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"Kein Anführer ist von Ewigkeit" Macron düpiert Trump bei Twitter

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Ein Bild aus harmonischeren Tagen: Emmanuel Macron und Donald Trump im April 2018 im Garten des Weißen Hauses.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Frankreichs Präsident Macron distanziert sich von dem politischen Kurs der USA. Trumps vermeintlich engster Verbündeter in Europa macht deutlich: Die G7 wären auch als G6 stark. Bundesaußenminister Maas spricht ebenfalls von neuen Bündnissen.

Kurz vor Beginn des G7-Gipfels führender Wirtschaftsmächte ist Frankreichs Präsident Emmanuel Macron offen auf Konfrontationskurs zu Donald Trump gegangen. "Dem amerikanischen Präsidenten mag es egal sein, wenn er isoliert ist - genauso wenig aber macht es uns etwas aus, eine Vereinbarung von sechs Ländern zu unterzeichnen, wenn die Notwendigkeit dazu besteht", schrieb Macron auf Twitter.

"Diese sechs Länder repräsentieren Werte und einen Markt mit dem Gewicht der Geschichte hinter sich, der nun eine wahre internationale Kraft ist", fuhr Macron in seiner Nachricht, die er auch auf Englisch veröffentlichte, fort.

In einem anderen Tweet schrieb Macron ebenfalls auf Englisch: "Kein Anführer ist von Ewigkeit." Er werde Hegemonie mit all seiner Kraft bekämpfen, sei diese doch lediglich das Überleben des Stärksten. "Hegemonie ist das Ende der Herrschaft des Rechts."

Der Gipfel der G7 beginnt an diesem Freitag in Kanada. Es droht ein Zerwürfnis. In vielen inhaltlichen Fragen stehen die USA unter Trump auf der einen Seite, auf der anderen stehen neben Kanada Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Italien und Japan. Es ist offen, ob es eine gemeinsame Abschlusserklärung der G7 geben wird.

"Trump kommt damit nicht klar"

Macron hatte sich inhaltlich bereits am Morgen ähnlich geäußert, aber nicht in so scharfer Wortwahl. Zudem war auffällig, dass der Franzose seine Botschaften so kurz vor Beginn des Treffens auf Twitter verstärkt hat, Trumps bevorzugtem Medium. Die beiden Präsidenten hatten sich in den vergangenen Monaten mit verschiedenen gegenseitigen Besuchen, inklusive First Ladies, Militärparade und State Dinner, auch persönlich angenähert.

Seit einem Telefonat Anfang Juni, welches ein Mitarbeiter des Weißen Hauses als "schrecklich" bezeichnete, war die Beziehung jedoch deutlich abgekühlt. Macron habe den US-Präsidenten bei den Themen Handel und Migration offen kritisiert. "Macron dachte, er könnte wegen ihrer Beziehung sagen, was er denkt. Aber Trump kommt nicht damit klar, so kritisiert zu werden.", offenbarte der Mitarbeiter.

Auch die neuerliche Kritik an seiner Politik schien dem US-Präsidenten nicht willkommen zu sein. Auf Twitter schrieb er: "Bitte sagt Premierminister (Justin) Trudeau und Präsident (Emmanuel) Macron, dass sie die Vereinigten Staaten mit massiven Zöllen und anderen (...) Handelshemmnissen belegen". Der EU-Handelsüberschuss mit den USA betrage 151 Milliarden Dollar, "und Kanada schließt unsere Bauern und andere aus". Ironisch fügte Trump hinzu, er freue sich darauf, sie heute in La Malbaie zu sehen. Später drohte er: "Nehmt eure Zölle und Beschränkungen zurück oder wir werden mehr als mit euch gleichziehen!"

Der Zollstreit dürfte der Hauptstreitpunkt bei dem Treffen der Staatenlenker aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Japan und den USA in La Malbaie sein. Weitere Streitthemen sind der von Trump beschlossene US-Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran und der angekündigte US-Rückzug aus dem Pariser Klimaschutzabkommen.

Unmittelbare Nachteile in Europa

SPD-Bundesaußenminister Maas sagte der "Süddeutschen Zeitung", Trumps Nein zum Klimavertrag, die Kündigung des Iran-Abkommens und die Zoll-Angriffe seien allesamt einseitige Entscheidungen zum Schaden Europas. Trump nehme "bewusst in Kauf, dass die Nachteile sich unmittelbar in Europa" auswirkten. Die Differenzen mit den USA "können wir nicht mehr unter den Teppich kehren", sagte er.

"Wir erleben eine sehr weitreichende Veränderung", betonte Maas. Trump wende sich ab von der multilateralen Ordnung und handele nur noch einseitig nach US-Interessen. Der US-Präsident verfolge eine Linie, bei der ein Land über das andere gestellt werde. "Nichts davon wird die Welt besser, sicherer oder friedlicher machen", warnte der Außenminister. Maas sprach sich dafür aus, sich in großem Umfang um neue Bündnisse zu bemühen.

Vor dem Hintergrund des Handelsstreits versammelten sich am Donnerstagabend rund 500 Globalisierungsgegner in Québec, der Hauptstadt der gleichnamigen kanadischen Provinz, die rund zweieinhalb Stunden vom Gipfelort entfernt liegt. Einige Demonstranten verbrannten G7-Flaggen und griffen Journalisten in der Nähe des Medienzentrums an.

Quelle: n-tv.de, lou/lri//dpa/AFP

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