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Studienzentrum in Bayern Mali-Putschist in Deutschland ausgebildet

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Colonel Assimi Goita genoss nach eigenen Angaben eine Offiziersausbildung in Deutschland.

(Foto: REUTERS)

Vor wenigen Tagen übernehmen Militärs die Macht in Mali. Während viele Bürger die Junta unterstützen, erkennt die EU die Putschisten-Regierung nicht an. Wie nun bekannt wird, gibt es allerdings durchaus eine Verbindung zwischen den Anführern des Umsturzes und Europa, genauer gesagt: Deutschland.

Die Frage steht bedrohlich im Raum: Hat die EU die Militärputschisten im westafrikanischen Mali selbst ausgebildet und Milliarden-Investitionen in den Aufbau einer stabilen Regierung in dem westafrikanischen Land damit über den Haufen geworfen? Denn die Entmachtung des malischen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta in der vergangenen Woche hat die Sicherheitslage in der gesamten Sahelregion aus den Angeln gehoben.

"Nein", sagt der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell überzeugt. Man habe das gecheckt. "Wir bilden keine Soldaten zu Putschisten aus. Keiner der vier prominenten Anführer der militärischen Bewegung gegen Präsident Keïta wurde von unserer Mission ausgebildet. Sie wurden in Russland und den USA trainiert."

Laut Informationen von ntv.de besteht aber durchaus eine Verbindung nach Europa. Ausgerechnet der Junta-Anführer, Colonel Assimi Goita, genoss neben einer Ausbildung in Florida auch Unterstützung in Deutschland - und zwar am George Marshall Center für Sicherheitsstudien in Garmisch-Partenkirchen. Schwerpunkt: Sondereinsätze im Anti-Terrorismus. Der Auftrag des deutsch-amerikanischen Studienzentrums auf Universitätsniveau ist nach eigenen Angaben, "regionale und transnationale Sicherheitsherausforderungen durch den Aufbau von Kapazitäten, Zugangsmöglichkeiten und globalen Experten-Netzwerken zu überwinden".

Es ist nicht die einzige Verbindung Goitas nach Deutschland. 2008 absolvierte er hier laut eigenen Angaben eine Offiziersausbildung. Auch die malische Militärschule Koulikoro hat er besucht. In dem Camp der EU-Trainingsmission Mali bilden Bundeswehrsoldaten malische Militärs aus - auch Offiziere.

Breite Unterstützung in Bevölkerung für Militärjunta

Goita ist nun Präsident des regierenden "Nationalkomitees zur Rettung des Volkes" in Mali. Der Sohn eines Offiziers und längst selbst hochdekorierter Kommandant einer Eliteeinheit kämpfte 2010 an der Grenze zu Algerien gegen islamistische Terroristen. Dann folgten Einsätze in Gao und Timbuktu, nachdem der Norden Malis 2012 nach einem Militärputsch vorübergehend in die Hände islamistischer und anderer Rebellengruppen geraten war. Frankreich kam damals zur Hilfe. Ein teurer, blutiger Krieg.

Die Stabilität Malis und der gesamten Sahelzone ist für Europa von großer Bedeutung. Hier sollen Migrantenströme aufgehalten und Fluchtursachen bekämpft werden. Doch die Milliarden-Investitionen in Verbesserungen der Sicherheitslage in Mali und dem Niger tragen schon seit Jahren keine nennbaren Früchte mehr. Die scheinbar unaufhaltsamen Angriffe islamistischer Terroristen und die damit verbundene Unsicherheit in der Region sind ein Grund für die Unzufriedenheit der malischen Bevölkerung mit der nun gestürzten Regierung von Präsident Keïta.

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Das von Goita geführte Nationalkomitee genießt breite Unterstützung in der malischen Bevölkerung. Die EU erkennt die Übergangsregierung allerdings nicht an. Doch Goita weiß, wie strategisch wichtig sein Land den Europäern ist und wie sie "ticken". Er hat in Europa gelernt und ist selbstbewusst. Als er diese Woche als Verhandlungsführer mit Vertretern des in der Krise vermittelnden westafrikanische Staatenverbunds Ecowas an einem Tisch saß, verkündete er, die Militärs planten drei Jahre an der Macht zu bleiben bevor Wahlen stattfinden. Und niemand konnte ihn davon abbringen.

Die 2013 gestartete militärische EU-Ausbildungsmission in Mali (EUTM Mali) liegt derweil wegen des Putsches vorerst auf Eis. Sie soll aber in Zukunft fortgesetzt werden, verkündete der EU-Außenbeauftragte Borrell.

Quelle: ntv.de