Politik

Hoffnungsträger in Ungarn Marki-Zay sagt Orban den Kampf an

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"Wir wollen ein neues, saubereres, ehrliches Ungarn", sagte Marki-Zay nach Bekanntgabe seines Wahlsieges.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Bei der Vorwahl der Opposition gilt er noch als Außenseiter. Nun soll Peter Marki-Zay bei der Parlamentswahl im April 2022 gegen Ungarns Regierungschef Viktor Orban antreten. Bei einem Wahlsieg will er umstrittene Gesetze rückgängig machen.

Peter Marki-Zay hat schon einmal bewiesen, dass er die Fidesz-Partei von Ungarns Regierungschef Viktor Orban besiegen kann. 2018 gewann der konservative Politiker die Bürgermeister-Nachwahl in der südungarischen Kleinstadt Hodmezovasarhely, die seit Jahrzehnten als Hochburg der Regierungspartei galt. Nun steht der 49-Jährige vor der Herausforderung, seinen Erfolg auf nationaler Ebene zu wiederholen: Am Sonntag wurde Marki-Zay zum gemeinsamen Spitzenkandidaten der Opposition für die Parlamentswahl im April gekürt.

Der Ökonom und Ingenieur hatte 2018 landesweite Aufmerksamkeit erregt, als er sich bei der Bürgermeisterwahl in seiner Heimatstadt Hodmezovasarhely überraschend gegen den Fidesz-Kandidaten durchsetzte. Auch bei der Vorwahl der Opposition galt er zunächst als Außenseiter. In ersten Wahlrunde landete Marki-Zay noch hinter dem Budapester Bürgermeister Gergely Karacsony nur auf dem dritten Platz. Er konnte Karacsony jedoch dann überzeugen, sich aus dem Rennen zurückzuziehen.

In der zweiten Runde der Vorwahl traf Marki-Zay dann auf die Europapolitikerin Klara Dobrev von Ungarns größter Oppositionspartei Demokratische Koalition (DK), die als Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments seit 2019 internationale Erfahrung sammeln konnte. Und auch in diesem Duell setzte sich der Bürgermeister aus der Provinz durch und landete mit 57 Prozent der Stimmen deutlich vor Dobrev.

"Wir wollen ein neues, saubereres, ehrliches Ungarn"

Nach seinem Sieg bei der Vorwahl richtete Marki-Zay eine Kampfansage an Orbans Regierung. "Wir wollen ein neues, saubereres, ehrliches Ungarn", sagte Marki-Zay nach Bekanntgabe seines Wahlsieges am Sonntagabend. Es gehe darum, "das korrupteste System" in der Geschichte Ungarns zu beseitigen.

Marki-Zay ist Vater von sieben Kindern. Der praktizierende Katholik vertritt konservative Positionen. Er lebte fünf Jahre lang in den USA und in Kanada. Im Gegensatz zu Dobrev spricht er in dem breiten Oppositionsbündnis sowohl linke als auch konservative Wähler an, die von Orbans Politik enttäuscht sind.

Marki-Zay kann die Ernüchterung vieler ehemaliger Fidesz-Anhänger aus eigener Erfahrung nachvollziehen, da er die Partei früher selbst wählte. Er sei "am Boden zerstört" gewesen, als Orban 2002 nach seiner ersten Amtszeit als Ministerpräsident nicht wiedergewählt wurde, erzählte Marki-Zay. Als Orban 2010 jedoch an die Macht zurückkehrte, habe er sich von dessen Politik nicht mehr vertreten gefühlt.

Seit Sonntag ist der Kleinstadt-Bürgermeister nun Hoffnungsträger all jener Ungarn, die sich nach mehr als einem Jahrzehnt unter dem Rechtspopulisten Orban eine neue Regierung wünschen. Wie die "Welt" berichtet, will Marki-Zay unter anderem umstrittene Gesetze von Orban rückgängig machen und den Euro in Ungarn einführen.

Quelle: ntv.de, can/AFP

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