Politik

Mehr Geheimdienstinfos aus ParisMacron spricht, als ginge die Zeit der USA in der Ukraine zu Ende

16.01.2026, 12:10 Uhr
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Emmanuel Macron auf dem Militärflugplatz Istres. (Foto: AP)

Vor französischen Soldaten macht Frankreichs Präsident Macron deutlich, dass die USA bei der Hilfe für die Ukraine weiter in den Hintergrund treten. Gleichzeitig beschwört er die eigene Stärke, räumt aber auch Schwächen ein. Europa müsse weiter aufrüsten und unabhängiger werden.

Der französische Staatschef Emmanuel Macron hat in einer Rede vor Soldaten mitgeteilt, dass Paris mittlerweile rund zwei Drittel der Geheimdienstinformationen für die Ukraine stellt. Früher sei Kiew hingegen noch überwiegend von den USA abhängig gewesen, so Macron. Im letzten Jahr waren diese Informationen vor allem ein Thema, als US-Präsident Donald Trump die Bereitstellung für kurze Zeit gestoppt hatte, um den ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj unter Druck zu setzen.

Macron betonte weiterhin, dass Europäer und auch Japan, Kanada, Island und Neuseeland innerhalb der Koalition der Willigen mittlerweile "die gesamte Unterstützung für die Ukraine" aufbringen würden. "100 Prozent dessen, was für die Ukraine in ihrem Verteidigungskampf finanziert wird, wird von der Koalition der Willigen getragen", sagte Macron. Hintergrund dürfte sein, dass die US-Regierung direkte Waffenlieferungen an die Ukraine eingestellt hat. Verkäufe an Staaten, die die Waffen dann an Kiew geben, gibt es aber noch.

Der Staatschef lobte zudem eine Waffe, die er bereits seit längerer Zeit zur US-Konkurrenz in Stellung bringt: das französische-italienische SAMP/T NG. Das neue Flugabwehrsystem sei "weltweit führend" und effektiver als Patriot-Systeme der USA. Zwei Exemplare der Vorversion befinden sich in der Ukraine und sind dort die einzige Alternative neben Patriot zur Bekämpfung von ballistischen Raketen. SAMP/T NG soll ab diesem Jahr an die französischen und italienischen Streitkräfte ausgeliefert werden. Kiew erhält acht Exemplare, wann genau, ist unklar.

Warnung vor russischer Oreschnik-Rakete

Macron sprach sich in seiner Rede für mehr Unabhängigkeit Europas aus, wo viele Staaten vor allem auf Waffen aus den USA setzen. "Wir müssen unsere Produktionskapazität und unsere Einsatzfähigkeit steigern sowie unsere strategische Autonomie und die Fähigkeit der Europäer stärken, eigene Lösungen anzubieten", sagte er.

Zudem räumte der französische Präsident ein, dass die Streitkräfte im Bereich Drohnen "hinterherhinken" - und er warnte vor russischen Angriffen mit der Mittelstreckenrakete Oreschnik. Diese wurde kürzlich zum zweiten Mal auf die Ukraine abgefeuert, laut Experten allerdings mit leeren Sprengköpfen. Ukrainischen Angaben zufolge hatte die Rakete bei dem Angriff eine Geschwindigkeit von 13.000 Kilometern pro Stunde erreicht. Sie soll sowohl mit konventionellen als auch atomaren Sprengköpfen bestückt werden können.

Macron sagte: "Dieser Abschuss ist ein sehr klares Signal einer Macht, die bereits über solche Fähigkeiten verfügt, sich aber entschlossen hat, weiter aufzurüsten. Die Botschaft ist eindeutig. Und all jenen, die glauben, Russland sei für uns kein Thema, sei Folgendes unmissverständlich klargemacht: Wir befinden uns in Reichweite dieser Angriffe." Europa müsse deswegen über bestimmte Technologien verfügen, die "kurzfristig spielentscheidend" sein werden, so Macron.

Quelle: ntv.de, rog

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