Politik

Trumps Verteidigungsminister Mattis - ein harter Hund fürs Pentagon

ec3c7dff5979a222ee1037d48269db73.jpg

James Mattis ist seit drei Jahren im Ruhestand.

(Foto: imago/Xinhua)

James Mattis ist ein Mann nach Donald Trumps Geschmack: Der Ex-General, der den Spitznamen "tollwütiger Hund" trägt, fordert eine stärkerer Rolle der USA in der Welt. Doch Mattis könnte für Trump auch unbequem werden.

Donald Trump hat sich verplappert. Bei einem Auftritt in Cincinatti gab er bekannt, womit viele schon rechneten: Bei der Suche nach einem neuen Verteidigungsminister sei die Wahl auf den pensionierten General James Mattis gefallen. "Okay, nun habe ich ein kleines Geheimnis verraten", sagte der künftige US-Präsident. "Meine Leute da drüben werden jetzt wahrscheinlich sagen: 'Das hätten Sie nicht tun sollen, Herr Trump.'" Und er fährt fort, Mattis in den höchsten Tönen zu loben. Er setzt ihn in eine Linie mit General George Patton. Weltkriegsgeneral Patton hatte die 3. US-Armee bei der Landung in der Normandie kommandiert. Seine Einheiten befreiten das KZ Buchenwald. Heute ist Patton in den USA ein Kriegsheld.

Auf Trumps neuen Patton, den designierten Verteidigungsminister Mattis, trifft das allerdings nur bedingt zu. Auch Mattis hat zwar eine militärische Ausnahmekarriere hinter sich: 2001 führte er nach den Terroranschlägen vom 11. September die ersten Einheiten in den Afghanistan-Krieg. 2003 war seine Marine-Division an der Eroberung Bagdads beteiligt. Ein Jahr später führte er die US-Armee in der Schlacht um Falludscha. Er blieb noch Jahre in der Region, diente im Irak und in Afghanistan. Doch Mattis' Ruf ist ein anderer als der Pattons.

Sie nennen ihn "Mad Dog". Und wie ein "tollwütiger Hund" führte er sich auch immer wieder auf – zumindest verbal. Über seinen Einsatz in Afghanistan sagte er 2005: "In Afghanistan gibt es Leute, die seit fünf Jahren Frauen schlagen, weil sie keine Schleier tragen. Es macht einen Höllenspaß auf sie zu schießen." Seinen Soldaten im Irak riet er: "Seid höflich, seid professionell, aber habt einen Plan dafür, jeden zu töten, dem ihr begegnet."

Mattis: Obamas Iran-Politik ist "Sauerei"

Donald Trump dürften solche Sprüche gefallen: "Ein wahrer Generals-General", schwärmte er über seine Auswahl. Mattis hat sich dem Krieg und dem Militär voll und ganz verschrieben. Er ist Zeit seines Lebens Junggeselle geblieben. Einen Fernseher besitzt er nicht, dafür aber eine große Bibliothek militärhistorischer Bücher.

2013 trat Mattis in den Ruhestand. Nach der 44 Jahre langen Karriere des damals 63-jährigen Mattis glaubten viele, dass der Schritt nicht ganz freiwillig kam. Mattis, und auch damit ist er ein Mann ganz nach Trumps Geschmack, lag mit der Obama-Administration über Kreuz. Der scheidende US-Präsident hatte ihn 2010 zum Oberbefehlshaber des US-Zentralkommandos gemacht. Damit war Mattis für die Militäreinsätze im gesamten Nahen und Mittleren Osten zuständig.

Mattis haderte mit Obamas Politik in der Region, dem langsamen militärischen Rückzug und der Annäherung zu Iran. Letzteres nannte er eine "Sauerei". In seinen Augen ist Teheran der größte Störfaktor für den Frieden in der Region. Dass Obama den Atom-Deal einging, konnte er nur schwer verstehen. Sein Argument: Das Land werde damit nicht daran gehindert, an Atomwaffen zu kommen. Der Prozess werde damit lediglich verlangsamt. Mattis wünscht sich zudem wieder eine starke Rolle der USA im Nahen Osten. Die in seinen Augen lasche Haltung Obamas habe den Extremismus gefördert.

Mattis braucht Sondergenehmigung

Und doch ist Mattis eine Wahl, die manche Trump-Gegner geradezu erleichtert. Denn der Ex-General dürfte auch gegenüber dem außen- und sicherheitspolitisch unerfahrenen Präsidenten in spe kein Blatt vor den Mund nehmen. Mattis vertritt in mehreren Fragen eine andere Haltung als Trump – sofern man bei den oft erratischen Aussagen des Milliardärs in der Außenpolitik überhaupt von Haltung sprechen kann. So teilt Mattis trotz seiner Iran-kritischen Haltung nicht Trumps Vorhaben, den Atomdeal aufzukündigen. Er will vielmehr die Bedingungen des Pakts nachverhandeln und verschärfen. Auch Trumps Russland-freundlichen Kurs dürfte Mattis nicht ohne Widerspruch mitgehen. Für ihn ist Moskaus offensives Auftreten in Syrien, der Ukraine und im Baltikum Anlass zur Sorge.

Am kommenden Montag will Trump Mattis offiziell vorstellen. Bis dahin dürfte er hinter den Kulissen für den Ex-General werben. Durch die überraschende Bekanntgabe durch Trump in Cincinnati bleiben nur wenige Tage, um den Kongress von der Auswahl zu überzeugen. Weil Mattis erst vor drei Jahren aus dem Militärdienst getreten ist, braucht er eine Sondergenehmigung. Eigentlich gilt in den USA eine Karenz von sieben Jahren. Eine solche Genehmigung erteilte der Kongress bisher erst ein einziges Mal: im Falle des Generals und späteren Außenminister George Marshall im Jahr 1950 – schon wieder so ein großer Name.

Quelle: n-tv.de, mit AFP

Mehr zum Thema