Politik

"Merkel nicht auf dieser Linie" Macron geht auf Distanz zu AKKs Ansichten

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Europafreund Emmanuel Macron will die EU von den USA unabhängiger machen.

(Foto: imago images/Xinhua)

Ungewöhnlich offen kritisiert Frankreichs Präsident Macron die europapolitischen Ansichten der deutschen Verteidigungsministerin. Kramp-Karrenbauer begehe eine "Fehlinterpretation", wenn sie Europas Sicherheit von der Schutzmacht USA abhängig mache. Die Kanzlerin sehe das zum Glück anders.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron hat Äußerungen von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisiert, wonach sie die Idee einer strategischen Eigenständigkeit Europas skeptisch beurteilt. "Ich halte das für eine Fehlinterpretation der Geschichte", sagte der 42-Jährige in ungewöhnlicher Offenheit in Interview mit der Pariser Zeitschrift "Grand Continent". Er fügte mit Blick auf Angela Merkel hinzu: "Zum Glück verfolgt die deutsche Kanzlerin nicht diese Linie, wenn ich es richtig verstanden habe."

Kramp-Karrenbauer hatte unmittelbar vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November beim Internetportal "Politico" einen Gastbeitrag mit dem Titel "Europe still needs America" - zu Deutsch: "Europa braucht Amerika immer noch" - veröffentlicht. Die CDU-Politikerin schrieb dort, die "Illusionen einer europäischen strategischen Autonomie" müsse enden. "Die Europäer können die entscheidende Rolle der USA als Garant für Sicherheit nicht ersetzen."

Macron widersprach dieser Einschätzung. Die Vereinigten Staaten würden die Europäer "nur dann als Verbündete akzeptieren, wenn wir uns selbst ernst nehmen und wenn wir bei unserer eigenen Verteidigung souverän sind", sagte er. Der erklärte Europafreund Macron fordert seit Langem eine "europäische Armee".

Macron nennt AKK nicht namentlich

Im Interview sprach er lediglich von der "deutschen Verteidigungsministerin" und nannte Kramp-Karrenbauer nicht beim Namen. Der Präsident ging auch nicht im Detail auf ihre Äußerungen in dem Gastbeitrag ein. Aus seinem Umfeld wurde auf Anfrage aber bestätigt, dass sich seine Kritik explizit auf den "Politico"-Beitrag vom Monatsbeginn bezieht.

Am heutigen Montag traf zudem US-Außenminister Mike Pompeo in Paris ein, wo er sich mit Macron treffen will. Das Treffen erfolge auf Wunsch Pompeos und "in völliger Transparenz mit dem Team des gewählten US-Präsidenten Joe Biden", betonte Macrons Büro. Pompeo weigert sich wie auch Trump noch immer, die Wahlniederlage zu akzeptieren.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP

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