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Historischer Moment: Mazedoniens Außenminister Nikola Dimitrov (l.) und sein griechischer Amtskollege Nikos Kotzias unterzeichnen vor den Augen ihrer Regierungschefs das Namensabkommen.
Historischer Moment: Mazedoniens Außenminister Nikola Dimitrov (l.) und sein griechischer Amtskollege Nikos Kotzias unterzeichnen vor den Augen ihrer Regierungschefs das Namensabkommen.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 17. Juni 2018

Streit mit Griechenland vorbei: Mazedonien verordnet sich neuen Namen

Mazedonien grenzt im Süden an die griechische Region gleichen Namens. Doch Athen spricht dem Land das historische Recht darauf ab. Nach mehr als 25 Jahren Streit steht nun eine Einigung, die Mazedonien den Weg in Nato und EU ebnen könnte.

In einer historischen Zeremonie haben die Außenminister von Griechenland und Mazedonien ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet, das den seit 27 Jahren währenden Streit um den Staatsnamen Mazedonien beenden soll. Das im grenznahen Ort Psarades unterzeichnete Dokument sieht vor, dass Mazedonien künftig den offiziellen Namen "Republik Nord-Mazedonien" trägt. Es muss noch von den Parlamenten beider Staaten und in einem Referendum in Mazedonien gebilligt werden.

Nach der Unterzeichnung des Dokuments durch den griechischen Außenminister Nikos Kotzias und seinen mazedonischen Kollegen Nikola Dimitrov sprach der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras von einem "mutigen, historischen und nötigen Schritt für unsere Völker". Das Abkommen "eröffnet einen Weg für Frieden, Brüderlichkeit und Wachstum für unsere Länder, den Balkan und Europa". Mazedoniens Ministerpräsident Zoran Zaev sagte: "Unsere Völker wollen Frieden. Wir werden Partner und Verbündete sein." Beide Länder "treten aus der Vergangenheit heraus und blicken in die Zukunft".

Zaev und mehrere seiner Minister kamen im Schnellboot in den Fischerort Psarades, wo die beiden Regierungschefs von zahlreichen Amts- und Würdenträgern mit anhaltendem Beifall begrüßt wurden. Unter den Ehrengästen waren Vize-UN-Generalsekretärin Rosemary DiCarlo, UN-Vermittler Matthew Nimetz und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sowie EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn.

Vorbehalte in beiden Ländern

Mogherini sprach von einem "wahrhaft historischen Tag", der andere Regionen in Europa veranlassen könne, ähnlich "mutige Schritte" zu unternehmen. Nimetz vermittelte seit 1994 in dem Konflikt. Aber erst die Wahl von Zaev im vergangenen Jahr, die zur Ablösung des nationalistischen Regierungschefs Nikola Gruevski führte, brachte den Durchbruch. Nach der Zeremonie fuhr Tsipras über den See Prespa auf die mazedonische Seite zum Mittagessen. Es war der erste Besuch eines griechischen Regierungschefs im Nachbarstaat.

Ob das Abkommen die parlamentarischen Hürden und das Referendum übersteht, ist freilich noch offen. In beiden Ländern stößt die Vereinbarung auf erhebliche Vorbehalte. Die konservative Opposition in Griechenland lehnt sie ab. Ein von ihr eingebrachter Misstrauensantrag gegen Tsipras wurde allerdings am Samstag mit klarer Mehrheit im Parlament zurückgewiesen. Auch Mazedoniens Opposition und der von ihr gestellte Präsident Gjorge Ivanov sind gegen das Abkommen, das Zaev mit Tsipras ausgehandelt hatte.

Die Zeremonie in Psarades wurde von Protesten begleitet. In dem nahegelegenen Dorf Pisoderi wurden bei Zusammenstößen sechs Polizisten und sechs Demonstranten verletzt. In Psarades ließen Priester zum Zeichen des Protests die Glocken läuten. In Bitola im Südwesten Mazedoniens demonstrierten rund 5000 Menschen gegen das Abkommen.

Der Streit um den Namen Mazedonien hatte die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn seit langem belastet. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als sich die bisherige jugoslawische Teilrepublik für unabhängig erklärte und sich den Namen Mazedonien gab. Aus Athener Sicht ist der Name Mazedonien aber Teil des griechischen Nationalerbes. Viele Griechen befürchten, der Nachbar könnte mit der Landesbezeichnung Mazedonien Ansprüche auf die gleichnamige nordgriechische Provinz erheben. Das nun beschlossene Abkommen sieht aber vor, dass Mazedonien jegliche Ansprüche auf die gleichnamige griechische Provinz abtritt. Die Vorbehalte Griechenlands standen bislang einer weiteren Annäherung Mazedoniens an EU und Nato im Wege.

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Quelle: n-tv.de