeug 1988 über dem schottischen Lockerbie verurteilt worden. Damals kamen 270 Menschen, unter ihnen viele US-Bürger, ums Leben. Al-Megrahi hatte in dem Indizienprozess eine Beteiligung an dem Anschlag stets bestritten.

Seine lebenslange Haftstrafe musste Al-Megrahi jedoch nicht vollständig verbüßen. Am 20. August 2009 wurde er - angeblich aufgrund seiner schweren Prostata-Krebserkrankung aus humanitären Gründen - freigelassen. Seine Ärzte hatten die Lebenserwartung mit drei Monaten angegeben. In seiner Heimat Libyen wurde er von einer jubelnden Menge wie ein Volksheld empfangen. Trotz der Prognose seiner Ärzte überlebte Al-Megrahi noch den Sturz des Regimes sowie den Tod des libyschen Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi im Oktober vergangenen Jahres.

USA fordern Gerechtigkeit für die Hinterbliebenen

Aus Sicht der USA ändert Al-Megrahis Tod nichts an der Suche nach Gerechtigkeit für die betroffenen Familien. "Wir wollen Gerechtigkeit für die Opfer des Lockerbie-Bombenangriffs und ihren Familien", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates im Weißen Haus, Tommy Vietor. Daran arbeite man zusammen mit den neuen Partnern in Libyen. Vietor kritisierte zugleich die Freilassung Al-Megrahis im Jahr 2009.

Al-Megrahi soll an diesem Montag in seiner Heimatstadt Tripolis beigesetzt werden. Beobachter in der libyschen Hauptstadt gehen davon aus, dass es eine schlichte Beerdigung im Kreise der Familie sein wird. Denn aus Sicht der Minister der neuen Regierung und des Übergangsrates ist Al-Megrahi ein Gaddafi-Mann. Und für Anhänger des alten Regimes, die seit dem Sturz von Gaddafi entweder das Land verlassen haben oder versuchen, sich unauffällig zu verhalten, wäre es womöglich gefährlich, bei der Trauerfeier gesehen zu werden.

"Schatten seiner selbst"

Bereits im August vergangenen Jahres hatte ein Reporter des US-Nachrichtensenders CNN den schwer Krebskranken als "Schatten seiner selbst" bezeichnet. Die Familie habe geklagt, dass sich in den Wirren des libyschen Bürgerkrieges von 2011 niemand außer der Familie mehr um Al-Megrahi gekümmert habe. Plünderer hätten außerdem Medikamente mitgenommen. Er falle immer wieder ins Koma, benötige Sauerstoff und hänge am Tropf, berichtete der Reporter.

Den Befehl zum Lockerbie-Anschlag soll Gaddafi nach Aussage seines früheren Justizministers Mohamed Abdul al-Jeleil persönlich 1988 gegeben haben. Gaddafi habe später alles in seiner Macht Stehende getan, um Al-Megrahi aus dem Gefängnis freizubekommen. Gaddafi hatte zwar eine Beteiligung seines Landes für den Anschlag von Lockerbie eingeräumt, aber nie eine persönliche Beteiligung zugegeben.

Die Freilassung Al-Megrahis im August 2009 hatte zu einer schweren Verstimmung zwischen den USA und Großbritannien geführt. Der Direktor der US-Bundespolizei FBI, Robert Mueller, sprach von einer Ermutigung für Terroristen in aller Welt und eine Verhöhnung aller Rechtsgrundsätze. Politiker in Großbritannien und den USA wollten wissen, ob Geschäftsinteressen im ölreichen Libyen eine Rolle gespielt hätten.

Bis zuletzt hatten Hinterbliebene der Lockerbie-Opfer in Großbritannien und den USA gefordert, dass Al-Megrahi erneut ausgeliefert werde. Der Nationale Übergangsrat in Libyen lehnte das jedoch ab.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts

Mehr zum Thema