Politik

Langjähriger Ministerpräsident Manfred Stolpe ist tot

imago65909018h.jpg

Manfred Stolpe war der erste Regierungschef in Brandenburg nach der Wende.

(Foto: imago/epd)

Mehr als ein Jahrzehnt lenkt Manfred Stolpe die Geschicke Brandenburgs. Sein Nachfolger würdigt ihn als Glücksfall für das ostdeutsche Bundesland. Nach langer schwerer Krankheit ist Stolpe nun gestorben.

Der ehemalige Ministerpräsident von Brandenburg, Manfred Stolpe, ist tot. Er starb im Alter von 83 Jahren, wie die Staatskanzlei in Potsdam mitteilte. Er erlag in der Nacht zu Sonntag im Kreise seiner Familie einer schweren Krankheit. Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke würdigte Stolpe als "großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst. Er sei im besten Sinne des Wortes Landesvater und Mutmacher in einem gewesen".

Der SPD-Politiker regierte Brandenburg von 1990 bis 2002. Im Anschluss wechselte er ins Kabinett des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder und verantwortete bis 2005 das Verkehrsressort.

"Manfred Stolpe war der Vater des modernen Brandenburgs", sagte Woidke weiter und erinnerte an dessen "unnachahmliche Art, widerstreitende Menschen einander anzunähern". Er sei "ein Sachwalter ostdeutscher Interessen" gewesen und habe den Brandenburgern im schwierigen Umbruch Orientierung und Zuversicht gegeben. "Manfred Stolpe war ein großer Glücksfall für unser Land." Brandenburg habe ihm "unendlich viel zu verdanken - er wird uns unvergessen bleiben".

"Vordenker einer Kirchenpolitik"

Stolpe wurde 1936 bei Stettin geboren und studierte nach dem Abitur in Greifswald ab 1955 an der Uni Jena Rechtswissenschaften. Danach zog es ihn in den Kirchendienst. In der DDR galt er als Vordenker einer Kirchenpolitik, die sich als "Kirche im Sozialismus" verstand. In den 1980er-Jahren war er als Konsistorialpräsident der Ostregion der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg auch im Westen bekannt.

1990 wurde Stolpe SPD-Mitglied, trat als Spitzenkandidat an und wurde im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum ersten Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Einen Namen machte sich Stolpe dabei als Vertreter der Interessen Ostdeutschlands. Er forderte staatliche Programme zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Kurskorrektur bei der Treuhandanstalt, die Volkseigene Betriebe fit machen und privatisieren sollte.

Schröders "Gesicht des Ostens"

Seine Vergangenheit wurde immer wieder kritisch thematisiert. Stolpe hatte als Kirchenfunktionär Kontakte mit der Stasi, die Behörde führte ihn gar als Inoffiziellen Mitarbeiter. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er-Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein "Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen". 2005 - Stolpe sprach von später Genugtuung - entschied das Bundesverfassungsgericht zudem, dass Stolpe nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.

In den 1990er-Jahren war Stolpe in Brandenburg sehr beliebt - doch Vorzeigeprojekte wie der Lausitzring, der Cargolifter oder die Chipfabrik in Frankfurt/Oder scheiterten oder liefen nicht wie erhofft. Überraschend erklärte Stolpe 2002, als Regierungschef zurücktreten zu wollen, um einen Generationenwechsel zu ermöglichen. Ähnlich überraschend wurde Stolpe wenige Monate später im zweiten Kabinett von SPD-Kanzler Gerhard Schröder als "Gesicht des Ostens" Verkehrsminister.

Nach der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 trat Stolpe dann von der politischen Bühne ab. Im Hintergrund kümmerte sich der Ruheständler verstärkt um den Erhalt historischer Baukultur. Trotz einer Krebserkrankung nahm Stolpe zunächst noch viele Termine wahr und meldete sich auch immer wieder zu Wort.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa