Politik

"Ich will die volle Wahrheit" Lübcke-Witwe sagt aus - Angeklagter weint

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Irmgard Braun-Lübcke tritt in dem Verfahren gemeinsam mit ihren beiden Söhnen als Nebenklägerin auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mehr als ein Jahr ist seit dem Mord an Walter Lübcke vergangen. Doch dessen Familie wartet noch immer auf eine Antwort darauf, warum der CDU-Politiker sterben musste. Vor Gericht gibt Irmgard Braun-Lübcke dem Angeklagten deutlich zu verstehen, wie wichtig ihr eine Aufklärung der Geschehnisse ist.

Mit einem emotionalen Appell und unter Tränen hat die Witwe des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke den mutmaßlichen Täter aufgefordert, die noch verbleibenden Fragen der Hinterbliebenen zu beantworten. "Ich will die volle Wahrheit", betonte Irmgard Braun-Lübcke am Ende ihrer Zeugenaussage vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Dies könne der Familie vielleicht helfen, alles etwas besser zu verarbeiten. "Wir brauchen das, das ist ganz wichtig", sagte sie.

Der wegen des Mordes an dem CDU-Politiker angeklagte Stephan Ernst, der zunächst jeden Blickkontakt vermieden hatte, wischte sich wiederholt die Augen. "Es tut mir leid, es tut mir unendlich leid", sagte er mit brechender Stimme und sah der ehemaligen Lehrerin dabei ins Gesicht.

Der 47 Jahre alte Deutsche wird in dem Prozess beschuldigt, Lübcke aus rechtsextremistischen Motiven im Juni 2019 auf der Terrasse von dessen Wohnhaus erschossen zu haben. Außerdem ist sein ehemaliger Arbeitskollege Markus H. wegen Beihilfe angeklagt. Er soll Ernst politisch beeinflusst haben. Dass H., der im Oktober aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, sich in dem Verfahren "nicht mit einer Silbe äußert", sei sehr verletzend, sagte Braun-Lübcke.

Der Deutsche Markus H. wird nach Angaben aus Sicherheitskreisen als rechtsextremer Gefährder eingestuft. Das Gericht hatte die Aufhebung des Haftbefehls am 1. Oktober mit Zweifeln an der Aussage Ernsts begründet, der mehrere Tatversionen geschildert und dabei unterschiedliche Aussagen zur Rolle von H. gemacht hatte. Vor Gericht muss sich H. aber weiterhin verantworten.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa