Politik

Nazi-Kriegsverbrecher ist dement Massaker von Sant' Anna bleibt ungesühnt

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An der Gedenkstätte für die Nazi-Opfer in Sant' Anna di Stazzema

(Foto: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

70 Jahre nach einem der schwersten Nazi-Massaker in Italien wird in Hamburg ein Verfahren gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher eingestellt. Der Mann ist dauerhaft verhandlungsunfähig. Es hätte ein spektakulärer Prozess werden sollen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher eingestellt. Der Mann soll 1944 an einem Massaker in der Toskana beteiligt gewesen sein.

Der Beschuldigte sei demenzkrank und dauerhaft verhandlungsunfähig, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der heute 93-Jährige soll am 12. August 1944 als Kompaniechef an der Tötung von mehreren Hundert Zivilisten in der italienischen Ortschaft Sant' Anna di Stazzema in der Provinz Lucca beteiligt gewesen sein.

Die Auswertung des Aktenmaterials habe zu dem Ergebnis geführt, dass der Beschuldigte - wäre er verhandlungsfähig gewesen - mit hoher Wahrscheinlichkeit "wegen grausamen und aus niedrigen Beweggründen begangenen Mordes in 342 Fällen anzuklagen wäre", hieß es in der Erklärung der Staatsanwaltschaft. Italienische Kommentatoren hatten bereits von einem "eher symbolischen als streng juristischen Prozess" gesprochen.

Versöhnung gestalten

Als erster Bundespräsident hatte Joachim Gauck im März 2013 gemeinsam mit dem italienischen Staatschef Giorgio Napolitano an das Massaker erinnert. Versöhnung sei ein Geschenk, sagte Gauck damals. Es sei wichtig, dass die Fakten genannt würden und dass man danach Versöhnung gestalten könne.

Am 12. August 1944 hatten rund 400 Angehörige der 16. SS-Panzergrenadier-Division auf dem Rückzug das Partisanendorf Sant' Anna di Stazzema in der Toskana umstellt. Die Bewohner gingen davon aus, dass eine Polizeiaktion auf der Suche nach Männern im wehrfähigen Alter bevorstand. Die meisten Männer flüchteten daher in die Wälder. Zurück blieben zumeist Frauen, Kinder und Alte.

Die Angehörigen der SS richteten ein Blutbad an. Etwa 560 Zivilisten wurden getötet. Sie wurden mit Maschinenpistolen erschossen, oder mit Handgranaten, Flammenwerfern und Stichwaffen ermordet. Unter den Toten waren viele Frauen und mehr als 100 Kinder. "Es wurde überall getötet, in den Häusern, in den Ställen, auch auf dem Kirchplatz", berichtete ein Augenzeuge. Später übergossen die Soldaten die Leichen mit Benzin und verbrannten sie.

Quelle: ntv.de, ppo/dpa