Politik

Debatte um neues Gesetz Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe

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Im Bundestag hat es schon eine Orientierungsdebatte für ein neues Sterbehilfe-Gesetz gegeben.

(Foto: picture alliance / HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com)

Ein neues Gesetz könnte eine Legalisierung der aktiven Sterbehilfe in einem gewissen Rahmen beinhalten. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2020 macht dies möglich. Eine Umfrage zeigt nun, wie viele der Deutschen die Legalisierung befürworten.

Das Thema Sterbehilfe ist hochmoralisch, an ihm scheiden sich die Meinungen. Eine Umfrage zeigt nun: Fast drei Viertel der Deutschen (72 Prozent) befürworten die Legalisierung der aktiven Sterbehilfe mittels Verabreichung tödlich wirkender Mittel. Die Umfrage führte das Meinungsforschungsinstitut Yougov durch. Vor zwei Jahren, im April 2019, unterstützten dies noch fünf Prozentpunkte weniger der Befragten.

Noch höher ist die Akzeptanz für die sogenannte passive Sterbehilfe, also die Abschaltung lebenserhaltender Maßnahmen: 83 Prozent der Deutschen unterstützen das (2019: 75 Prozent). Die passive Sterbehilfe ist in Deutschland dann legal, wenn eine Willensäußerung des Betroffenen oder eine gültige Patientenverfügung vorliegt.

Auch den assistierten Suizid - wenn also beispielsweise ein Arzt einem todkranken Patienten bei der Beschaffung des tödlich wirkenden Mittels hilft, der Kranke das Mittel aber eigenständig einnimmt - unterstützen 75 Prozent der Befragten (2019: 69 Prozent).

Bundestag diskutiert Sterbehilfe-Gesetz

Im Februar 2020 hob das Bundesverfassungsgericht das frühere Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung, also die unabhängig von einer Gewinnerzielungsabsicht wiederholte Förderung der Selbsttötung, auf. Diese Neuregelung wird von der Hälfte der Deutschen befürwortet (49 Prozent), 21 Prozent lehnen diese ab. Knapp ein Drittel aller Befragten macht zu dieser Frage keine Angabe (31 Prozent).

Aktuell wird im Bundestag über ein neues Sterbehilfe-Gesetz diskutiert. Bei einer Orientierungsdebatte im April hat der Bundestag das besonders heikle Thema Sterbehilfe schon aufgegriffen. Viele Abgeordnete warnten davor, Suizid zu einer neuen Normalität des Sterbens werden zu lassen. Andere sprachen sich für einen rechtssicheren Weg aus und betonten das Recht auf Selbstbestimmung. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach nach der betont sachlich geführten Orientierungsdebatte, der im Prozess der Neuregelung dieser hochsensiblen Frage wohl noch weitere und hitzigere folgen werden, von einem "ethischen Dilemma in vielerlei Hinsicht".

Quelle: ntv.de, mpe/dpa

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