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Chancen auch ohne Abitur Medizinstudium-Zulassung wird neu geregelt

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Rund 11.000 der bis zu 50.000 Bewerber werden derzeit zugelassen.

dpa

Jahrelange Wartezeiten und Chancen fast nur für Einser-Abiturienten: So sieht der Zugang zum Medizinstudium bislang aus. Das wollen die Länder nun mit einer Reform ändern. Zwar werden noch mehr Plätze nach Abischnitt vergeben - doch es geht auch anders.

Nicht nur Abiturienten mit Spitzennoten sollen künftig in Deutschland Medizin studieren können. Das sieht der Entwurf für einen Staatsvertrag vor, auf den sich die Wissenschaftsminister der Länder in der Kultusministerkonferenz (KMK) geeinigt haben, wie diese nach einer Sitzung in Berlin mitteilte. Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass die Länder auch beruflich Qualifizierten ohne Abitur den Weg zum Medizinstudium ebnen können. Das könnten zum Beispiel Rettungssanitäter sein.

Insgesamt soll es ein völlig neues System des Hochschulzugangs bei Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie geben. Ein größerer Anteil der Plätze als heute soll den Einserabiturienten vorbehalten bleiben: Die sogenannte Abiturbestenquote wird von 20 auf 30 Prozent erhöht. Damit werde auf die "vielfachen wissenschaftlichen Erkenntnisse" reagiert, denen zufolge der allgemeinen Abiturnote "eine hohe Prognosekraft für den Studienerfolg" zukomme. Sie gebe Aufschluss allgemeine kognitive Fähigkeiten und Kompetenzen wie Fleiß.

Eine neue zusätzliche Eignungsquote, durch die jeder zehnte Platz vergeben werden soll, soll aber Bewerbern unabhängig von den Abinoten Chancen eröffnen. Darin werden in gewissem Umfang auch die Wartesemester berücksichtigt. Die restlichen 60 Prozent der Studienplätze werden dezentral von den Hochschulen vergeben. Der nun vorlegte Entwurf des Staatsvertrags enthält dafür einen Katalog an Kriterien. Diese orientieren sich zum Teil an der Abiturnote, zum Teil nicht. Ein Facheignungstest ist obligatorisch.

Derzeit werden jährlich rund 11.000 der bis zu 50.000 Bewerber für ein Medizinstudium an den öffentlichen Hochschulen zugelassen. Das Bundesverfassungsgericht hatte am 19. Dezember 2017 entschieden, dass das Zulassungsverfahren teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss. Heute haben fast nur Einser-Abiturienten eine Chance, für viele gelten Wartezeiten von bis zu 15 Semestern. Die Richter verlangten unter anderem transparentere Verfahren, weniger Wartezeit und mehr Vergleichbarkeit der Abinoten. Deshalb sollen nun länderspezifische Unterschiede bei den Abiturnoten durch sogenannte Prozentrangverfahren und Landesquoten ausgeglichen werden.

Neuregelung soll ab Sommer 2020 gelten

Die Neuregelungen sollen zum Sommersemester 2020 gelten. Insbesondere für Bewerber, die heute auf Wartelisten stehen, sind Übergangsfristen geplant. Der Entwurf muss zuvor noch von einer Konferenz der Ministerpräsidenten und den Parlamenten der 16 Bundesländer abgesegnet werden.

Zum Andrang auf die - gemessen an den Bewerberzahlen - wenigen Studienplätzen sagte Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler, es würden auch neue Studienplätze geschaffen. "Ein paar Bundesländer schaffen das immer wieder." Die Einigung auf den Vertragsentwurf zeige im Übrigen, dass Bildungsföderalismus funktioniere. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Marie Stange von der SPD erläuterte aber auch, im Umfeld von Landtagswahlen könnten in einem Land kaum Staatsverträge ratifiziert werden - unter anderem deshalb seien Staatsverträge nicht einfach auf den Weg zu bringen.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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