Politik

Asta springt im Dreieck Lucke kehrt an Uni Hamburg zurück

Bernd Lucke, Wirtschaftswissenschaftler, spricht in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Foto: Kay Nietfeld/Archivbild

Bernd Lucke, Wirtschaftswissenschaftler, lehrt im Wintersemester wieder an der Uni Hamburg.

(Foto: Kay Nietfeld/dpa)

Wer heute an die AfD denkt, hat die Gaulands, Meuthens und Höckes vor Augen - Bernd Lucke dagegen ist fast vergessen. Doch er war das erste Gesicht der Partei, die ursprünglich vor allem gegen den Euro kämpfte. Jetzt ist er zurück an der Uni Hamburg. Und bekommt keinen herzlichen Empfang.

Seine Wiederwahl ins Europaparlament scheiterte, jetzt kehrt Bernd Lucke an die Uni Hamburg zurück. Der AfD-Gründer und Wirtschaftswissenschaftler werde zum Wintersemester wieder im Lehrbetrieb der Uni arbeiten, sagte eine Sprecherin. Der 56-Jährige selbst wollte sich nicht öffentlich äußern. Bei der Vertretung der Studierenden stößt die Rückkehr des Professors auf Kritik.

Lucke habe mit "seiner bürgerlichen Fassade den Weg der AfD zur menschenverachtenden und rassistischen Partei geebnet", sagte der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta), Karim Kuropka. "So ein Mensch gehört an keine Universität." Der Asta-Referent für Antidiskriminierung, Niklas Stephan, sagte: "Lucke hat mit der AfD ein Monster geschaffen und sich anschließend feige aus der Verantwortung gezogen. In einer Asta-Mitteilung heißt es, man möge Lucke "vielleicht sogar Glauben schenken, wenn dieser sagt, dass er selbst kein Rassist sei." Er habe sich in seiner Partei aber nicht ausreichend gegen solche Ressentiments eingesetzt.

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Mit der neuen Partei Alfa konnte Lucke nicht mehr Fuß fassen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Volkswirtschaftler und Euro-Kritiker war 2013 maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt und einer ihrer ersten Bundessprecher. 2014 hatte er sich von der Uni Hamburg beurlauben lassen, um als Berufspolitiker für die AfD ins Europaparlament zu wechseln. 2015 verließ er die Partei im Streit um eine stärker nationalkonservative Ausrichtung und prangerte in der Folgezeit fremdenfeindliche und rechtsextreme Tendenzen an.

Nur noch 0,1 Prozent der Stimmen

Seine Versuche, mit der von ihm gegründeten Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), die sich später in Liberal-Konservative Reformer (LKR) umbenannte, politisch Fuß zu fassen, scheiterten. Bei der Europawahl Ende Mai kam die LKR mit Spitzenkandidat Lucke nur auf 0,1 Prozent der Stimmen.

Die Universität enthielt sich einer Bewertung der Personalie Lucke. "Das Präsidium darf und möchte sich nicht zu seiner politischen Vergangenheit oder zu seinem Dienstverhältnis äußern", sagte die Sprecherin. Genau genommen habe Lucke seine Professur auch nie verlassen und kehre daher in diesem Sinne auch nicht zurück. "Er war lediglich beurlaubt, wozu die Universität verpflichtet ist." Sein Beamtenverhältnis ruhte, seit er 2014 Vollzeitpolitiker wurde.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa